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Zuletzt aktualisiert: 14.10.2008 um 09:00 Uhr

Ausländische Pressestimmen zu den Folgen von Haiders Tod

"Versuchung für die Erben" - "Bewährungsprobe für Pröll" - "Mehr Gewicht für Rabauken Strache"

Foto © AP

Mit den Auswirkungen des Todes des Kärntner Landeshauptmanns und BZÖ-Chefs Jörg Haider auf die innenpolitische Entwicklung und die Regierungsbildung in Österreich befassen sich am Dienstag deutsche und schweizerische Blätter:

"Berliner Zeitung": "Es klingt würdigend, wenn man behauptet, Österreichs Politik sei nach Jörg Haiders Tod nicht mehr dieselbe. Aber wahr ist es nicht. Sein Tod ändert nicht viel. Darin liegt gerade sein Erfolg oder, wenn man so will, seine Leistung. (...) In den mehr als zwanzig Jahren seines Wirkens hat Haider das Tabu durchbrochen, das in Österreich über der Erinnerung an den Nationalsozialismus lag. Mit einer feinen Taktik aus ausdeutbaren Kommentaren, halben Rückzügen und neuerlichen Vorstößen schaffte er es immer wieder, sich im Spiel zu halten. Haiders BZÖ dürfte den Tod ihres Gründers, Vordenkers und alleinigen Kaderchefs kaum lange überleben. In Kärnten, seiner Domäne, stehen schon im Frühjahr Landtagswahlen an. Einen Teil von Haiders Potenzial dürften neben den noch radikaleren 'Freiheitlichen' auch die sogenannten Altparteien erben. Aber auch ohne Haider wird Kärnten gegen das starke Element einer radikalen Rechtspartei nicht zu regieren sein - und ganz Österreich nur schwer. Darin liegt eine Versuchung für die Erben, sich mit dem Gedankengut und den Methoden des Verstorbenen zu befreunden. Seit dem Wochenende ist Österreichs radikale Rechte nicht nur in den Salons, sondern auch auf dem Ehrenfriedhof vertreten."

"Neue Zürcher Zeitung" (NZZ): "(Der designierte ÖVP-Obmann Josef) Pröll wird sich die Unterstützung für seinen Kurswechsel im ÖVP-Vorstand hart erkämpfen müssen. Dies wird eine erste entscheidende Machtprobe für den jungen Thronfolger sein, nachdem er seinen Vorgänger Wilhelm Molterer ausgebootet und den früheren Kanzler Wolfgang Schüssel neutralisiert hat. Ein wichtiges Thema bleibt vorerst ausgeklammert, nämlich die abrupte Wende in der sozialdemokratischen EU-Politik. (...) Die Veränderung der politischen Landschaft nach dem plötzlichen Ableben Jörg Haiders blieb zwar in Prölls Begründung unerwähnt, war aber mit Sicherheit ein wichtiger Faktor bei der Eile, mit der er jetzt den Brückenschlag zur SPÖ sucht. Seit Haiders Tod hat sich das Gewicht des rechtsradikalen Rabauken Heinz-Christian Strache und seiner FPÖ beträchtlich vergrößert. Strache ist jetzt die dominierende Figur des rechten Lagers. Dem Jünger, Imitator und Nachfolger Haiders ist ohne eigenes Zutun eine beträchtliche Macht-, ja eine Monopolstellung zugefallen. Sollten manche in der ÖVP mit einem Mitte-Rechts-Bündnis als Alternative zur Neuauflage der Großen Koalition geliebäugelt haben, so ist diese Option jetzt de facto vom Tisch."

"die tageszeitung" (taz) (Berlin): "Eine Rechtskoalition wird durch Haiders Tod unwahrscheinlicher. Die plötzliche Bereitschaft Prölls, sein taktisches Kokettieren mit einer Dreierkoalition ÖVP-FPÖ-BZÖ zu beenden, dürfte einerseits der großen Finanzkrise, anderseits dem Ableben Haiders zuzuschreiben sein. Außerhalb Kärntens erwartet kaum jemand, dass die One-Man-Show BZÖ ohne ihren Schöpfer auf Dauer ein politischer Faktor bleibt. FPÖ-Chef Strache machte bereits unmissverständliche Angebote an die 21 Abgeordneten der Haider-Partei. Dagegen verwahrt sich der neue BZÖ-Chef Petzner. Der 27-jährige Haider-Intimus ist der jüngste jener Knaben-Groupies, mit denen sich der Landeshauptmann immer umgeben hatte. Wer ihm gefiel und durch bedingungslose Treue auffiel, wurde schon in jungen Jahren mit wichtigen Ämtern überhäuft, wie der spätere Finanzminister Karl-Heinz Grasser und der zeitweilige Fraktionsvorsitzende Peter Westenthaler."

"Abendzeitung" (München): "Die Frage ist allerdings, ob Petzner, der gerade seine Diplomarbeit über Udo Jürgens schreibt, genug Strahlkraft hat, um Haiders Partei am Leben zu halten. Doch die FPÖ lockt. Bisher gibt es in Österreich zwei rechte Parteien mit einem ähnlichen Programm und nur einem großen Unterschied: Jörg Haider. (...) Das ist nun anders, und FPÖ-Chef Strache wirbt offensiv um die BZÖ-Leute: 'Ich bin der wahre Erbe des Dritten Lagers.' Das BZÖ habe nur aus der Person Haider bestanden. Die ersten FPÖ-Abgesandten sind bereits bei desorientierten BZÖ-Funktionären vorstellig geworden. Auch die ÖVP denkt schon an 'Rückholaktionen', wie man frühere Anhänger aus dem konservativen Lager, die man wegen Haider verloren hat, wiedergewinnen kann. Ob der junge Petzner diesen Fliehkräften entgegenwirken kann, muss er noch beweisen."




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Jörg Haider

Jörg Haider wurde am 26. Jänner 1950 in Bad Goisern geboren. Mit 20 Jahren stieg er in die Politik ein, 1976 übersie-delte er nach Kärnten. 1989 gelang ihm der Aufstieg zum Landeshauptmann von Kärnten. Nach Querelen mit der FPÖ gründete er 2005 das BZÖ. Bei einem Autounfall am 11. Oktober 2008 verunglückte er tödlich. Haider hinterlässt seine Frau und zwei Töchter.

 


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