Haiders kontroverse Ideen leben fort - auch ohne BZÖ
Bei den Orangen sind bereits Diadochenkämpfe ausgebrochen.

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Man kann es drehen und wenden wie man will: Jörg Haider war ein politisches Ausnahmetalent. Er war Rebell und Reaktionär, Vordenker und Volksverführer, politischer Tabubrecher und Demagoge, ein Politiker, der verkrustete Strukturen aufzubrechen versuchte und gleichzeitig das geistige Klima in Österreich verengt hat.
Alleingang.
Seine Einzigartigkeit begründet sich darin, dass er selbst Programm war. Im Alleingang hat er die FPÖ von bescheidensten fünf Prozent auf sensationelle 27 Prozent hinaufkatapultiert. Zweimal hat er in Kärnten den Landeshauptmannsessel erobert. Haider war eine One-Man-Show, letztlich ein politisches Ein-Mann-Unternehmen.
Nichts ohnde den Jörg.
Das fällt dem BZÖ jetzt auf den Kopf. Während Fred Sinowatz "nichts ohne die Partei" war, sind die Orangen nichts ohne den Jörg. Auf Kärntner Boden mögen dem BZÖ noch ein paar Jahre beschieden sein, bundesweit drohen den Orangen die Implosion und der Absturz in politische Bedeutungslosigkeit. Das zeigt der Blick über den nationalen Tellerrand. Auf europäischer Ebene ist dieses Szenario schon mehrfach durchgespielt worden.
Wahl Petzners.
Die offensichtlich im Schockzustand erfolgte Kür von Stefan Petzner zum BZÖ-Chef erweist sich bereits heute als Bumerang. Dass sich der 27-Jährige ob des Verlusts seines Lebensmenschen im emotionalen Ausnahmezustand befindet, leuchtet jedem Normalsterblichen ein. Als Haider-Nachfolger wirkt er jedoch völlig überfordert. Noch dazu hat er sich in aller Öffentlichkeit in den letzten Tagen in einen Wirbel hineingeredet, aus dem er nicht so schnell wieder herauskommt.
Diadochenkämpfe.
So ist es wenig verwunderlich, dass hinter den Kulissen bereits Diadochenkämpfe ausgebrochen sind. Öffentlich verliert niemand ein schlechtes Wort über Petzner, der die Mission des allzu früh verstorbenen Gurus politisch fortführen soll. Im Vorfeld der heutigen Wahl des BZÖ-Klubobmanns sind erste Gruppierungen bereits in Stellung gegangen. Dass etwa die Kärntner diesen Posten für sich reklamieren, will man jenseits des Semmering nicht widerspruchslos hinnehmen. Dass sich das BZÖ wieder um einen Chef schart, ist wenig wahrscheinlich. Eher stehen den Orangen Abspaltungen und der Zerfall in Fraktionen ins Haus.
Dem Untergang geweiht.
Ohne Haider ist das BZÖ auf Bundesebene dem Untergang geweiht. Das liegt in der Natur von Bewegungen mit starken charismatischen Führern. Es klingt pathetisch, ist aber logisch: Haiders kontroverse Ideen leben fort - mit oder ohne BZÖ.











