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Zuletzt aktualisiert: 09.10.2009 um 06:29 UhrKommentare

Gerhard Dörfler: "Das Wrack bleibt in Verwahrung"

Der Unfalltod Jörg Haiders hat ihn ins Amt katapultiert. Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler über sein erstes Jahr und die Zukunft des BZÖ.

Foto © Werner Koscher

Sie feierten einen unerwartet hohen Wahlsieg. Hat es Sie gekränkt, dass viele meinten, nicht Sie seien gewählt worden, sondern der tote Jörg Haider?
GERHARD DÖRFLER: Das Ergebnis war zum einen die Versicherung, den Weg Jörg Haiders fortzusetzen, aber es waren auch Leistungen von mir, die bewertet wurden. Das Match war nicht eine posthume Wahlparty für Haider, sondern es ging um die Spitzenkandidaten. Ich will meine Schuhe mit Reinhart Rohr von der SPÖ verglichen haben und nicht mit Haider. Da habe ich einen guten Fussabdruck. Haider hatte andere Schuhe, in einer anderen Dimension. Auch Faymann vergleicht sich nicht mit Kreisky.

Leiden Sie darunter, dass man Sie für überfordert hält?
DÖRFLER: Ich leb' ganz gut davon, unterschätzt zu werden. Soll ich ein Dozent sein und die Sprache verfeinern? Soll ich nach Mailand fahren und Designerkleider kaufen? Nein, werde ich nicht tun.

Sie haben ein hoch verschuldetes Land übernommen. Rächt sich jetzt nicht die gönnerhafte Politik mit dem Füllhorn?
DÖRFLER: Auch Jörg Haider hätte diese Krise nicht ignorieren können, auch er hätte die Folgen für das Budget bewältigen müssen.

Beim Sparen kürzen Sie als erstes den Heizkostenzuschuss für Bedürftige. Muss sich da ein Jörg Haider als Kämpfer für den kleinen Mann im Grab umdrehen?
DÖRFLER: Sozialleistungen zurückzunehmen, die in guten Zeiten richtig waren, macht niemandem Spaß.

Das Land hat über die Verhältnisse gelebt.
DÖRFLER: Das waren keine Sünden, wir mussten Kärnten umbauen. 1999 haben wir ein veraltetes Land übernommen, mit rostigen Zügen, alten Bahnhöfen und alten Hotels. Wir mussten investieren. Da ist viel passiert. Wir hätten heute keinen Lakeside-Park und kein Stadion.

Hat man sich nicht die Gunst der Menschen erkauft?
DÖRFLER: Wir haben den Leuten geholfen. Das war nicht Handkasse. Wir konnten Nähe zeigen. Das ist ja der Sündenfall der SPÖ, dass sie sich in dunklen Anzügen und schönen Schuhen von den Menschen wegbewegt. Warum glauben Sie, habe ich die orange Jacke der Straßenarbeiter angezogen? Weil ich mit den Menschen, die harte Arbeit verrichten, solidarisch sein wollte.

Wie passt dazu die Erhöhung der Parteienförderung auf das höchste Niveau aller Länder?
DÖRFLER: Das hat keine große Begeisterung hervorgerufen. Wir waren alle die gleichen Sünder.

Ihr Parteichef Josef Bucher will aus dem BZÖ österreichweit eine wirtschaftsliberale Partei nach dem Vorbild der FDP machen. Stimmen Sie dem zu?
DÖRFLER: Das liberale Projekt lässt sich nicht auf Österreich übertragen. Es ist seinerzeit kläglich gescheitert. Wir sind eine Volkspartei. Wir wollen die ganze Breite abbilden. In Kärnten tun wir das, und da hat auch ein Seppi Bucher Platz. Wenn er das so adaptiert, passt es.

Was unterscheidet Sie von der FPÖ?
DÖRFLER: Wir wollen nicht in einem polarisierendem Eck stehen, sondern bei künftigen Regierungsbildungen im Spiel bleiben und mitregieren.

Mit wem?
DÖRFLER: Der Veränderungswille ist bei den Bürgerlichen sicher ausgeprägter. Eine bürgerliche Regierungskoalition hat erfahrungsgemäß mehr Reformkraft.

Hochfliegende Pläne: Das BZÖ scheint außerhalb Kärntens nicht überlebensfähig zu sein.
DÖRFLER: Man muss Geduld haben. Der neue Haider war zuletzt schon wieder bei zehn Prozent.

Das BZÖ wird 2010 in der Steiermark die Hürde schaffen. In der Politik geht es um Charakterköpfe, um das Lösen von Problemen. Das Kärntner Ortstafelproblem wollen Sie nicht lösen.
DÖRFLER: Es gibt kein Volksgruppenproblem. Man betrachte die Wahlergebnisse im zweisprachigen Gebiet. Je höher der Anteil der slowenischsprachigen Volksgruppe, desto höher der Stimmenanteil des BZÖ.

Das kann aber nicht das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes außer Kraft setzen.
DÖRFLER: Die Rrichter sollen aufhören, Gesetzgeber zu spielen.

Was wollen Sie?
DÖRFLER: Zurück zu 1976 - zur Kreisky-Lösung.

Da war Haider schon weiter. Warum akzeptieren Sie nicht den Kompromiss-Vorschlag der Konsensgruppe, den Haider billigte?
DÖRFLER: Da ging es zu wie am Tarviser Markt, was die Zahl der Ortstafeln betrifft. Das Zusammenleben funktioniert auch so.

Am Wochenende gedenkt Kärnten des Unfalltodes Jörg Haiders. Die Form lässt befürchten, dass mit der Trauer und Erinnerung nicht Maß gehalten wird.
DÖRFLER: Wenn ich in Graz bin, zünd' ich immer wieder beim Jochen Rindt ein Kerzerl an, das war für mich ein Gott auf vier Rädern. Für mich ist Trauer jedenfalls kein Wegwerfartikel. Es gibt in Kärnten noch immer eine Betroffenheit, auch bei den Gegnern. Trauer ist menschlich.

Was wird mit dem Unfallauto von Jörg Haider passieren?
DÖRFLER: Das Auto bleibt in Verwahrung - solange irgend jemand glaubt, es untersuchen zu müssen. Am Freitag vor Jörg Haiders Begräbnis tauchten im Internet computeranimierte Bilder auf, die Einschusslöcher im Wrack zeigten. Ich bin sofort nach Krumpendorf zur Gendarmerie und hab' gesagt: Bitte die Plane herunter, ich muss schauen, wo die Löcher sind. Natürlich war keines zu sehen. Es ist wichtig, dass man Gerüchte widerlegen kann, sonst bleiben sie. Für mich war das ein dramatischer Unfall.

INTERVIEW: REINHOLD DOTTOLO, HUBERT PATTERER



Haider im Internet

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Jörg Haider

Jörg Haider wurde am 26. Jänner 1950 in Bad Goisern geboren. Mit 20 Jahren stieg er in die Politik ein, 1976 übersie-delte er nach Kärnten. 1989 gelang ihm der Aufstieg zum Landeshauptmann von Kärnten. Nach Querelen mit der FPÖ gründete er 2005 das BZÖ. Bei einem Autounfall am 11. Oktober 2008 verunglückte er tödlich. Haider hinterlässt seine Frau und zwei Töchter.

 


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