Karadzic soll verurteilten Kriegsverbrecher vor Gericht entlasten
Der frühere bosnisch-serbische Präsident Radovan Karadzic soll nach Willen eines Anwalts im Berufungsprozess gegen einen verurteilten Kriegsverbrecher als Entlastungszeuge auftreten.

Foto © APKaradzic soll als Entlastungszeuge auftreten.
Der inzwischen selbst in Den Haag angeklagte Karadzic
könne Beweise für die Unschuld seines Mandanten, des damaligen
Parlamentspräsidenten der bosnisch-serbischen Republika Srpska,
Momcilo Krajisnik, vorbringen, sagte Anwalt Alan Dershowitz.
Krajisnik wurde vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag vor zwei
Jahren wegen Kriegsverbrechen zu 27 Jahren Gefängnis verurteilt.
Vorladung. Er habe bereits mit Karadzic gesprochen, sagte der US-Anwalt bei
einer Gerichtsanhörung am Donnerstag. Welche Beweise oder Aussagen
Karadzics zur Entlastung seines Mandanten beitragen könnten,
erläuterte Dershowitz nicht. Das Gericht muss der Vorladung des
zusätzlichen Zeugen allerdings noch zustimmen, die Urteilsverkündung
stand zuletzt fast unmittelbar bevor. Die Verteidigung müsste
Karadzic noch vor dem 15. September in den Zeugenstand rufen,
erklärte das Gericht am Mittwoch.
13 Jahre Flucht. Karadzic wurde im Juli nach 13 Jahren auf der Flucht gefasst und
dem UNO-Tribunal überstellt. Er ist wegen Völkermordes und
Kriegsverbrechen angeklagt. Bisher hat er vor dem Gericht in Den Haag
nicht plädiert. Im Prozess gegen seinen engen Weggefährten Krajisnik
sagte die bereits zu elf Jahren Haft verurteilte
Karadzic-Stellvertreterin Biljana Plavsic aus, der
Parlamentspräsident habe fast genauso viel Macht und Einfluss wie
Karadzic gehabt. Sein Anwalt beteuert jedoch, Krajisnik habe nur
Reden gehalten und nicht selbst Verbrechen begangen.





