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    NEOS beantragen Aussetzung der Wehrpflicht Auch Kasernenstandort St. Michael lag im Trend Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Heer Nächster Artikel NEOS beantragen Aussetzung der Wehrpflicht Auch Kasernenstandort St. Michael lag im Trend
    Zuletzt aktualisiert: 19.01.2013 um 13:20 UhrKommentare

    "Danke, lieber Zivildienst"

    Am Sonntag bestimmen Herr und Frau Österreicher nicht nur die künftige Gestaltung des Bundesheeres, sondern auch die Zukunft des Zivildienstes. Drei Ex-"Zivis" und Online-Redakteure blicken zurück – und nehmen Stellung zur Wehrpflicht-Debatte.

    Foto © APA

    Am Sonntag sind Österreichs Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, mittels Volksbefragung die Zukunft des Bundesheers mitzugestalten: Einführung eines Berufsheers oder Fortsetzung der Wehrpflicht. Damit verbunden ist bekanntlich auch die Zukunft des Zivildienstes. Drei Ex-"Zivis" und Online-Redakteure schilden ihre Erfahrungen – und machen sich Gedanken zur politischen "Causa Prima".

    Einberufung "aus Versehen"

    Bevor ich meinen Zivildienst überhaupt antreten konnte, musste ich für einen Tag zum Bundesheer.
    Man sandte mir - "aus Versehen", wie ich später erfahren sollte - just nach der Matura einen Einberufungsbefehl zu. Ich, gerade zuhause aus- und in eine WG eingezogen, fing gerade zu arbeiten an, da ich meinen Zivildienst bei der Lebenshilfe erst im Winter antreten sollte.

    Die Loutschounig-Kaserne in Villach drohte mir also den ersten Sommer in den eigenen vier Wänden zu verhageln. Grundausbildung und Drill statt Freiheit und lange Nächte?
    Ich fuhr in die Grazer Belgierkaserne, um den Herren in Uniform von dem mir widerfahrenen Unrecht zu berichten – schließlich hatte ich bei der Stellung für alle hörbar "Zivildienst" verlautbart, eine Karriere beim Heer dankend abgelehnt und meine Stelle bei der Lebenshilfe seit Wochen gesichert.

    "Noch sind Sie Soldat", wurde mir von einem Oberst-Feldwebel-Sonstwas entgegnet, der sich meinen Akt bringen ließ. Blätterte langsam durch, musterte mich mit strengem Blick und forderte mich ständig auf, ihn nicht mit Nachnamen, sondern mit Dienstgrad anzusprechen. Als seine Augen auf einen gelben Zettel in eben jenem Akt fielen, musste ich grinsen. In dicken Lettern stand "Zivildienst" auf dem Formular, das sonst für die Bekanntgabe der "Wunschkaserne" genutzt wird. Der grimmige Herr Dienstgrad schluckte, gab mir ein Dokument zur Aufhebung des Einberufungsbefehls in die Hand und teilte mir mit, diesen "umgehend vernichten" zu müssen. Auch sprechen dürfe ich darüber nicht.
    Ich verabschiedete mich höflichst, bedankte mich und wiederholte dabei seinen Nachnamen so oft ich nur konnte.

    Der Zivildienst entpuppte sich als interessantes Jahr bei interessantem Sold.
    Wenn man unter interessant versteht, beinahe täglich Nudeln zu essen, weil das Geld nicht mehr hergibt.
    Trotzdem bin ich mir sicher, dass die persönlichen Erfahrungen im Umgang mit behinderten Menschen, die mir dieses Jahr brachte, durch nichts aufzuwiegen sind, was mir das Bundesheer hätte bieten können. Natürlich hätte die soziale Einrichtung, in der ich den "Wehrersatzdienst" leistete, auch ohne mein Zutun bestens funktioniert, doch ich hatte für ein Jahr täglich das Gefühl, etwas Sinnvolles zu leisten. Und wenn es nur für ein paar leidgeprüfte Eltern und deren Kinder war, anstatt "Vater Staat" und seine Außengrenzen zu bewachen.

    Und ja, ich bin für die Abschaffung der Wehrpflicht, hätte aber nichts gegen ein verpflichtendes Soziales Jahr – für beide Geschlechter. Eine Option, die in der aktuellen Scheindebatte der Parteisoldaten leider nicht diskutiert wird.

    SEBASTIAN KRAUSE

    Verpflichtenden Soziales Jahr für alle

    Ich habe meinen Zivildienst bei der Lebenshilfe absolviert. Damals noch ein ganzes Jahr – am Existenzminimum. Dennoch war es ein sehr wertvolles Jahr. Das Betreuen von Kindern mit Behinderung war anfangs schwierig, später lustig, zwischendurch unangenehm und letztlich erfüllend. Aber nicht nur ich habe von dieser Erfahrung profitiert. Ich wage zu behaupten, dass ich meinem Land einen Dienst erwiesen habe. Oder zumindest einer sozialen Einrichtung. Oder wenigstens ein paar schicksalsgeprüften Eltern und ihren Kindern, die ihr Leben meist aus einer völlig anderen Perspektive sehen als der selbstsüchtige, unzufriedene Durchschnittsbürger. Der allgegenwärtige Krisenkanon - die Blanko-Entschuldigung für moralisch bedenkliche Gewinnmaximierung – erscheint einem auch in einem gänzlich anderen Licht, wenn man seinen Wehrersatzdienst im Altenheim, einer Behinderten-Einrichtung oder beim Rettungsdienst leistet.

