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    Zuletzt aktualisiert: 03.01.2010 um 15:02 UhrKommentare

    Claudia Haider fordert Urabstimmung

    Die Witwe von Jörg Haider ergreift im Streit um den Zusammenschluss von Kärntner BZÖ und FPÖ zum ersten Mal das Wort: Die Basis soll entscheiden.

    Claudia Haider

    Foto © APClaudia Haider

    Frau Haider, seit Uwe Scheuch 45 Prozent der Kärntner Wähler und das BZÖ Kärnten FPÖ-Chef Heinz Christian Strache ausgeliefert hat, gehen die Wogen hoch. Ihre Empfindungen?

    CLAUDIA HAIDER: Ich habe in unzähligen Gesprächen über Weihnachten eine große Irritation bei den Menschen und bei den Funktionären geortet. Man fragt mich, "Wie hätte dein Mann gehandelt?" Ich kann mich nur an das halten, was ich aus unseren gemeinsamen 32 Jahren weiß, aber noch mehr aus seinen Büchern. Er war immer gegen eine einzementierte rot-schwarze Proporzregierung, aber nicht, um etwas zu verhindern, sondern um für die Menschen als Individium mehr Freiraum zu schaffen. Etwas Neues zu machen, das war die Idee des BZÖ, das Bündnis Zukunft Österreich, das man auch übersetzen kann mit Bündnis mit dem Bürger.

    Die Rückkehr unter das Dach der FPÖ und zu Heinz-Christian Strache ist aber die Rückkehr zum Alten. Heißen Sie das gut?

    HAIDER: Ich habe nun einmal das Ohr am Volk, weil man mir noch sehr viel Vertrauen schenkt. Deshalb kann ich nur sagen: Man sollte jetzt einen sehr demokratischen Akt setzen und die Mitglieder in einer Urabstimmung befragen, ob ihnen diese Idee behagt und ob sie diesen Weg mitgehen können. Das impliziert, dass die unterlegene Minderheit das Mehrheitsergebnis trägt. Den Mitgliedern sollte quasi ein Koalitionspapier der Oppositionsparteien BZÖ und FPÖ vorgelegt werden, damit sie wissen, in welche Richtung es geht.

    Der Kampf gegen eine institutionalisierte große Koalition wird als Argument für die Wiedervereinigung angeführt. Ist das nicht ein Vorwand, um einen Schlussstrich unter die Ära Haider zu ziehen? Alles Schlechte, der Hypo-Skandal und das große Finanzloch, wird Haider zugeschrieben. Und Uwe Scheuch startet am 1. Jänner 2010 neu mit HC Strache und der Verteilung des Jugend-Tausenders.

    HAIDER: Politik muss von lebenden Personen gestaltet werden. Das Urteil hat dann immer der Bürger. Jörg Haider ist für eine zukunftsweisende Idee gestanden und seine Idee ist nicht mitgestorben mit ihm. Die bleibt auf der Welt, wie immer sie umgesetzt wird.

    Sehen Sie bei denen, die nun die Abspaltung vom BZÖ betreiben, die Verfolgung seiner Ideen noch gewährleistet?

    HAIDER: Politiker brauchen keine mediale Beurteilung meinerseits. Die Beurteilung macht dann bei Wahlen der Bürger.

    Derzeit lautet das Urteil der Kärntner Bürger, bei der Aktion handle es sich um Wählerbetrug. Wer Strache gewollt hat, hatte die Möglichkeit, ihn zu wählen.

    HAIDER: Das Bündnis Zukunft Österreich ist für eine Idee gestanden. Und nach dem Tod von Jörg Haider haben viele Menschen diese Idee gewählt, im vollen Bewusstsein, Jörg Haider ist nicht mehr, und im Vertrauen, dass diese Idee von den handelnden Personen weitergetragen wird. Wenn es jetzt nicht so ist . . . Drum denke ich, wäre es basisdemokratisch so wichtig, dass zumindest die Mitglieder dieses Bündnisses die Möglichkeit haben, in einer geheimen Urabstimmung ihre Meinung zu sagen. Und der Wähler hat die Möglichkeit bei der nächsten Wahl.

    Sie sehen das auch so, dass Jörg Haiders Idee nicht mehr weitergetragen wird?

