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Zuletzt aktualisiert: 20.10.2008 um 17:23 Uhr

"Er hat niemanden kalt gelassen"

Kärnten nahm Abschied von seinem Landeshauptmann. Dem Politiker Haider wurde Respekt gezollt, dem Menschen Jörg Haider ein letzter Applaus gespendet.

Jörg Haiders Tochter Cornelia verabschiedet sich.

Foto © APAJörg Haiders Tochter Cornelia verabschiedet sich.

Für Claudia Haider war es "viel Trost auf dem langen steinigen Weg der Trauer", wie sie in überragender Gefasstheit am Ende der Verabschiedungsfeierlichkeiten für den verunglückten Landeshauptmann Jörg Haider im Klagenfurter Dom ihren Dank formulierte. Auf dem wohl schwersten Gang ihres Lebens für sie und ihre Töchter Ulrike und Cornelia standen fast 30.000 Menschen der Familie bei.

Kärntner Seele. Haiders letzter Weg am Samstag in Kärnten war gesäumt mit trauernden Menschen. Alles, was das Land ausmacht, war aufgeboten - ein strahlend blauer Himmel, die Vielfalt der Regionen, die in den Trachten ihren Ausdruck fanden, die melancholische Klangwolke, erzeugt von Hunderten Sängern und Blasmusikern. Wenn es die viel beschriebene Kärntner Seele wirklich gibt, dann zeigte sie sich an diesem Samstag.

"Hamgehn". Absolute Stille liegt über der Klagenfurter Innenstadt. Die Menschen, die aus den Auto- und Buskolonnen in die Stadt strömen und frühzeitig hinter den niederen Absperrgittern Aufstellung nehmen, unterhalten sich nur flüsternd. Als die Chöre auf dem Neuen Platz um zehn Uhr zur Probe das erste Mal "Hamgehn" anstimmen, können schon viele ihre Tränen nicht mehr zurückhalten.

Gaddafi mit Leibwächtern. Die rund 500 Gäste, für die Sitzplätze reserviert sind, treffen ein. Nur einmal gibt es größere Aufmerksamkeit - als Saif Gaddafi, der Sohn des libyschen Staatschefs, in Begleitung seiner Leibwächter eintrifft. Er steht lange am Rande, bis ihm sein Platz zugewiesen wird.

Mit Rosen bedeckt. Die Familie, engste Freunde, die Staatsspitze mit Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Mitglieder der Bundes- und Landesregierung, die anderen Landeshauptleute und Parteichefs treten an die Bahre Haiders im Wappensaal des Landhauses, nehmen teil an der Verabschiedung im Landhaushof und folgen dem Sarg auf den Neuen Platz. Pünktlich, wie es Jörg Haider in seinem Leben nie war, trifft der Kondukt ein. "Is schon still uman See . . . muas selber mei Traurigkeit tragen . . . über das Wasser muas i ume", empfangen die Sänger den Rosen bedeckten Sarg.

Fakten

Die Beisetzung der Urne wird im engsten Familienkreis in der Kapelle Alt St. Michael im Bärental stattfinden.

"Großer Kärntner". Der Sonne, die immer stärker wird, ist Jörg Haider mit Teddy Inthal in den Kärntner Bergen nachgestiegen. Der Bergkamerad hält den Tod für einen "Irrtum". Der frühere Justizminister Dieter Böhmdorfer hat eine solche Welle der Trauer "bisher nicht gekannt". Er würdigt den "Mahner und Katalysator in der Innenpolitik", der Klagenfurter Bürgermeister Harald Scheucher "den großen Kärntner". Bei all seiner Widersprüchlichkeit habe Haider mit seinem persönlichen Einsatz und seiner unglaublichen Präsenz neue Maßstäbe gesetzt.

Dörfler politisch. "Herzkönig und Trumpf-Ass sind nicht mehr im Spiel", sagt Scheucher. Die neuen Spieler, die Nachfolger Haiders in Kärnten, begegnen ihrer bisher "schwierigsten Aufgabe" unbeholfen. Der eine, Landesrat Uwe Scheuch, ist zu pathetisch, der andere, der amtierende Landeshauptmann Gerhard Dörfler, verwechselt die Trauerrede mit einer parteipolitischen Bilanzpressekonferenz. Herbert Sausgruber, der Vorarlberger Landeshauptmann als Sprecher der Bundesländer, steht wiederum mit seiner allemanischen Sachlichkeit im Kontrast zum gefühlsbetonten Kärntnerischen. Er hebt die "Kraft zum gemeinsamen Handeln für die Länder trotz aller Gegensätze" hervor.


Keine Probleme

Ein Großaufgebot an Polizei-
kräften
hat am Samstag bei den Trauerfeiern für die Sicherheit der Prominenz gesorgt. Die Innenstadt war ab Mitternacht für den Verkehr gesperrt, auch ein allge-
meines Halteverbot
wurde verhängt. Die Exekutive hatten am Vorabend noch damit gerechnet, zahlreiche Autos abschleppen zu müssen, die Klagenfurter erwiesen sich aber als diszipliniert.

Foto

Foto © APA

Bild vergrößernDer Trauerzug führte vom Landhaus zum Neuen Platz...Foto © APA

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Foto © Kleine Zeitung DIGITAL/Helmuth Weichselbraun

Bild vergrößern...von dort zog er weiter zum DomFoto © Kleine Zeitung DIGITAL/Helmuth Weichselbraun



Haider im Internet

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Jörg Haider

Jörg Haider wurde am 26. Jänner 1950 in Bad Goisern geboren. Mit 20 Jahren stieg er in die Politik ein, 1976 übersie-delte er nach Kärnten. 1989 gelang ihm der Aufstieg zum Landeshauptmann von Kärnten. Nach Querelen mit der FPÖ gründete er 2005 das BZÖ. Bei einem Autounfall am 11. Oktober 2008 verunglückte er tödlich. Haider hinterlässt seine Frau und zwei Töchter.

 


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