    Das Modell "Berufsheer" wäre grundsätzlich zu begrüßen. Aber ob Katastrophenschutz und vor allem der Zivildienst adäquat und kosteneffizient ersetzt werden können, steht in den Sternen. Auch wenn man für ein freiwilliges Soziales Jahr 1.386 Euro brutto monatlich bekommt – 14 mal im Jahr. Das muss aber der Fall sein, zumal gerade der Sozialbereich in der Regel nicht mit Budgetaufstockungen überschüttet wird und daher auf Zivildiener absolut angewiesen ist.

    Ein Berufsheer in Verbindung mit einem verpflichtenden Sozialen Jahr für Männer und Frauen ab 18 – das wäre notwendig. Dieser Weg mutet womöglich auf den ersten Blick radikal an, aber er ist es nicht. Es ist noch nicht allzu lange her, da musste man als junger Mann ohnehin ein Jahr "opfern", wenn man dem Dienst an der Waffe nichts abgewinnen konnte. Und als Verfechter der Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft sehe ich keinen Grund, warum das schöne Geschlecht hierbei außen vor gelassen werden sollte. Selbstverständlich unter dem Gesichtspunkt, dass Kindeserziehung auch Männersache ist.

    Freilich würden unsere Volksvertreter eine so unpopuläre Maßnahme niemals in Betracht ziehen. Die nächste Wahl kommt bestimmt.

    MATTHIAS REIF

    Ungutes Gefühl beim Besteckwickeln

    Mein Entschluss, als "Zivi" zu werken, fiel schon lange vor der Musterung. Die Aussicht, mich unter Anleitung von Uniformträgern durch den Schlamm fortzubewegen, erschien mir nicht gerade prickelnd. Geworden ist es dann das Landeskrankenhaus Hochzirl (Tirol), ein auf rund 1000 Meter Seehöhe gelegenes Spital, welches nur über eine schmale und steile Bergstraße erreichbar ist. Die Atmosphäre war familiär, ich hatte mehr freie Tage als ursprünglich vorgesehen und das dank Essengeld aufgefettete Salär erschien mir als Bewohner des "Hotel Mama" als durchaus fürstlich. Dennoch, beim Besteckwickeln oder beim Abtransport von Müll und Schmutzwäsche von den Stationen beschlich mich bisweilen das ungute Gefühl, nur als billige Arbeitskraft zum Funktionieren des heimischen Gesundheitssystems ausgenützt zu werden.

    Mögen die positiven Erfahrungen bei mir auch überwiegen: Es spricht wenig dafür, dass weiter junge Männer eine militärische Ausbildung in der Schmalspurvariante über sich ergehen lassen müssen, um für nie stattfindende Konflikte gerüstet zu sein. Oder Jugendliche gezwungen werden, in Sozialeinrichtungen, bei denen Empathie besonders gefragt ist, ihren Dienst an der Gesellschaft zu Dumpingpreisen abzuleisten. Die Devise lautet Freiwilligkeit: bestens ausgebildete und ausgerüstete Profi-Soldaten für internationale Militäreinsätze, ehrenamtlich tätige Helfer im Katastrophenfall, denen dafür seitens des Arbeitgebers oder des Staates keine Steine mehr in den Weg gelegt werden sowie ordentlich bezahlte Mitarbeiter in Sozial- und Gesundheitseinrichtungen.

    Diese rein sachlichen Argumente werden jedoch überdeckt von der geradezu grotesken parteipolitischen Dimension der laufenden Debatte: Zwei von Boulevard und Populismus getriebene Landesfürsten in Wien und Niederösterreich, die ihre Bundespolitiker vor sich hertreiben und die Koalitionsparteien so zu einer totalen 180-Grad-Kehrtwende in ihren Ansichten zwingen. Dazu eine sicherheitspolitische Diskussion, die sich mehr mit Organisationsfragen denn mit der Zukunft Österreichs als Stütze einer europäischen Sicherheitsarchitektur beschäftigt. Oder das Fehlen einer ehrlichen Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir künftig als Gesellschaft unser Sozial- und Gesundheitssystem organisieren und finanzieren wollen. Angesichts dieser Begleiterscheinungen ist man fast dazu geneigt, am Sonntag gar nicht seine Meinung abzugeben, eine Alternative, die aber aus demokratiepolitischen Gründen definitiv nicht anzuraten ist!

    STEFAN TAUSCHER

    "Danke, lieber Zivildienst" von Christoph & Lollo

    KRAUSE, REIF, TAUSCHER

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