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    Zuletzt aktualisiert: 03.12.2012 um 15:20 UhrKommentare

    Griechen machen Gläubigern attraktives Angebot

    Vor einer Woche wurde beschlossen, dass Griechenland alte Schulden zum Marktwert zurückkaufen wird. Nun macht das Land den Gläubigern ein gutes Angebot: Für einen Euro Altlasten zahlen die Griechen bis zu 40 Cent.

    Foto © APA

    Griechenland hat die Finanzmärkte mit einem unerwartet großzügigen Angebot zum Rückkauf von Altschulden positiv überrascht. Die Börse in Athen legte am Montag kräftig zu, die Anleihenkurse schossen auf ein 14-Monats-Hoch. In einer "holländischen Auktion" haben private Investoren bis Freitag Zeit, der Regierung ihre Preisvorstellung für den Rückkauf zu nennen.

    Dabei müssen sie sich innerhalb einer Preisspanne bewegen, die höher ausfiel als erwartet. Das Land ist auf einen Erfolg der mit dem IWF und den anderen Euro-Ländern vereinbarten Verringerung des Schuldenbergs angewiesen, um an weitere Milliardenhilfen zu kommen. Über die Alternative eines Schuldenerlasses wird weiter diskutiert. Die CSU winkte wegen der Belastung der deutschen Steuerzahler ab.

    Die Adressaten des griechischen Angebots sind die privaten Besitzer von griechischen Staatsanleihen im Nennwert von gut 60 Mrd. Euro. Dabei handelt es sich vor allem um Banken und Pensionskassen im Land selbst und um Hedge-Fonds, die versuchen, aus der schwierigen Lage des Landes Kapital zu schlagen. Für den Rückkauf der Altschulden setzt Griechenland zehn Mrd. Euro ein. Das Land ist bereit, den Inhabern - je nach Laufzeit ihrer Papiere - für jeden Euro ihrer Forderungen mindestens 30,2 bis 38,1 Cent zu zahlen, höchstens aber 32,2 bis 40,1 Cent. Die Besitzer müssen nun angeben, bei welchem Betrag sie einschlagen würden. Wer zu hoch pokert, bleibt auf seinen Papieren sitzen.

    Preisverfall ausgenutzt

    Mit dem Rückkauf will Griechenland vom Preisverfall seiner Anleihen an den Börsen profitieren und seine Schulden von rund 300 Mrd. Euro unterm Strich um etwa 20 Mrd. Euro senken. Dies ist notwendig zur Sicherung seiner langfristigen Schuldentragfähigkeit, die wiederum Voraussetzung ist für die Auszahlung weiterer Nothilfen durch den IWF und den Euro-Rettungsschirm. Die nächste Tranche umfasst 43,7 Mrd. Euro.

    Börsianer hatten lediglich mit einer Offerte zwischen 20 und 30 Cent pro ein Euro Nennwert gerechnet. Offenbar versuche Griechenland alles, um den Schuldenrückkauf zu einem Erfolg zu machen, sagte Anlage-Stratege Ricardo Barbieri von der Mizuho Bank. Nach der Veröffentlichung des Angebots stieg der Kurs der zehnjährigen griechischen Bonds um 4,31 Punkte auf ein 14-Monats-Hoch von 39,495 Zählern. Im Gegenzug sank die Rendite um fast zwei Punkte auf bis zu 14,56 Prozent. Auch am Aktienmarkt war die Reaktion positiv: Der Athener Leitindex stieg um bis zu zwei Prozent. Der Banken-Index legte in der Spitze sogar um 5,6 Prozent zu. Die Geldhäuser gehören zu den größten Gläubigern des griechischen Staates.

    Gelingt die Schulden-Entlastung nicht im gewünschten Umfang oder gerät das Haushalts-Konsolidierungsprogramm erneut aus dem Ruder, müsste sich die Eurozone nach anderen Wegen umschauen, um die Belastung durch Zinsen und Tilgung zu verringern. Dazu hatte der IWF bereits einen Schuldenverzicht der öffentlichen Gläubiger ins Gespräch gebracht - also im wesentlichen der anderen Euro-Länder und ihrer Steuerzahler. Allein Deutschland bürgt bereits mit fast 40 Mrd. Euro für Hilfskredite.

    Hintertüre

    Merkel hatte am Wochenende eine Hintertür offengelassen. "Wenn Griechenland eines Tages wieder mit seinen Einnahmen auskommt, ohne neue Schulden aufzunehmen, dann müssen wir die Lage anschauen und bewerten. Das ist nicht vor 2014/15 der Fall, wenn alles nach Plan läuft", sagte sie in einem Interview. So lange das Land neue Kredite braucht, verbietet die Rechtslage in Deutschland und anderen Euro-Ländern einen Schuldenerlass. Denn nach einem solchen Schritt dürfte der Bund für weitere Kredite des Euro-Rettungsschims EFSF keine Bürgschaften mehr übernehmen.

    Welche Maßnahmen zur Abwendung einer Pleite noch ergriffen werden müssen, hängt vor allem davon ab, wie schnell sich die Wirtschaft erholt und der Staat seine Einnahmen verbessert. Die griechische Nationalbank zeigte sich zuversichtlich, dass der Aufschwung früher kommen könnte als gedacht. Der Wendepunkt werde irgendwann 2014 erreicht sein, hieß es in einer neuen Analyse. Für dieses Jahr erwartet sie allerdings ein BIP-Minus von sechs Prozent und für 2013 von weiteren 4,5 Prozent. Damit wäre die Wirtschaft seit 2008 um etwa ein Viertel geschrumpft.


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