Karadzic-Anwälte wollen Laptop von Experten prüfen lassen
Angeklagter Karadzic dürfte nicht mit seiner Festnahme gerechnet haben.

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Die Belgrader Anwälte des Haager Angeklagten
Radovan Karadzic wollen seinen Laptop, welcher von der Polizei mit
einigen anderen Gegenständen des ehemaligen bosnisch-serbischen
Präsidenten Anfang dieser Woche in einem aufgelassenen Polizeigebäude
im Belgrader Stadtviertel Batajnica nach einem anonymen
Telefonhinweis entdeckt wurde, heute Freitag von einem Experten
prüfen lassen. Man wolle feststellen, ob der Rechner seit der
Festnahme Karadzics manipuliert worden sei, verkündeten die Anwälte,
die am Donnerstag auch andere Gegenstände des mutmaßlichen
Kriegsverbrechers entgegennahmen.
Werbung für Cellulitefreie Bikinisaison. Durch eine DNA-Analyse war zuvor bestätigt worden, dass der
Rechner und die übrigen Dinge tatsächlich Karadzic gehören. In einer
roten Sporttasche befanden sich neben einer Tasche mit dem Laptop und
55 Disketten, auf denen sich u.a. auch die von Karadzic vorbereitete
Verteidigung befinden soll, auch Gegenstände, welche der Angeklagte
auf der Flucht für seine Tarnidentität als Alternativmediziner
"Dragan Dabic" benutzt haben dürfte. Demnach bewarb Karadzic, alias
Dabic, ganz offensichtlich bei Patientinnen ein Angebot für eine
"Bikinisaison ohne Cellulitis".
Von Verhaftung überrascht. "Dabic", hinter dem sich Karadzic spätestens seit Herbst 2006
versteckte, trug auch sonstige Werbung für Alternativmedizin bei
sich, aber auch das Neue Testament und ein Notenheft. Der Haager
Angeklagte war nach offiziellen Angaben nach mehr als zwölf Jahren
auf der Flucht am 21. Juli unweit von Belgrad festgenommen worden,
als er seinen Wohnsitz ändern wollte. Der Inhalt seiner Tasche deutet
daraufhin, dass er nicht mit der Festnahme gerechnet hatte.
Interesse an Musik. Karadzic soll sich am 29. August vor dem
UNO-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) zur
Anklage äußern, welche ihm Genozid und andere Kriegsverbrechen
während des dreijährigen Bosnien-Krieges (1992-95) vorwirft. Im
Tribunalsgefängnis in den Niederlanden soll er in Erwartung eines
zweiten Auftrittes vor dem Gericht auch das Interesse für ein
Keyboard bekundet haben. Die Familie sei aufgefordert worden, ihm
auch ein Klavierlehrbuch zu besorgen, berichteten Medien.
Ermittlungen gegen Fluchthelfer. Der für die Zusammenarbeit Belgrads mit dem ICTY zuständige
serbische Arbeitsminister Rasim Ljajic hat unterdessen die
strafrechtliche Verfolgung von Fluchthelfern Karadzics angekündigt.
Die Ermittlungen dazu sind im Gange.





