Koalition: "Mir geht alles auf den Keks"
Schlechte Stimmung, aber keine Stimmen zu Neuwahl: Beim Ministerrat am Mittwoch gaben sich die Minister beider Parteien zerknirscht und genervt.

Foto © ReutersJohannes Hahn: "Mir geht alles auf den Keks"
Die Stimmung in der Koalition bleibt schlecht. Auch
vor dem Ministerrat am Mittwoch überschütteten die Parteien einander
mit Vorwürfen, von Neuwahlen wollte aber keiner der eintreffenden
Minister etwas wissen. Die Regierungskoordinatoren gestanden jedoch
ein, dass durch die neue Steuerreform-Debatte und die bevorstehende
Einsetzung eines U-Ausschusses zur Innenministeriumsaffäre das
koalitionäre Leben nicht leichter werde. Für die ÖVP meinte
Landwirtschaftsminister Josef Pröll (V), es werde "sicher
schwieriger", seitens der SPÖ erklärte Infrastrukturminister Werner
Faymann (S) fast wortgleich, es sei nun "vieles schwieriger".
"Panik".
Aufgeben wollen beide Parteien freilich nicht, zumindest gemäß
ihren öffentlichen Ansagen. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein
(V) attestierte dem Koalitionspartner zwar, dass dort "Panik
regiert", will aber die SPÖ nun unter Druck setzen, die Sacharbeit
wieder anzugehen. Auch Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (V)
zeigte sich arbeitswütig, mimte aber Verständnis für die Nöte der
Sozialdemokraten, die von inneren Problemen ablenken wollten. Dies
sei ein menschlicher Zug, sie verstehe das als Ärztin.
"Geht mir auf den Keks".
Besonders genervt gab sich Wissenschaftsminister Johannes Hahn
(V): "Mir geht das alles schon so auf den Keks", meinte er zu den
ständigen Debatten um Neuwahlen und Koalitionsklima. Denn eigentlich
gebe es genug Arbeit zu tun. Dass die SPÖ das auch so sieht, ist Hahn
nicht sicher. Auf die Frage, ob die Sozialdemokraten ein Ende der
Legislaturperiode herbeiführen wollten, meinte der
Wissenschaftsminister: "Es scheint so."
Frage des Vertrauens.
Problematisch ist für Regierungskoordinator Pröll, wie es gelingen
soll, wieder eine vernünftige Ebene aufzubauen. Es werde sich stets
die Frage stellen, ob man dem Koalitionspartner noch trauen könne.
Was Außenministerin Ursula Plassnik (V) von der Sache hält, war nicht
eruierbar. Sie schob sich durch Journalisten und Kameraleute, ohne
auf Fragen einzugehen. Mehr als ein "wir arbeiten" war von der
Außenministerin nicht zu hören.





