"Meine Zweifel lasse ich mir nicht nehmen"
Landeshauptmann Dörfler glaubt nicht an die offizielle Version von Jörg Haiders Unfalltod.

Foto © Köstinger
Was glauben Sie nicht: die 1,8 Promille, dass Haider getrunken hat, dass er zu schnell gefahren ist . . .?
GERHARD DÖRFLER: Ich habe fast acht Jahre lang eng mit ihm zusammengearbeitet. In seiner asketischen Lebensweise war er auch mir ein Vorbild. Ich habe ihn nie beschwipst gesehen.
Wie passt das zu Fotos von Haider mit Jugendlichen und Alkohol in einer Spittaler Disko?
DÖRFLER: Ich war nicht dabei, aber wenn man im Stadion ein Bier trinkt, ein Tor seines Fußballteams bejubelt und einen Freund umarmt, würde ein Foto auch einen falschen Eindruck machen.
Hatte er Ihrer Meinung nach also keine 1,8 Promille im Blut?
DÖRFLER: Es ist schwierig, Ergebnisse in Frage zu stellen. Es wird auch kein Gutachter einem Kollegen etwas anderes in den Mund legen. Ich behaupte aber nicht, dass kein Alkohol beteiligt war.
Haider war also alkoholisiert?
DÖRFLER: Wenn ja, bliebe immer noch die Frage, wie es dazu gekommen ist. Vielleicht durch etwas Ähnliches wie K.o.-Tropfen, die man in ein Getränk gibt wie bei Mädchen, die damit in Berührung kommen.
Das sind Tropfen. Für 1,8 Promille bräuchte man K.o.-Flaschen.
DÖRFLER: Die angebliche Alkoholisierung ist mir völlig unverständlich, und ich werfe diese Frage auf, weil das unplausibel ist - und nicht zu Jörg Haider passt.
Alkoholisiert oder nicht - hätte eine Antwort moralische Folgen?
DÖRFLER: Nein. Jörg Haider ist ein Mythos und hat seine Politik den Menschen gewidmet. Für die meisten würde die Alkoholfrage keinen Unterschied machen. Ein Unfall ist immer eine tragische und ungewollte Sache.
Wäre ein am Unfall unschuldiger Haider nicht ein besserer Gründungsmythos für den Wahlkampf als ein mitschuldiger?
DÖRFLER: Mit solch emotionalen Dingen mache ich keinen Politik. Die Spendensammlung zeigt, wie die Kärntner Jörg Haider liebten. Meine Zweifel lasse ich mir nicht nehmen. Der Mord an Kennedy ist der meist untersuchte Kriminalfall, und trotzdem weiß keiner genau, wie er gestorben ist.











