Iran: Ein Wunschkonzert mit Guido Westerwelle
Die Freilassung zweier deutscher Journalisten im Iran kostete Deutschlands Außenminister Westerwelle nicht nur Nerven: Der FDP-Politiker musste mit Ahmadinejad zusammentreffen, danach schlachteten iranischen Medien den "Besuch" propagandistisch aus.

Foto © ReutersDer deutsche Außenminister Guido
Glückliches Ende nach mehr als vier Monaten Haft im Iran: Die beiden "Bild am Sonntag"-Reporter sind wieder zurück in Deutschland. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle holte die beiden Journalisten mit einer Sondermaschine der Bundesregierung in Teheran ab. Kurz vor Schluss gab es nochmals einen Nervenkrieg mit den iranischen Behörden. Erst nach einem Treffen des Außenministers mit Präsident Mahmoud Ahmadinejad war der Weg frei. Die iranischen Medien schlachteten den Westerwelle-Besuch propagandistisch aus, feierten die Visite als großen außenpolitischen Erfolg.
Treffen mit Ahmadinejad als Bedingung
Außenminister Westerwelle bedankte sich bei allen, die an der Lösung dieses "sehr komplizierten Falles" mitgewirkt hätten. Ausdrücklich nannte er dabei den iranischen Außenminister Ali Akbar Salehi. In Teheran kam der FDP-Chef aber auch mit Präsident Ahmadinejad zusammen, der von vielen westlichen Politikern geschnitten wird. Die iranische Führung hatte ein solches Treffen kurzfristig zur Voraussetzung für eine Freilassung gemacht.
Das offizielle Teheran und die staatlichen iranischen Medien feierten den Besuch Westerwelles als großen außenpolitischen Erfolg. Vizeaußenminister Hassan Ghashghawi sah darin gar eine Niederlage der Europäischen Union, deren Außenminister beschlossen hätten, den Iran nicht zu besuchen. "Aber die Reise von Westerwelle hat dieser Entscheidung quasi widersprochen", sagte er. Nach offizieller Darstellung war die Westerwelle-Reise lange im Voraus geplant.
"Annäherung Deutschlands an den Iran"
Das staatliche iranische Fernsehen interpretierte den Westerwelle-Besuch als einen Versuch Deutschlands, den Kontakt zum Iran zu intensivieren. Die Nachrichtenagentur Fars berichtete, dass Deutschland dem Dialog mit dem Iran nun "Schwung" geben wolle. Bei der Agentur ISNA hieß es, die beiden freigelassenen Reporter seien nicht das Hauptthema gewesen, sondern Verhandlungen über internationale Themen und deren Fortsetzung in der Zukunft.
Westerwelle war seit siebeneinhalb Jahren der erste deutsche Außenminister, der im Iran zu Besuch war. Auf seiner Pressekonferenz sprach er auch die Menschenrechte sowie die Demokratiebewegung in der arabischen Welt an. Nach der Rückkehr nach Berlin betonte er: "Mein Besuch diente einem klaren Anliegen. Es war kein Besuch, bei dem es große Verhandlungen gegeben hätte." Die iranische Exil-Opposition "Nationaler Widerstansdrat" (NWRI) kritisierte die Iran-Reise Westerwelles, der damit einem bereits "bankrotten Regime" neue Hoffnung gemacht und es zu weiteren Repressionen gegen das Volk ermutigt habe.
Gegen Zahlung der Geldbuße kamen Koch und Hellwig schließlich am Samstag in der Früh frei. Von deutschen Diplomaten wurden sie dann nach Teheran in die Botschaft gebracht. Zeitgleich machte sich Westerwelle mit einem Regierungsflugzeug auf den Weg. Bis kurz vor dem Abflug aus Teheran war jedoch noch unsicher, ob der Iran die Ausreise tatsächlich erlaubt. Die Geldbuße wird vom Springer-Verlag gezahlt.
Features
Signal an den Iran
Die Vorgeschichte
Die beiden Journalisten waren im Oktober verhaftet worden, als sie den Sohn und den Anwalt von Sakineh Mohammadi-Ashtiani interviewen wollten. Die Frau war damals wegen Ehebruchs zum Tode durch Steinigung verurteilt worden. Koch und Hellwig wurde vorgeworfen, Visa-Bestimmungen missachtet zu haben, weil sie nur mit einem Touristenvisum eingereist waren. Anfangs saßen sie in Einzelhaft, dann wurden sie zusammengelegt. Kurz nach Weihnachten gab es dann in Täbris ein Treffen mit Verwandten.









