Wieder wird ein Tunnel zum Wahl-Zankapfel
Die ÖVP verlangt eine Sondersitzung zum Thema Koralmtunnel und sieht das Projekt in Gefahr. Die SPÖ tadelt dies als ein reines Wahlkampfmanöver.

Foto © Erwin ScheriauLaut Landeshauptmann Franz Voves gebe es "keinen Grund zur Aufregung"
Noch in dieser Woche wird der Landtag zu einer Sondersitzung zum Thema Koralmtunnel zusammentreten. Denn das milliardenschwere Verkehrsprojekt ist in großer Gefahr - zumindest, wenn man der ÖVP folgt. Die SPÖ dagegen versteht die Aufregung nicht: "Der Koralmtunnel kommt mit Sicherheit", legt sich Landeshauptmann Franz Voves fest.
"Steirischer Schulterschluss"
Doch die ÖVP will mehr: Sie fordert einen "steirischen Schulterschluss", da die SP-Verkehrsministerin Doris Bures bekanntlich angekündigt hat, alle großen Bahnprojekte bis zum Spätherbst zu "evaluieren". Für VP-Klubchef Christopher Drexler heißt das nichts anderes, als dass Bures "eigentlich schon den Rückzug aus diesem Projekt vorbereitet", wie er sagt.
Voves sieht das völlig anders: Niemand in Wien stelle den Koralm- oder den Semmeringtunnel infrage. Als Beleg zitiert Voves eine Anfragebeantwortung vom letzten Herbst, worin Bures selbst erklärt hat, dass es keinen Rückzug von diesen Projekten gibt. Die ÖVP werde aber von "einem fürchterlichen Neid" gebeutelt, weil erst die SPÖ kommen habe müssen, um die Bauvorhaben ins Rollen zu bringen.
Voves ging beim Geplänkel am Montag auch gleich zum Gegenangriff über: Die frühere VP-Landeshauptfrau Waltraud Klasnic habe zwar plakatiert, dass sie den Semmeringtunnel "durchgesetzt" habe, tatsächlich geblieben sei aber nur der Waltraud-Stollen. Und dieser müsse nach wie vor Tag und Nacht entwässert werden, was bisher 2,2 Millionen Euro gekostet habe.
Konter der ÖVP: Bures betreibe in Wien ein Verwirrspiel, das Voves nicht durchblicke. "Man muss ihm einfach Beine machen, er ist ja noch ein paar Monate im Amt", so Drexler. In der eigentlichen Sachfrage legt Verkehrslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder die Latte nun absichtlich hoch: Noch vor der Wahl am 26. September müsse die Beauftragung für das zweite Tunnelbaulos "KAT 2" erfolgen, erst dann sei der Koralmtunnel nicht mehr zu stoppen.
Wie vor fünf Jahren dürfte damit auch diesmal ein Tunnel zu einem der heißen Wahl-Zankäpfel werden. Nur Hohn für den Sonderlandtag kommt von BZÖ-Mann Gerald Grosz: Man könne genauso gut das "Konsortium aller Salzämter" einberufen. Wirklich zuständig für den Tunnel sei nur der Nationalrat.











