Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
22. Mai 2013 12:53 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren
Krawalle bei Haider-Besuch: Freisprüche wegen Verjährung Gedenkfeier für Jörg Haider beim Lambichl-Marterl Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Jörg Haider Nächster Artikel Krawalle bei Haider-Besuch: Freisprüche wegen Verjährung Gedenkfeier für Jörg Haider beim Lambichl-Marterl
Zuletzt aktualisiert: 13.10.2008 um 07:49 Uhr

Stefan Petzner rückt an die Spitze des BZÖ

Der 27-jährige Vertraute des verunglückten BZÖ-Chefs Jörg Haider wurde einstimmig zum Nachfolger gewählt. Er fühlt sich als Erbe Haiders und will "Rot-Schwarz verhindern".

Spürt "Pflicht und Auftrag": Petzner

Foto © APA/PfarrhoferSpürt "Pflicht und Auftrag": Petzner

Der rund 20-köpfige BZÖ-Parteivorstand, intern "Bündnis-Team" genannt, hat sich am Sonntagnachmittag bei einer Trauersitzung im Wiener Hauptquartier in der Dorotheergasse einstimmig darauf verständigt: Jörg Haiders engster Vertrauter, BZÖ-Generalsekretär Stefan Petzner, soll neuer BZÖ-Chef werden. "Das ist keine leichte Aufgabe". Dennoch habe er diesen Auftrag angenommen, teilte Petzner gestern Nachmittag in einer eilig einberufenen Pressekonferenz mit. Wissend, dass "die Schuhe" Haiders "sehr groß" sind. Doch werde er "damit gehen, nicht fallen", meinte Petzner.

Auftrag. Dass er Haider nachfolgt, sei wohl im Sinn des Verunglückten. Das habe ihm Haider in einem Vieraugengespräch sogar wörtlich aufgetragen, erzählt Petzner. "Wenn ich nicht mehr da bin, musst du weiterführen", habe der 58-jährige Haider dem 27-jährigen Petzner erklärt, als dieser einmal die bange Frage stellte: "Was machen wir nur, wenn du nicht mehr da bist?"

Weiter Personalentscheidungen vertagt. Petzner spricht jetzt von "Pflicht und Auftrag", das Erbe Haiders weiterzutragen. Andere Personalentscheidungen auf Bundesebene, etwa, wer den BZÖ-Klub führen werde, seien noch nicht gefallen, erklärte Petzner, der auch seine "politische Ansage" auf eine einzige beschränkte: "Ich will eine große Koalition verhindern." Das sei der Wille Haiders gewesen, den er auch in diesem Punkt präzis umsetzen will. "Alles ist gut in diesem Land außer einer Neuauflage von Rot-Schwarz", meinte Petzner. Wie er dieses Ziel erreichen will, bleibt im Dunklen. Für Detailfragen hatte Petzner, der abends bei einer Trauerfeier für Haider im Klagenfurter Dom dabei sein wollte, keine Zeit.

Parteikollegen stehen hinter Petzner. Der 27-Jährige muss nun auf einem in Kürze stattfindenden BZÖ-Parteikonvent als Parteichef bestätigt werden. Dass er nur eine Interimslösung sein könnte, bestreiten Mitglieder des orangen Parteivorstandes. Der Antrag zu Petzners Kür war vom stellvertretenden BZÖ-Klubobmann Herbert Scheibner und BZÖ-Generalsekretär Martin Strutz eingebracht worden. Auch der bisherige Klubchef des BZÖ, Peter Westenthaler, steht "voll hinter Petzner", wie er der Kleinen Zeitung versicherte. Westenthaler weigert sich wie Scheibner oder auch Strutz, "derzeit" irgendwelche Personaldebatten zu führen. Auch Petzner erklärte, "jetzt ist keine Zeit dafür".

Kampf mit den Tränen. Zunächst sei nur die Entscheidung über die BZÖ-Spitze gefällt worden. Dazu hat sich Petzner auch wegen der vielen Anfragen von Sympathisanten veranlasst gesehen. "Wie geht's jetzt weiter?", sei er zuletzt mehr als hundertmal auch in E-Mails gefragt worden, erklärte Petzner, dem neuerlich mehrfach die Tränen kamen. Als er etwa davon erzählte, dass er sich in den vergangen Stunden immer wieder gefragt habe: "Was würde er jetzt tun?" Auch Haider habe schwierigste Phasen durchlebt, jedoch immer gesagt, "lasst die Köpfe nicht hängen", erzählt Petzner schluchzend. Das sei "nach Knittelfeld", aber auch bei der von Haider vollzogenen Trennung von BZÖ und FPÖ so gewesen. Haider sei immer optimistisch, "voller Lebensfreude gewesen", behauptete Petzner. "Kein Thema" ist für den designierten Parteichef der Orangen auch die vieldiskutierte "Wiedervereinigung" von BZÖ und FPÖ. Jedenfalls aus "derzeitiger Sicht", wie Petzner betont.

Haider habe umgedacht. Jörg Haider habe, wie auch andere BZÖ-Funktionäre erzählen, seit seinem Wahlerfolg Ende September völlig umgedacht, keine Vereinigung mit den Blauen mehr gewollt. "Jörg hat an das BZÖ geglaubt", betont Petzner. Der Verunglückte habe mit seinen Mitstreitern bereits Strategien entworfen, wie das BZÖ weiter erstarken könnte. Mit der FPÖ sei lediglich punktuelle Zusammenarbeit im Parlament vorstellbar, sagt auch Peter Westenthaler. Wie es personell in Kärnten weitergeht, will das vom BZÖ heute bekannt geben.

WOLFGANG SIMONITSCH

Stefan Petzner

Stefan Petzner wurde am 17. Jänner 1981 in Laßnitz im Bezirk Murau geboren. Der elterliche Hof liegt sowohl in Kärnten als auch in der Steiermark. Er studierte an der Universität Klagenfurt Publizistik, als er bei einem Grenzlandfest Jörg Haider kennenlernte.

Polit-Karriere

  • Chef der Freiheitlichen Studenten an der Uni Klagenfurt
  • 2004 persönlicher Sprecher von Jörg Haider
  • Ab Juni 2006 stellvertretender BZÖ-Bundesobmann
  • Ab November 2006 geschäftsführender Kärntner Landesparteichef
  • Verantwortung für die Nationalratswahlkampagnen 2006 und 2008
  • Seit Sommer 2008 zudem Generalsekretär des BZÖ

Sunnyboy & Arbeitstier

Stefan Petzner gilt er als Arbeitstier. Privat kennt man den allzeit braun gebrannten Petzner als locker und umgänglich. Sorgfältige ausgewählte Outfits prägen sein Image. Denn: "Politiker können und dürfen auch gut aussehen", wie er einmal sagte.


Haider im Internet

www.ebay.at

Erinnerungsstücke an Jörg Haider im Angebot.

 

Jörg Haider

Jörg Haider wurde am 26. Jänner 1950 in Bad Goisern geboren. Mit 20 Jahren stieg er in die Politik ein, 1976 übersie-delte er nach Kärnten. 1989 gelang ihm der Aufstieg zum Landeshauptmann von Kärnten. Nach Querelen mit der FPÖ gründete er 2005 das BZÖ. Bei einem Autounfall am 11. Oktober 2008 verunglückte er tödlich. Haider hinterlässt seine Frau und zwei Töchter.

 


Seitenübersicht

Zum Seitenanfang