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Zuletzt aktualisiert: 03.10.2012 um 17:08 UhrKommentare

Massenproteste wegen der Krise

Im Iran spitzt sich die Situation wegen des Verfalls der Landeswährung Rial und der allgemeinen wirtschaftlichen Misere kritisch zu. In Teheran ging die Polizei rabiat gegen Geldhändler und Demonstranten vor.

Foto © APA

Im Iran ist es am Mittwoch bei Protesten in mehreren Stadtteilen der iranischen Hauptstadt Teheran zu schweren Auseinandersetzungen zwischen der Bevölkerung und der Polizei. gekommen. Der Unmut der Bevölkerung wegen der Wirtschaftskrise wird immer größer. Die westlichen Sanktionen wegen des umstrittenen iranischen Atomprogramms, allen voran das seit 1. Juli in Kraft getretene Ölembargo der EU, machen der Führung offenbar mehr zu schaffen, als sie zugibt.

Wirtschaft am Rande des Kollaps

Wegen der drastischen Abwertung der iranischen Währung Rial -am 1. September bekam man für 27.000 Rial einen Euro bzw. 24.000 Rial für einen US-Dollar; am Mittwoch dotiert der Euro bei 45.000 Rial und der US-Dollar bei 33.500 Rial - steht die gesamte Wirtschaft des Landes am Rande des Kollaps. Hunderte Polizisten gingen im südlich der Stadtmitte gelegenen Finanzbezirk Ferdosi mit Schlagstöcken und Tränengas gegen illegale Geldtauscher vor und ordneten die Schließung von Wechselstuben und Geschäften an. Im telefonischen Gespräch mit der Austria Presse Agentur bestätigten Bewohner der umliegenden Bezirke, dass die Polizei das Finanzviertel vorsorglich weiträumig abgeschottet hatte. Kurz nach 13.00 Uhr Ortszeit eskalierte die Situation, als einige Männer Steine gegen Polizisten und ein Polizeiauto warfen, bevor sie wegrannten.

"Die Lage hatte sich schon in den letzten Tagen zugespitzt, es war klar, dass es früher oder später zum Eklat kommen würde. Die Lebensmittelpreise haben sich binnen kürzester Zeit verdoppelt. Die Menschen wissen nicht mehr, wie sie über die Runden kommen sollen und ich glaube, dass das erst der Anfang einer großen Protestwelle ist", berichtete Behnaz K. Die Preise für Fisch und Huhn zum Beispiel seien binnen weniger Tage um 100 Prozent gestiegen. Dabei wissen die Menschen nicht, ob ihre Gehälter in irgend einer Form an die rapide wachsende Inflation angepasst werden.

Geschäfte aus Angst geschlossen

Am Bazar von Teheran gab es am Mittwoch kaum Handel. Der Bazar gilt im schiitischen Gottesstaat stets als Stimmungsbarometer für die Wirtschaft und die "Bazari" (Handelstreibende) besitzen innerhalb der Machtstrukturen sehr viel Einfluss. Viele Händler schlossen selbst aus Angst vor Ausschreitungen ihre Geschäfte. "Wir haben geschlossen, weil wir nicht wissen, was (mit dem Dollar) passiert", erklärte einer von ihnen. Ein Kursmakler schloss wegen der Präsenz der Polizei im Zentrum der iranischen Hauptstadt sein Büro. Die kleineren Proteste am Bazar wurden von der Polizei im Keim erstickt. Nahe der britischen Botschaft in Teheran setzten Protestierende offenbar Müllcontainer in Brand.

Für Donnerstag und Freitag werden weitere Proteste erwartet. Erst zu Beginn der Woche hatten mehrere tausend Arbeiter ihren Unmut über die Verteuerung in einem Brief an den Arbeitsminister geäußert. Einer, der vor genau solch einer Reaktion der Bevölkerung eindringlich gewarnt hatte, ist der einflussreiche Chef des Schlichtungsrates, Ali Akbar Hashemi Rafsanjani. "Wir müssen die Bevölkerung wieder ins Boot holen und ihr Vertrauen zurückgewinnen. Dringende Wirtschaftsmaßnahmen sind nötig. Sonst wird es einen Flächenbrand geben, der kaum löschbar ist", prophezeite er vor wenigen Wochen.


Fakten

Der iranische Rial verlor seit Ende 2011 mehr als 80 Prozent seines Wertes. Gründe sind der Mangel an Devisen und die starke Inflation in Folge der Sanktionen.

Grafik

Zeittafel: Die bewegte Geschichte des Iran.

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