Trauer als Dank für einen, der in die Herzen der Menschen fand
Tabubrecher zu sein war nur eine Seite des Phänomens Jörg Haider.
Dort, wo der Kärntner Landeshauptmann Samstag früh sein Leben verlor, brennen unzählige Kerzen. Trauernde bringen Blumen, oft versehen mit schwarzen Schleifen oder solchen in den Landesfarben Gelb-Rot-Weiß. Nicht anders ist das Bild auf dem Klagenfurter Arnulfplatz vor dem Amtssitz Jörg Haiders. Aus dem ganzen Land reisen Menschen an, um ihre Betroffenheit zu demonstrieren. Sie warten stundenlang, um sich ins Kondolenzbuch einzutragen. Sie bringen Beileidsbriefe oder deponieren Kinderzeichnungen mit oft naiven, aber umso bewegenderen Dankesbotschaften.
Nicht weit davon, im für Bier und Gulasch gleichermaßen bekannten Gasthaus "Pumpe", bekommen gestandene Männer nasse Augen, wenn die Rede auf den tödlich verunglückten Politiker kommt - und das ist derzeit überall der Fall.
Wer sind die Menschen, die sich hier einer Volkstrauer fern jeder Massenhysterie hingeben? Sind sie gekommen, weil Jörg Haider eine scharfe Ausländerpolitik fuhr, weil er den Verfassungsgerichtshof negierte, SS-Veteranen lobte und die "ordentliche Beschäftigungspolitik" im Dritten Reich? Sind das die "Rechtsradikalen", deren angeblichen Sieg ein sonst angesehenes Wiener Magazin nach den Nationalratswahlen mit gotischen Lettern auf der Titelseite verkünden ließ?
So sehr viele Ausritte Jörg Haiders zu Recht zu kritisieren waren - ihn auf seine Rolle als Tabubrecher zu reduzieren griffe zu kurz. Dass die Trauer in Kärnten so breit geht, liegt vor allem an Haiders ausgeprägtem Gespür dafür, was die Menschen wirklich bewegt. Mit den Aufregerthemen mag er bewiesen haben, dass sich "der Jörg was traut". Doch deswegen stehen nicht Arbeiter mit Beamten, Senioren mit Lehrlingen und Bergbauern mit gepiercten Punks in einer Reihe, um sich sich in die Trauerliste einzutragen. Faktum ist, dass Jörg Haider mehr als andere Politiker für die so genannten "kleinen Leute" gemacht hat und dabei nicht nur deren Sprache verstand und sprach, sondern den Worten auch Taten folgen ließ. Durch Mehrheiten, die er mit politischem Geschick zusammenbrachte.
Babygeld, Kinderscheck, Mütterpension, Lehrlingsfreifahrt, Teuerungsausgleich und mehr haben Wirkung erzielt. Das über das Amt hinausgehende soziale und karitative Engagement Haiders hat diese verstärkt. Die Trauer der Kärntner ist der Dank für einen, der in ihre Herzen gefunden hat. Auch wenn sie mit manchen Aktionen ihres Landeshauptmannes von Herzen nicht immer einverstanden gewesen sein mögen.
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