"Man kann nicht alle erschießen"
Zwischen Bangen und Hoffen verfolgen Iraner die dramatische Situation in ihrem Heimatland - hin- und hergerissen zwischen der Hoffnung auf Veränderung und tiefer Angst um Angehörige und Freunde.

Foto © APIrans Regime kann den Widerstand auf der Straße nicht stoppen
"Gebt mir meine Stimme zurück" und "Tod dem Diktator" hallt es durch die Straßen Teherans, wo die Menschen zu Hunderttausenden auf die Straße gehen, um ihrem Unmut Luft zu machen. Längst geht es dabei nicht mehr nur um ihre Stimme für den Reform-Kandidaten Moussavi, sondern zunehmend auch für einen Regimewechsel. "Die kann man nicht alle erschießen", zeigt sich auch eine seit acht Jahren in der Steiermark lebende Iranerin überzeugt.
Bangen um Angehörige. Zwischen Bangen und Hoffen verfolgt sie die dramatische Situation im Iran. Ihren Namen will sie nicht nennen - zu groß ist die Angst um Bekannte, Freunde und Familie, die in Teheran und anderen Städten auf die Straße gehen. Denn wer gegen das Regime ist, bekommt dessen Macht mit voller Härte zu spüren. Festnahmen sind an der Tagesordnung, mittlerweile dürfen auch ausländische Journalisten ihre Büros nicht mehr verlassen, Fotografieren ist verboten. Despotisch kontrolliert die Regierung auch die sozialen Netzwerke wie Facebook und Twitter, wer als Demonstrant auf Fotos erkannt wird, wird sofort verhaftet, weiß sie von ihren Eltern zu berichten.
Hoffnung schwindet.
An Neuwahlen glaubt sie, wie auch viele ihrer Landsleute, nicht mehr. Doch die Menschen werden nicht aufhören zu kämpfen, zu groß ist im Land die Sehnsucht nach Veränderung, ist sie überzeugt. Wie weggeblasen scheinen die bleierne Lähmung und Resignation, die seit Jahren über dem Land liegt - "auch wenn dabei Blut fließen muss", setzt sie nach.
Flucht 1979. "
Die Menschen sind Ahmadinejad leid", bestätigt auch der seit Jahren in Graz lebende Exil-Iraner David Kyros die derzeitige Stimmung im Iran. Der heute 36-Jährige verließ 1979 , sofort nach der Machergreifung durch Khomeini, als politischer Flüchtling das Land und fand in der Steiermark schließlich eine neue Heimat. Doch mit der nun aufkeimenden Hoffnung schwingt auch bei ihm die Sorge um seine im Iran lebende Familie mit.
"Angst, dass es brutal ausgeht". "Ich habe Angst, dass das brutal ausgeht: Die Menschen sehnen sich nach Freiheit, nach Recht. Sie fragen sich, wo ihre Stimme geblieben ist". Auf einen Sieg Moussavis – wenn auch nur als einzig wählbare Alternative zu Ahmadinejad - hat auch er gehofft, der Reformer "ist der einzige, der mehr Freiheit verspricht, vor allem für die Jugend". Und die Jugend ist die große Hoffnung für den in so vielen Belangen rückständigen Iran: Immerhin 75 Prozent der Iraner sind unter 35 Jahre alt, das Durchschnittsalter liegt bei gerade einmal 25 Jahren.
Doch selbst wenn der Sieg Moussavi noch zugesprochen werden sollte, sieht Kyros die Wurzeln der Wut viel tiefer: "Die Leute protestieren jetzt zwar wegen Moussavi, aber sie wollen das ganze System wegschieben".














