Iranische Polizei löste Trauerfeier gewaltsam auf
Mehrere hundert Menschen hatten sich am Grab von Neda Agha-Soltan versammelt. Die junge Frau war bei Protesten gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Ahmadinedschad getötet worden.

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Iranische Sicherheitskräfte haben am Donnerstag in ganz Teheran Trauerfeiern zum Gedenken an die Opfer der jüngsten Proteste teils gewaltsam aufgelöst. Mit Tränengas und Knüppeln gingen Polizisten gegen Tausende Iraner vor, die der Opfer der jüngsten Proteste gegen die Regierung gedachten. Ungeachtet eines Verbots versammelten sich nach Angaben von Augenzeugen tausende Demonstranten allein auf dem großen Teheraner Mosalla-Gebetsplatz. In verschiedenen Stadtteilen kamen Menschen zusammen, um an die Getöteten zu erinnern.
Es habe heftige Auseinandersetzungen gegeben, hieß es auf der von Oppositionellen betriebenen Internetseite Mowjcamp. Augenzeugen berichteten, Polizisten hätten Anhänger des Reformpolitikers Mir-Hossein Moussavi festgenommen. Außerdem hätten sie die Scheiben von Autos zerschlagen, deren Fahrer aus Sympathie für die Demonstranten gehupt hätten. Als Reaktion auf den Einsatz von Tränengas setzten Regierungsgegner auf der Wali-Asr-Straße Reifen und Mülltonnen in Brand. Journalisten ausländischer Nachrichtenagenturen war es verboten, ihre Büros zu verlassen und vom Ort des Geschehens zu berichten.
Am Nachmittag hatten sich zunächst Hunderte Trauernde trotz eines Verbots der Revolutionsgarden auf dem Behesht-e-Zahra-Friedhof im Süden der Hauptstadt versammelt. Sie fanden sich laut Augenzeugen am Grab von Neda Agha-Soltan ein. Die Mutter der Musikstudentin hatte zu dem Gedenken eingeladen. Schiitische Muslime gedenken der Verstorbenen traditionell 40 Tage nach dem Tod. Neda war am 20. Juni erschossen worden, als sich Moussavi-Anhänger und Sicherheitskräfte sowie die islamische Basidj-Miliz, die streng loyal zum geistlichen Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei steht, in Teheran Straßenschlachten lieferten. Videoaufnahmen von ihrem Tod, die später im Internet erschienen, sorgten weltweit für Entsetzen. Neda wurde zu einem Symbol des Widerstands.
Dutzende schwer bewaffnete Sicherheitskräfte versuchten, die Menge auf dem Friedhof auseinanderzutreiben, wie ein Augenzeuge sagte. Dabei setzten die Polizisten Schlagstöcke ein. Auch der Oppositionsführer Moussavi sei unmittelbar nach seiner Ankunft am Friedhof von der Polizei gezwungen worden, das Gelände zu verlassen. Sicherheitskräfte hinderten ihn daran, aus seinem Auto auszusteigen. Darauf skandierten die Demonstranten "Allah'u Akbar (Gott ist groß)" und "Tod dem Diktator". Auch Rufe wie "Neda lebt, Ahmadinejad ist tot", ertönten. Die Trauernden zogen sich danach in kleinen Gruppen zurück, wie der Zeuge sagte.
Später marschierten Hunderte Demonstranten zu dem zentralen Gebetsplatz in Teheran, an dem schon Bereitschaftspolizisten aufgezogen waren. Eine Versammlung war dort verboten worden. Die Polizisten versuchten offenbar, die Demonstranten abzudrängen. In mehreren Straßen kam es nach Berichten von Augenzeugen zu gewaltsamen Übergriffen. Einige Demonstranten hätten Papierkörbe angezündet. Die Proteste zeigten, dass der Widerstand gegen die iranische Führung trotz des gewaltsamen Vorgehens der Sicherheitskräfte und zahlreicher Festnahmen ungebrochen ist. Die Versammlungsverbote haben die Menschen nicht davon abgehalten, zum Gedenken an die Todesopfer zusammenzukommen.
Offiziell waren bei den Protesten der Oppositionsanhänger 20 Menschen ums Leben gekommen. Ein iranischer Abgeordneter hatte vor kurzem aber von 30 Todesopfern gesprochen. Die Behörden hatten einen Antrag der Oppositionsführer Moussavi und Mehdi Karroubi abgelehnt, auf dem Mosalla-Gebetsplatz eine öffentliche Trauerfeier zu veranstalten. Trotz des Verbotes wollten die beiden Politiker, die bei der umstrittenen Präsidentenwahl dem Amtsinhaber Mahmoud Ahmadinejad unterlegen waren, mit den Angehörigen der Opfer auf dem Friedhof der Toten gedenken.
Vorwurf der Wahlfälschung
Die Opposition wirft der Regierung Wahlfälschung vor und erkennt die Wiederwahl des erzkonservativen Ahmadinejad bei der Abstimmung am 12. Juni nicht an. Die Bilder vom Tod der 27 Jahre alten Neda gingen um die Welt. Seitdem wurden laut Menschenrechtsgruppen Hunderte Oppositionelle festgenommen, darunter hochrangige Reformbefürworter, Journalisten und Anwälte. Nach Darstellung der Behörden wurden viele inzwischen wieder freigelassen. Nach Angaben eines Parlamentsausschusses sind aber noch 250 in Haft, unter ihnen der prominente Reformpolitiker Said Hadjarian. Er wurde laut einer Meldung der halbamtlichen Nachrichtenagentur Mehr aus dem Gefängnis in ein Haus gebracht, wo er weiterhin unter Arrest steht.
Zwei prominente iranische Filmemacher wurden am Donnerstag festgenommen, als sie an Nedas Grab Blumen niederlegen wollten. Einer von ihnen ist Jafar Panahi, dessen Film "Der Kreis" aus dem Jahr 2000 auch in Deutschland gezeigt wurde. Der Film beschäftigt sich kritisch mit der Situation von Frauen im Iran und wurde dort verboten. Zusammen mit Panahi wurde die Dokumentarfilmerin Mahnas Mohammadi festgenommen.













