Innenministerium: Chronologie der Affäre
Mit schweren Vorwürfen gegen das Innenministerium hat der abgelöste Leiter des Bundeskriminalamts, Herwig Haidinger, eine regelrechte Lawine losgetreten, die in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss endete.
Im Folgenden eine Chronologie der Ereignisse:
1. Februar:
- Der abgesetzte BK-Chef Haidinger sagt, er sei abgelöst worden, weil er sich "nicht korrumpieren ließ". Es
habe "eine ganze Reihe von Wünschen und Anliegen von ÖVP-Ministern
gegeben". "Wenn die Umsetzung dieser Wünsche Korrumpierung bedeutet,
mache ich da nicht mit", bleibt Haidinger vorerst noch vage.
- Im Laufe der Ereignisse stellte sich heraus, dass Haidinger
bereits im Sommer 2007 die Staatsanwaltschaft und das Büro für
interne Angelegenheiten (BIA) informiert hat.
5. Februar:
- Mit den Stimmen von SPÖ, Grünen, FPÖ und BZÖ wird Haidinger
überraschend in den Innenausschuss des Nationalrats geladen. Der
Beamte konkretisiert dort seine Vorwürfe: Kabinettsmitarbeiter der
früheren Innenministerin Liese Prokop (ÖVP) hätten ihn angewiesen,
Geldflüsse von BAWAG oder ÖGB an die SPÖ sofort zu berichten und
Unterlagen zu übermitteln; nach der Nationalratswahl 2006 sei er
angewiesen worden, Unterlagen aus der Sonderkommission BAWAG zuerst
an den ÖVP-Klub und erst dann an den Banken-Untersuchungsausschuss zu
übermitteln; zudem soll eine Untersuchung der Ermittlungen im Fall
Kampusch vom Ministerbüro im Herbst 2006 unterbunden worden seien, um
einen Polizeiskandal vor der Wahl zu vermeiden.
- Die von Haidinger Beschuldigten weisen alle Vorwürfe zurück.
Innenminister Günther Platter (ÖVP) spricht in einer ersten Reaktion
von "Gerüchten und Behauptungen".
- Opposition fordert Untersuchungsausschuss, SPÖ lehnt vorerst ab.
6. Februar:
- Natascha Kampusch reagiert auf Enthüllung von Ermittlungsfehler
"entsetzt und wütend".
- Grünen-Sicherheitssprecher Peter Pilz erhebt neue Vorwürfe:
Ex-Innenminister Ernst Strasser (ÖVP) soll Anzeige gegen Asylanwalt
Georg Bürstmayr erwirkt haben, um diesen als Mitglied des
Menschenrechtsbeirats zu verhindern.
- Innenminister Platter verkündet Einsetzung einer
Evaluierungskommission zum Fall Kampusch.
7. Februar:
- Nach Kritik an Zusammensetzung wird Evaluierungskommission um
externe Experten erweitert.
- Korruptionsvorwürfe belastet zusehends Koalitionsklima: SPÖ
wirft ÖVP vor, im Wahlkampf 2006 Sozialdemokraten unter Zuhilfenahme
staatlicher Stellen kriminalisiert und verfolgt zu haben.
8. Februar:
- ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethon spricht von "kluger
Entscheidung" der einstigen Innenministerin Prokop, Hinweisen auf
Ermittlungsfehler im Entführungsfall Kampusch im Wahljahr 2006 nicht
nachgegangen zu sein, rudert später wieder zurück und fühlt sich
missverstanden.
- Grüne kündigen Nationalrats-Sondersitzung an.
- SPÖ schaltet einen Gang höher und droht ÖVP direkt die
Einsetzung eines U-Ausschusses an.
- Haidinger wird vor Wiener Staatsanwaltschaft einvernommen.
- Natascha Kampusch verlangt "Gerechtigkeit".
- ÖVP-Klubobmann Wolfgang Schüssel greift ehemaligen
SPÖ-Innenminister Karl Schlögl an.
9. Februar:
- Neuer BK-Chef Franz Lang gibt Fehler im Fall Kampusch zu.
10. Februar:
- ÖVP greift auch Staatsanwaltschaft an.
- Es wird bekannt, dass BIA-Beamte im August 2006 im Seniorenheim
von Vranitzkys Schwiegermutter vorstellig wurden. Sie wollten die
Telefonnummer des Ex-Kanzlers erfragen, nachdem sie ihn an der aus
"Herold" bekannten Wohnadressen nicht angetroffen haben.
- Von Platter eingesetzte Evaluierungskommission tritt erstmals
zusammen. Der frühere Präsident des Verfassungsgerichtshofs (VfGH),
Ludwig Adamovich, wird zum Vorsitzenden bestimmt.
- SPÖ verschärft Drohung: "Es läuft alles in Richtung
U-Ausschuss".
11. Februar:
- Evaluierungskommission tagt zweites Mal.
- Grüne-Sicherheitssprecher Peter Pilz bringt im Fall Zogaj
Sachverhaltsdarstellung gegen Platter und Beamte ein.
- Auch der frühere Kabinettschef im Innenministerium, Philipp Ita,
bringt Sachverhaltsdarstellung ein.
- SPÖ-Vorsitzender im Bundesrat, Albrecht Konecny, kündigt
"Revanchefoul" gegen ÖVP an.
12. Februar:
- Staatsanwalt kündigt Befragungen von "Verdächtigen" an.
- ÖVP warnt SPÖ vor U-Ausschuss: "Formal ist das ein
Koalitionsbruch".
- Die drei SPÖ-Landeshauptleute Burgstaller, Niessl und Voves
fordern U-Ausschuss.
- ÖVP kündigt Sachverhaltsdarstellung gegen Pilz an.
- Regierungskoordinatoren Werner Faymann (SPÖ) und Josef Pröll (V)
fordern Ende des rot-schwarzen Dauerstreits. Auch
Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und Wissenschaftsminister
Johannes Hahn (V) richten Friedensappell.
13. Februar:
- Steirische SPÖ droht Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) mit
"ziemlich kaltem steirischen Wind", wenn U-Ausschuss nicht kommt.
- Auch Nationalratspräsidentin Barbara Prammer für U-Ausschuss.
- Gusenbauer schließt parlamentarische Instrumente "weder ein noch
aus".
- Präsidiale des Nationalrats einigt sich auf Sondersitzungen des
Innen- und Justizausschusses.
14. Februar:
- Grüne und FPÖ richten im Bundesrat Dringliche Anfrage an
Platter.





