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Zuletzt aktualisiert: 19.06.2012 um 22:58 UhrKommentare

SYRIZA-Chef Tsipras sieht sich als künftigen Premier

Trotz eines nur zweiten Platzes bei der Parlamentswahl sieht sich der Chef des radikalen Linksbündnisses Partei SYRIZA, Alexis Tsipras, mittelfristig als Gewinner und künftiger Regierungschef.

Alexis Tsipras

Foto © ReutersAlexis Tsipras

Seine Partei habe die Spardebatte gewonnen, sagte Tsipras am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters in seinem ersten Interview seit der Parlamentswahl am Sonntag. Die neue Regierung, an der er nicht beteiligt sein wolle, werde scheitern. "Nur wir können die tiefgreifenden Reformen umsetzen, die das Land benötigt, weil wir nicht korrupt oder verschlissen sind. Früher oder später werden wir die Chance erhalten", ergänzte Tsipras.

Der erbitterte Gegner des drastischen Sparprogramms lieferte sich im Vorfeld der zweiten Wahl binnen Monatsfrist ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Konservativen Antonis Samaras, der die mit EU, EZB und Internationalem Währungsfonds verabredete Rosskur umsetzen will.

"Was SYRIZA die ganze Zeit über gesagt hat, ist, dass der Rettungsplan nicht machbar ist und nicht weiter weiterverfolgt werden kann", sagte Tsipras. Er will das Kunststück fertig bringen, das Rettungspaket zu kippen und das Land gleichzeitig in der Euro-Zone zu halten. Für die europäischen Partner der Griechen kommt das einer Quadratur des Kreises gleich. Solche Vorstellungen sind Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker, die dem 37-jährigen Polit-Star mangelnde Erfahrung vorhalten, was ihn für das Amt des Regierungschefs disqualifiziere.

Der voraussichtliche neue Ministerpräsident Samaras von der konservativen Neuen Demokratie will nach Reuters-Informationen bei EU, IWF und EZB einen Aufschub durchsetzen. Statt der vereinbarten zwei will er vier Jahre zur Umsetzung von Sparmaßnahmen im Umfang von 11,7 Milliarden Euro herausschlagen. In der Euro-Zone wächst derzeit die Bereitschaft, die Sparschraube in Griechenland ein wenig zu lockern.

Tsipras' Partei erhielt bei der Parlamentswahl 27 Prozent der Stimmen nach nur 17 Prozent bei der ersten Wahl im Mai. Der starke Zulauf von Wählern zeige, dass die Griechen ihre Wut gegen die Sparmaßnahmen in der Abstimmung zum Ausdruck gebracht hätten, sagte der Politiker. Griechenland befindet sich in einer tiefen Rezession mit einer Arbeitslosenquote von knapp 23 Prozent. Wenn es SYRIZA nicht geben würde, wäre die Alternative eine Neo-Nazi-Partei, erklärte Tsipras. Wenn sich die Gelegenheit ergebe, werde seine Partei die Regierungsmacht übernehmen.


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