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Zuletzt aktualisiert: 15.08.2008 um 12:24 UhrKommentare

Karadzic-Anwälte wollen Laptop von Experten prüfen lassen

Angeklagter Karadzic dürfte nicht mit seiner Festnahme gerechnet haben.

Foto © APA

Die Belgrader Anwälte des Haager Angeklagten Radovan Karadzic wollen seinen Laptop, welcher von der Polizei mit einigen anderen Gegenständen des ehemaligen bosnisch-serbischen Präsidenten Anfang dieser Woche in einem aufgelassenen Polizeigebäude im Belgrader Stadtviertel Batajnica nach einem anonymen Telefonhinweis entdeckt wurde, heute Freitag von einem Experten prüfen lassen. Man wolle feststellen, ob der Rechner seit der Festnahme Karadzics manipuliert worden sei, verkündeten die Anwälte, die am Donnerstag auch andere Gegenstände des mutmaßlichen Kriegsverbrechers entgegennahmen.

Werbung für Cellulitefreie Bikinisaison. Durch eine DNA-Analyse war zuvor bestätigt worden, dass der Rechner und die übrigen Dinge tatsächlich Karadzic gehören. In einer roten Sporttasche befanden sich neben einer Tasche mit dem Laptop und 55 Disketten, auf denen sich u.a. auch die von Karadzic vorbereitete Verteidigung befinden soll, auch Gegenstände, welche der Angeklagte auf der Flucht für seine Tarnidentität als Alternativmediziner "Dragan Dabic" benutzt haben dürfte. Demnach bewarb Karadzic, alias Dabic, ganz offensichtlich bei Patientinnen ein Angebot für eine "Bikinisaison ohne Cellulitis".

Von Verhaftung überrascht. "Dabic", hinter dem sich Karadzic spätestens seit Herbst 2006 versteckte, trug auch sonstige Werbung für Alternativmedizin bei sich, aber auch das Neue Testament und ein Notenheft. Der Haager Angeklagte war nach offiziellen Angaben nach mehr als zwölf Jahren auf der Flucht am 21. Juli unweit von Belgrad festgenommen worden, als er seinen Wohnsitz ändern wollte. Der Inhalt seiner Tasche deutet daraufhin, dass er nicht mit der Festnahme gerechnet hatte.

Interesse an Musik. Karadzic soll sich am 29. August vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) zur Anklage äußern, welche ihm Genozid und andere Kriegsverbrechen während des dreijährigen Bosnien-Krieges (1992-95) vorwirft. Im Tribunalsgefängnis in den Niederlanden soll er in Erwartung eines zweiten Auftrittes vor dem Gericht auch das Interesse für ein Keyboard bekundet haben. Die Familie sei aufgefordert worden, ihm auch ein Klavierlehrbuch zu besorgen, berichteten Medien.

Ermittlungen gegen Fluchthelfer. Der für die Zusammenarbeit Belgrads mit dem ICTY zuständige serbische Arbeitsminister Rasim Ljajic hat unterdessen die strafrechtliche Verfolgung von Fluchthelfern Karadzics angekündigt. Die Ermittlungen dazu sind im Gange.


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