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Zuletzt aktualisiert: 14.10.2008 um 07:31 UhrKommentare

Der Politiker braucht einen langen Atem

Was Jörg Haider seinen Erben mitgibt: Vor den Nationalratswahlen sprach er mit der Kleinen Zeitung über sein Amtsverständnis, seine Motivation, seine Fehler und seine Ziele.

Vorausschauend und nachhaltig - so wollte Jörg Haider seine Politik verstanden wissen

Foto © APAVorausschauend und nachhaltig - so wollte Jörg Haider seine Politik verstanden wissen

Ein paar Wortspenden für ein Porträt über den BZÖ-Spit zenkandidaten für die Wahlbeilage waren angefragt. Geworden ist es ein sehr langes Grundsatzgespräch über seine Politik. Einen Monat vor seinem Unfalltod, am 11. September, legte Jörg Haider der Kleinen Zeitung im Landeshauptmann-Büro aus führlich seine Gedankenwelt dar. Vier Wochen später liest es sich wie ein Rückblick auf ein atemloses Politiker-Leben, das Ver mächtnis eines politischen Phänomens und eine Handlungsan leitung für seine Nachfolger.

Jörg Haider über seine Wandlungsfähigkeit. "Ich habe viele Dinge gemacht, die früher als ungewöhnlich gegolten haben und die jetzt alle machen. Alle haben über mich als Bierzelt-Politiker gewitzelt, weil ich in Bierzelte gegangen bin. Heute rennen sie alle in die Bierzelte. Aber alles, was nicht originäre Eigenschaft ist, ist nicht originell."

Jörg Haider über seine vielen (Ver-)Kleidungen. "Das Kostüm sagt nichts über die Person, die Person ist immer die gleiche. Was ich eingeführt habe: dass es keine große Distanz zwischen politi schen Repräsentanten, Amtsträger und Bevölkerung geben soll. Das überwindest du, in dem du ein Teil von ihnen bist, wenn du im Fasching selbstverständlich kostümiert gehst, wenn du am Volksfest mit aufgekrempelten Ärmeln dastehst. Das ist ein Markenzeichen geworden und hat die Kärntner Politik geprägt, weil die anderen gezwungen gewesen sind, sich zu öffnen, sich zu kümmern um die Leute, auf die Leute zuzugehen, unkompliziert die Kommunikation zu gestalten."

Jörg Haider über sein Gespür für die Themen der Menschen. "Du musst die Stimmungslagen, die Lebenssituationen der Leute erfassen. In den Neunzigerjahren galt es, die verkrusteten Strukturen aufzubrechen, den Proporz, die Parteibuchwirtschaft zu beseitigen oder das Kammer-Unwesen, da ist viel in Bewegung geraten. Heute haben die Leute andere Sorgen. Da geht es um das Einkommen, um die Teuerung, die Frage, ist der Job sicher. Es ist eine andere Lebenssituation geworden."

Jörg Haider über seinen Antrieb. "Die Überzeugung, dass es nichts Gutes gibt, außer man tut es. Und daher habe ich eine Freude an der Tätigkeit, weil man konkrete Maßnahmen setzen und Projekte verwirklichen kann, und damit auch messbar wird".




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Jörg Haider

Jörg Haider wurde am 26. Jänner 1950 in Bad Goisern geboren. Mit 20 Jahren stieg er in die Politik ein, 1976 übersie-delte er nach Kärnten. 1989 gelang ihm der Aufstieg zum Landeshauptmann von Kärnten. Nach Querelen mit der FPÖ gründete er 2005 das BZÖ. Bei einem Autounfall am 11. Oktober 2008 verunglückte er tödlich. Haider hinterlässt seine Frau und zwei Töchter.

 


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