Der Politiker braucht einen langen Atem
Was Jörg Haider seinen Erben mitgibt: Vor den Nationalratswahlen sprach er mit der Kleinen Zeitung über sein Amtsverständnis, seine Motivation, seine Fehler und seine Ziele.

Foto © APAVorausschauend und nachhaltig - so wollte Jörg Haider seine Politik verstanden wissen
Ein paar Wortspenden für ein Porträt über den BZÖ-Spit
zenkandidaten für die Wahlbeilage waren angefragt. Geworden ist es ein sehr langes Grundsatzgespräch über seine Politik.
Einen Monat vor seinem Unfalltod, am 11. September, legte Jörg
Haider der Kleinen Zeitung im Landeshauptmann-Büro aus
führlich seine Gedankenwelt dar. Vier Wochen später liest es sich
wie ein Rückblick auf ein atemloses Politiker-Leben, das Ver
mächtnis eines politischen Phänomens und eine Handlungsan
leitung für seine Nachfolger.
Jörg Haider über seine Wandlungsfähigkeit. "Ich habe viele Dinge gemacht, die früher als ungewöhnlich gegolten haben und die jetzt alle machen. Alle haben über mich als Bierzelt-Politiker
gewitzelt, weil ich in Bierzelte gegangen bin. Heute rennen sie alle
in die Bierzelte. Aber alles, was nicht originäre Eigenschaft ist, ist nicht originell."
Jörg Haider über seine vielen (Ver-)Kleidungen. "Das Kostüm sagt nichts über die Person, die Person ist immer die gleiche. Was ich eingeführt habe: dass es keine große Distanz zwischen politi
schen Repräsentanten, Amtsträger und Bevölkerung geben soll.
Das überwindest du, in dem du ein Teil von ihnen bist, wenn du
im Fasching selbstverständlich kostümiert gehst, wenn du am
Volksfest mit aufgekrempelten Ärmeln dastehst. Das ist ein Markenzeichen geworden und hat die Kärntner Politik geprägt, weil die
anderen gezwungen gewesen sind, sich zu öffnen, sich zu kümmern um die Leute, auf die Leute zuzugehen, unkompliziert die
Kommunikation zu gestalten."
Jörg Haider über sein Gespür für die Themen der Menschen. "Du
musst die Stimmungslagen, die Lebenssituationen der Leute erfassen. In den Neunzigerjahren galt es, die verkrusteten Strukturen aufzubrechen, den Proporz, die Parteibuchwirtschaft zu beseitigen oder das Kammer-Unwesen, da ist viel in Bewegung
geraten. Heute haben die Leute andere Sorgen. Da geht es um das
Einkommen, um die Teuerung, die Frage, ist der Job sicher. Es ist
eine andere Lebenssituation geworden."
Jörg Haider über seinen Antrieb. "Die Überzeugung, dass es nichts Gutes gibt, außer man tut es. Und
daher habe ich eine Freude an der
Tätigkeit, weil man konkrete
Maßnahmen setzen und Projekte verwirklichen kann, und damit
auch messbar wird".











