Journalist festgenommen: "Habe Wahrheit enthüllt"
Die griechische Polizei hat am Sonntag den Chefredakteur der Athener Boulevardzeitschrift "Hot Doc" vorübergehend festgenommen. Die Zeitschrift hatte eine Liste mit Steuersündern veröffentlicht.

Foto © ReutersKostas Vaxevanis, Chefredakteur von "Hot Doc"
In Griechenland hat der Streit über die Steuerflucht einen neuen Höhepunkt erreicht: Der Chefredakteur eines Wochenmagazins wurde am Sonntag vorübergehend festgenommen, weil er eine Liste von mehr als 2.000 wohlhabenden Bürgern mit Konten in der Schweiz veröffentlichte. Ein Polizeivertreter nannte dies einen Verstoß gegen Persönlichkeitsrechte. Es gebe keine Beweise, dass die Genannten sich der Steuerflucht oder der Geldwäsche schuldig gemacht hätten. Der Chefredakteur des Magazins "Hot Doc", Costas Vaxevanis, wurde nach seiner Festnahme von einem Staatsanwalt verhört und danach bis zum Prozessbeginn auf freien Fuß gesetzt. Er rechtfertigte sein Vorgehen als journalistisch notwendig und warf den Behörden vor, die Presse mundtot machen zu wollen.
Bei dem Dokument soll es sich um die sogenannte "Lagarde-Liste" handeln, die in Griechenland seit längerem für heftige Spekulationen sorgt. Sie trägt den Namen der früheren französischen Finanzministerin Christine Lagarde, weil sie zu deren Amtszeit im Jahr 2010 von den französischen Behörden an die Kollegen in Griechenland ausgehändigt wurde. Mittlerweile ist Lagarde Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF).
Die Liste führt Personen auf, die auf Steuerhinterziehung geprüft werden sollten. In dem vom Bankrott bedrohten Land steigt die Wut auf Politiker und Reiche. Viele Griechen werfen der Elite vor, ihr Geld im Ausland in Sicherheit zu bringen, während der Großteil der Bevölkerung unter dem drakonischen Sparkurs zu leiden hat.
Liste wurde anonym zugespielt
Dem Magazin wurde das Dokument nach eigener Auskunft anonym zugespielt. Die veröffentlichte Liste enthält 2059 Namen, darunter bekannte Figuren aus Wirtschaft und Politik. Von den Behörden war keine Bestätigung zu bekommen, ob es sich wirklich um die "Lagarde-Liste" handelt.
Chefredakteur Vaxevanis sagte: "Ich habe nur das getan, wozu ein Journalist verpflichtet ist. Ich habe die Wahrheit enthüllt, die sie verborgen haben." Wenn jemand zur Rechenschaft gezogen werden müsse, dann seien es die Minister, die die Liste unter Verschluss gehalten und deren Existenz bestritten hätten, mahnte er in einem Video, das Reuters vorlag. Die meisten der auf der Liste genannten Personen hätten anscheinend Steuern hinterzogen, indem sie Gelder insgeheim in die Schweiz transferierten. "Der springende Punkt ist, dass diese Gruppe von Leuten Gewinne einstreicht und das Griechenland erschafft, das sie wollen, während das Land hungert", sagte Vaxevanis.