    HAIDER: Die Idee wird niemals sterben, sie kann manchmal verflachen, sie wird immer dableiben und zur gegebenen Zeit - ob jetzt die gegebene Zeit ist, kann ich nicht beurteilen - weitergetragen.

    Aber Sie sehen die Idee Jörg Haiders, die er mit dem Bündnis Zukunft Österreich verwirklicht hat, nicht unbedingt in der FPÖ?

    HAIDER: Sie wird dort verwirklicht, wo Menschen am Werk sind, die den Bürger in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellen.

    Wem stehen Sie näher, Uwe Scheuch oder Josef Bucher?

    HAIDER: Ich mag alle Menschen und versuche, ein gutes Verhältnis zu ihnen zu gestalten, das von Respekt getragen wird. Das impliziert nicht, dass ich alles gutheiße.

    Jörg Haiders Mutter Dorothea und seine Schwester Ursula Haubner waren bei der Beurteilung der handelnden Personen nicht so zurückhaltend. Sie kennen Scheuch und Bucher ja besonders gut.

    HAIDER: Ja, ich habe zu allen handelnden Personen ein korrektes Verhältnis und wertschätze jeden, der Politik macht. Das ist unabhängig von Farben, weil es eine schwierige Aufgabe ist, dem Gemeinwohl zu dienen.

    War die Entscheidung in Ihren Augen richtig vorbereitet?

    HAIDER: Ich glaube, es ist viel auf der Kommunkationsebene falsch gelaufen. Drum wäre es jetzt wichtig, dass man die Basis miteinbezieht und die Frage auf ein basisdemokratisches Modell herunter bricht, auf eine Urabstimmung unter allen Mitgliedern.

    Ursula Haubner ist beim BZÖ geblieben und hat scharfe Kritik an der Vorgangsweise geübt. Sie wurde dafür vom Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler in sehr rüder Weise attackiert.

    HAIDER: Man möge sich nur an die Fotos erinnern, die vor ein, zwei Monaten gemacht wurden. Mit welcher Innigkeit sich der Landeshauptmann um meine Schwägerin bemüht hat. Der Wähler macht sich aus all diesem ein Bild und hat zur gegebenen Zeit die

    Möglichkeit, durch seine Stimme seine Meinung kundzutun.

    Sehen Sie das politische Erbe Jörg Haiders in Kärnten noch ordentlich repräsentiert?

    HAIDER: Das Vermächtnis Haider ist auf jeden Fall da. Ich bin davon überzeugt, dass die gute Idee, die mein Mann 2005 mit dem Bündnis ins Leben gerufen hat, Zukunft hat, wie auch immer der Weg weiter gestaltet wird.

    Wie sehen Ihre persönlichen politischen Ambitionen aus? Sie waren für vieles im Gespräch, zuletzt als Präsidentschaftskandidatin. Da hat Dörfler sofort dazu gesagt, Sie sollten Ihre Kandidatur aber selbst bezahlen.

    HAIDER: Auch so eine liebevolle Aussage. Politik hat mir immer Spaß gemacht und ich weiß aus meinen 12 Jahren Erfahrung als Gemeinderätin, welche Faszination es hat, an verantwortlicher Stelle dem Allgemeinwohl dienen zu können. Denn die Politiker haben die Aufgabe, den Menschen zu dienen und nicht dafür zu sorgen, dass sie irritiert sind.

    Wie sehr schmerzt es Sie, dass die Ausstellung über Jörg Haider im Klagenfurter Bergbaumuseum auf so geringes Interesse stößt?

    HAIDER: Die Zahlen, die vorher genannt wurden, waren für mich von vornherein unrealistisch. Es sind viele Menschen dort und das Gästebuch zeigt, dass die Menschen tief berührt sind von dieser Ausstellung, die den Menschen Jörg Haider zeigt.

    INTERVIEW: ANTONIA GÖSSINGER


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      Jörg Haider

      Jörg Haider wurde am 26. Jänner 1950 in Bad Goisern geboren. Mit 20 Jahren stieg er in die Politik ein, 1976 übersie-delte er nach Kärnten. 1989 gelang ihm der Aufstieg zum Landeshauptmann von Kärnten. Nach Querelen mit der FPÖ gründete er 2005 das BZÖ. Bei einem Autounfall am 11. Oktober 2008 verunglückte er tödlich. Haider hinterlässt seine Frau und zwei Töchter.

       


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