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    Zuletzt aktualisiert: 06.07.2012 um 07:07 UhrKommentare

    "Warum der Iran die Bombe haben sollte"

    In einem umstrittenen Essay in der Juli-August-Ausgabe des US-Magazins "Foreign Affairs" wird die These vertreten, ein nuklear bewaffneter Iran wäre eine stabilisierende Kraft im Nahen Osten. Der Autor ist ausgerechnet der prominente US-Politologe Kenneth Waltz.

    Foto © Reuters

    Waltz löste damit in Israel und den USA sowie unter Experten für internationale Politik eine heftige Polemik aus. Er begründete seine These mit den Erfahrungen aus der Geschichte des atomaren Wettlaufs zwischen den Großmächten nach dem Zweiten Weltkrieg und der atomaren Bewaffnung von Staaten wie Indien, Pakistan und Israel. Seiner Meinung nach gibt es drei mögliche Wege, wie der jahrelange Atomstreit und die jüngst wieder aufgenommenen Verhandlungen mit dem Iran ein Ende finden könnte.

    Der erste könnte darin bestehen, dass die mit Sanktionen begleitete Diplomatie den Iran überzeugen würde, das Streben nach Atomwaffen aufzugeben. Die historische Erfahrung zeige jedoch dass ein Land, das in den Besitz von Atomwaffen gelangen möchte, schwer von diesem Ziel abzubringen sei. Nordkorea sei ein gutes Beispiel dafür, so der US-Politikwissenschaftler und Begründer des "Neorealismus" in den Internationalen Beziehungen.

    Die zweite Möglichkeit besteht für Waltz darin, dass der Iran sein militärisches Programm bis kurz vor dem ersten Atomtest weiterführt, vor diesem Schritt aber anhält - aber sich die Fähigkeit zum jederzeitigen Bau der Bombe sichert - also die "Breakout"-Fähigkeit entwickelt. Und das, ohne weitere Nachteile wie etwa internationale Isolation und Ächtung in Kauf nehmen zu müssen. Darauf allerdings würde sich Israel nicht einlassen.

    Dritter Weg

    Der dritte Weg, den Waltz aufzeigt, besteht darin, dass der Iran seinen Kurs bis zum Test einer Atomwaffe unbeirrt weiter verfolgt. Die USA und Israel hätten zwar definitiv klargemacht, dass dieser Schritt für sie nicht akzeptabel sei. Aber nun bleibe den alten Nuklearmächten nichts anderes übrig, als damit zu leben. Im Allgemeinen, so Waltz' These, schafften neue Nuklearmächte mehr regionale und internationale Stabilität, nicht weniger.

    Der französische Politologe Bruno Tertrais, vom Internationalen Institut für Strategische Studien (IISS), kritisierte die Ausführungen von Waltz scharf. In einer der APA übermittelten Aussendung meinte er, solche Behauptungen ignorierten die Lehren der Geschichte, die Realitäten der Region und die Eigenarten des iranischen Regimes. "Viele Länder haben eine Neigung zu gefährlichen Risiken und provokativem Verhalten gezeigt, sobald sie in der Lage waren, Atomwaffen herzustellen. Im Jahr 1950 unterstützte die Sowjetunion die Invasion Südkoreas; 1961 löste sie in Berlin eine massive Krise aus; und 1962 brachte sie die Welt nahe an einen Atomkrieg heran - ermutigt von einem kubanischen Regime, das bereit war, sich selbst für den Sieg der sozialistischen Revolution zu opfern."

    Kritik

    Darüber hinaus müsse man sich fragen, ob "der revolutionäre Iran ein guter Verwahrer nuklearer Waffen wäre". Ferner gebe es eine ganze Reihe von Gründen - von akuten Sicherheitsbedenken bis zur Rivalität zwischen Schiiten und Sunniten sowie Nationalstolz -, aus denen ein atomar bewaffneter Iran fast unvermeidlich die Weiterverbreitung von Atomwaffen auf der Arabischen Halbinsel und in Nordafrika (und möglicherweise der Türkei) auslösen würde. "Wer dieses Szenario jedoch leugnet, missdeutet auf fundamentale Weise die aktuelle strategische Dynamik in der Region, ebenso wie den Rückschlag, den eine iranische Bombe für den Atomwaffensperrvertrag bedeuten würde", warnte Tertrais.

    Außerdem ignorierten Optimisten wie Waltz "die Eigenarten des iranischen Regimes". Man sollte nicht die Bedeutung religiöser Überzeugungen und apokalyptischer Denkweisen der aktuellen Führungsriege, insbesondere einiger einflussreicher Berater, übersehen. "Die Islamische Republik Iran bleibt ein revolutionärer Akteur, der Terror, Entführungen und Geiselnahmen als Instrument benutzt, um Einfluss zu nehmen, zu verhandeln und zu überzeugen", so Tertrais. "Und wie könnte eine stabile Beziehung der gegenseitigen Abschreckung zwischen Israel und Iran jemals zustande kommen, wenn eine der beiden Hauptpersonen nicht einmal die Existenz des anderen anerkennt?"

    "Ein nuklear bewaffneter Iran wäre eine Gefahr für die Region und für die Welt. Wenn Sie darauf setzen wollen, dann unter eigenem Risiko" resümiert der französische Politikwissenschaftler.


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