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    Zuletzt aktualisiert: 07.11.2012 um 16:41 UhrKommentare

    Mit Nerven am Ende - Griechen ächzen unter Sparauflagen

    "Es reicht. Wir können nicht mehr sparen".

    Foto © Reuters

    In der Bar von Andreas im Zentrum Athens läuft im Fernsehen die turbulente Parlamentsdebatte über das Sparprogramm. "Stell das Ding ab. Ich kann das nicht mehr hören mit all diesen Politikern, die uns in die Katastrophe geführt haben", sagt Nikos, ein 34-jähriger Rechtsanwalt. Von einer Billigung des Sparprogramms am späten Mittwochabend hängt ab, ob Griechenland weitere Hilfen von den internationalen Geldgebern erhält oder ins Chaos stürzt, wie Regierungschef Antonis Samaras immer wieder warnt.

    Die Stimmung im Parlamentssaal war angespannt: "Das Sparprogramm ist verfassungswidrig. Es ist ein parlamentarischer Putsch, was hier stattfindet", schrien Abgeordnete der linksradikalen Oppositionspartei Syriza. "Wir werden Sie alle vor ein Sondergericht stellen", drohten die Rechtsradikalen von der rassistischen Partei Goldene Morgenröte. Die Regierung sei "berlinhörig", meinte ein Abgeordneter der Rechtspartei Unabhängige Griechen. "Eine Stimmung wie beim Rodeo", meinte ein Kommentator im Radio.

    "Es reicht. Wir können nicht mehr sparen"

    Draußen vor dem Parlament versammelten sich die Gewerkschaften und ihre Anhänger. "Es reicht. Wir können nicht mehr sparen", skandierten die Menschen. Viele von ihnen sind arbeitslos und sehen kein Licht im Tunnel. Es sind Millionen Menschen - man nennt sie die "schweigende Mehrheit". Tagtäglich müssen sie erleben und ertragen, wie die ehemals fröhliche griechische Gesellschaft und Vater Staat auseinanderdriften.

    Maria Stoura besitzt fünf Wohnungen im Stadtteil Patissia. Fünf ihrer sechs Mietparteien haben kein Geld mehr. Sie sind fünf bis sechs Monate im Rückstand mit der Miete. "Ich kann sie nicht rausschmeißen. Ich kenne sie seit 25 Jahren. Die Leute haben kein Geld. Nur eine Familie zahlt noch", sagt sie. "Wo sind wir hingekommen", seufzt Maria.

    Ein paar Blöcke weiter lebt Evangelia Karzi. Ihr Mann ist schwer krank und liegt in einer staatlichen Klinik im Zentrum Athens. Sie weint. "Ich kann nicht zu meinem Mann und ihn waschen. Die U-Bahn streikt und die Taxis auch und ich habe sowieso kein Geld", sagt sie. Im Krankenhaus geht fast nichts mehr. Es gibt eine Krankenschwester für 60 Patienten. Die Ärzte behandeln seit Montag nur Notfälle. Man zahlt ihnen seit Monaten keine Überstunden mehr. Im Zimmer von Giorgos Karzis stinkt es. Seit Tagen hat man ihn nicht gewaschen. "Meine Zeit ist wohl gekommen. Wenn Gott will, dann gehe ich eben", sagt der 78-Jährige resigniert und atmet schwer.

    Besonders schlimm ist die Situation für junge Menschen. "Wir sollen jetzt bestraft werden, weil sich unsere Eltern zu viel Geld geliehen haben", sagt Aristarchos Nikolaidis. "Dieses Europa der sozialen Kälte will ich nicht. Ich wandere aus nach Neuseeland", sagt er. Er hat vielleicht Glück. Seine Familie hat Verwandte in Auckland.

    Zehntausende andere junge Menschen verlieren zunehmend jede Hoffnung. "Ich finde nur noch Gelegenheitsarbeiten. Heute verteile ich Flugblätter, Werbung für ein Kaufhaus. Für zwei Euro die Stunde", sagt Dimitris Makridis. Er ist Student. Sein Vater ist arbeitslos. Seine Mutter wurde gerade entlassen und bekommt 492 Euro Arbeitslosengeld. Nach zwölf Monaten wird auch dieses Geld nicht mehr kommen. Arbeitslosengeld gibt es für höchstens ein Jahr. Die Oma hilft mit ihrer kleinen Rente von 388 Euro.

    Radikale Kräfte bekommen immer mehr Zulauf. Die Rechtsextremisten sind bereits in allen Umfragen drittstärkste Kraft. Fast täglich gibt es Überfälle auf Migranten. Linksextremisten sorgen für Chaos bei friedlichen Demonstrationen. Sie schleudern Brandflaschen auf Polizisten und prügeln sich mit den Rechtsradikalen.


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