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Zuletzt aktualisiert: 17.02.2008 um 09:04 Uhr

Haidinger: "Ich will kein Held sein"

Vertuschte Ermittlungspannen im Fall Kampusch, das Innenministerium im Würgegriff der ÖVP: Der Ex-Chef des Bundeskriminalamtes, Herwig Haidinger, packte aus und bringt die Regierung ins Wanken. Die Kleine Zeitung traf den Aufdecker.

Herwig Haidinger

Foto © APAHerwig Haidinger

Vor zwei Wochen hat er auf den Anruf des grünen Sicherheitssprechers Peter Pilz gewartet. Minuten später hat Herwig Haidinger dann im Innenausschuss mit seinen Korruptionsvorwürfen und Aussagen, wie bei den Bawag-Ermittlungen Druck auf ihn ausgeübt worden ist, ein innenpolitisches Erdbeben ausgelöst. Als Aufdecker will er sich dennoch nicht sehen: "Nein, nicht aufdecken. Der Begriff gefällt mir nicht. Es geht darum, Dinge zu ändern."

Wer ist Herwig Haidinger? Ein frustrierter Topbeamter, der sich rächt, weil sein Vertrag als Chef des Bundeskriminal-
amtes nicht verlängert worden ist? Im Kleine Zeitung-Interview spricht der ehemalige Chef des Bundeskriminalamtes, Herwig Haidinger, über den Fall Kampusch, sein Amtsverständnis und die Rolle des Helden.

Was haben Sie sich gedacht, als Sie kürzlich das Interview mit Natascha Kampusch gesehen haben und sie zu den Ermittlungspannen und der Vertuschung meinte, sie habe den Glauben in die Exekutive verloren?
HAIDINGER: Das sage ich nicht. Es ist mir aber bei meinem Auftrag zur Evaluierung der Ermittlungen im Fall Kampusch nie darum gegangen, jemanden anzuschwärzen. Ich werfe nicht dem Karli oder Fritzi vor, versagt zu haben. Es geht darum, was war und das soll auf den Tisch. Das hätte viel früher, viel anständiger, viel aufrechter passieren können. Ich möchte eine gute Kriminalpolizei und es tut mir weh, dass da Fehler passiert sind, weil ich mit Herz und Seele Polizist bin.

Die ÖVP wirft Ihnen vor, selbst oberster Ermittler gewesen zu sein.
HAIDINGER: Ich war der Chef vom Chef vom Chefermittler und über mir waren der Generaldirektor und der Minister. Ich habe meine Verantwortung wahrgenommen, aber ich gehe nicht ermitteln. Und wie ich im Fall Kampusch alles erfahren habe, habe ich getan was zu tun war. Aber da hat es andere Vorstellungen von Amtsverständnis gegeben.

Innenminister Platter sagt, er habe Ihren Vertrag als Chef des Bundeskriminalamtes nicht verlängert, weil Ihr Amtsverständnis ein anderes sei als seines.
HAIDINGER: (lacht erstmals) Das glaube ich gerne. Ich habe ein anderes. Weisungen sind einzuhalten. Und wenn etwas nicht zulässig ist, mache ich es nicht.

Es fragen sich aber viele, warum Sie erst jetzt nach Ihrer Abberufung auspacken. Warum nicht früher?
HAIDINGER: Das ist einfach. Als ich im Unternehmen öffentliche Sicherheit eine Topmanagementfunktion ausgeübt habe, hatte ich die Möglichkeit, Rechtswidrigkeiten abzustellen. Die zweite Phase war, dass wesentliche Weisungen unterlaufen wurden. Das ist zum Glück dokumentiert. Der nächste Schritt war das Einschalten der Justiz.

Einige sehen Sie als Helden...
HAIDINGER: Ich will kein Held sein. Ein Held ist für mich der Großvater im Lied von STS. Der gibt dem Buben mit, was wertvoll ist.

Andere meinen, Sie seien...
HAIDINGER: ...ein Verräter. Ich habe viele Mails bekommen. In keinem stand aber: Du bist ein A. Ich habe so viel an Lebenserfahrung hinter mir, dass ich weiß, was richtig ist. Es geht um Anstand, um Gerechtigkeit.

Stimmt es, dass Suchtrupps unterwegs sind, um Ihnen etwas nachzuweisen?
HAIDINGER: Ich habe davon gehört.

Ihre Frau bekommt bald ihr viertes Kind. Werden Sie dabei sein?
HAIDINGER: Ja natürlich. Ich war auch bei den anderen dabei. Da weiß man, wie das ist, wenn man sich hilflos und ohnmächtig fühlt.

INTERVIEW: CARINA KERSCHBAUMER

Herwig Haidinger

Der Linzer (54) war Chef der oberösterreichischen Staatspolizei. 2000 wurde er Chef des Bundes-
kriminalamtes
. Im Innenausschuss des Nationalrates hat er ausgesagt, dass er bei den Bawag-Ermittlungen Ergebnisse an die ÖVP weiterleiten hätte sollen. Bei der Aufklärung der Ermittlungspannen im Fall Kampusch soll er behindert worden sein.

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