Samaras und seine Herkules-Aufgabe in Athen
Der konservativer Antonis Samaras könnte nach seinem Wahlsieg am Sonntag Griechenlands neue Regierung führen. Ein Porträt.

Foto © ReutersAntonis Samaras
Schon einmal sah sich Antonis Samaras seinem Ziel ganz nahe: Als seine konservative Nea Dimokratia (ND) Anfang Mai als stärkste Kraft aus der ersten Parlamentswahl hervorging, erhielt er den Auftrag zur Regierungsbildung. Aber die heillos zerstrittenen Parteien Griechenlands konnten sich nicht auf eine Koalition einigen, und die Parlamentswahl wurde wiederholt. Nun ist die ND wieder Wahlsieger geworden, diesmal hat der 61-jährige Samaras für eine Regierungsbildung allerdings etwas bessere Karten.
Mit allen Mitteln wollte Samaras an die Macht - und schreckte auch vor harten Bandagen nicht zurück. Während Griechenland unter der Schuldenkrise ächzte, bekämpfte der konservative Parteichef die von den internationalen Kreditgebern auferlegte Sparpolitik monatelang mit einer Hartnäckigkeit, mit der er nicht nur bei den gegnerischen Sozialisten zur Reizfigur wurde.
Als Oppositionsführer war Samaras eigentlich immer dagegen: Während sein Heimatland seit Anfang 2010 auf den Staatsbankrott zusteuerte und zweimal um Milliardenhilfen bitten musste, weigerte er sich beharrlich, im Parlament den Sparbeschlüssen der sozialistischen Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou zuzustimmen. Stattdessen sprach sich Samaras weiter unbeirrt für Steuersenkungen aus und bezeichnete die Krisenpolitik der EU als falsch.
Auch Papandreous umstrittenen Vorstoß, das Volk in einem Referendum über das Rettungspaket entscheiden zu lassen, lehnte er Ende 2011 ab. Samaras wehrte sich zudem lange gegen eine Einheitsregierung und forderte stattdessen hartnäckig Neuwahlen - immerhin lag seine Partei in den Umfragen stets in Führung.
Keine andere Wahl
Im vergangenen November hatte der Oppositionschef dann keine andere Wahl mehr, als der Bildung eines Übergangskabinetts unter dem früheren Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank, Lucas Papademos, zuzustimmen. Er tat sich aber weiter sichtlich schwer damit, dass seine Konservativen nun zusammen mit der sozialistischen PASOK-Partei von Papandreou regieren mussten, mit dem er beim Studium am Amherst College in den USA einst ein Zimmer teilte.
Lange Zeit beäugten die EU-Partner den Sprössling einer wohlhabenden Familie aus Messenien auf der Halbinsel Peloponnes skeptisch. Schließlich hat sich der Vater von zwei Kindern, der am 23. Mai seinen 61. Geburtstag feierte, in seiner langen politischen Karriere oft durch Starrköpfigkeit hervorgetan.
1989 übernahm Samaras sein erstes Ministeramt, als er in der Regierung von Kostas Mitsotakis erst Wirtschafts- und dann Außenminister wurde. Im Kleinkrieg mit Mazedonien, mit dem Griechenland seit Jahrzehnten darüber streitet, ob das Nachbarland so heißen darf wie die gleichnamige nordgriechische Provinz, gab er sich so sehr als Hardliner, dass ihn seine eigene Partei schließlich fallen ließ. 1992 wurde er aus der Nea Dimokratia ausgeschlossen und gründete seine eigene nationalistische Partei "Politischer Frühling" - mit geringem Erfolg.
2004 schloss sich Samaras wieder der Nea Dimokratia an und wurde Abgeordneter im Europaparlament. Im Jänner 2009 wurde er Kulturminister in der Regierung von Kostas Karamanlis, die jedoch schon neun Monate später abgewählt und im Oktober 2009 von Papandreou abgelöst wurde. Bei einer Kampfabstimmung gegen die frühere Außenministerin Dora Bakoyannis wurde Samaras Parteichef und damit Oppositionsführer.
Noch während der Kampagne für die erste Parlamentswahl hatte der Hardliner Samaras eine erneute Koalition mit der PASOK strikt ausgeschlossen. Dann wurden die beiden Traditionsparteien von den Wählern für die unbeliebte Sparpolitik so schwer abgestraft, dass es für sie nicht einmal gemeinsam zur Mehrheit im Parlament reichte.
Am Sonntagabend war die Erleichterung groß, dass ND und Pasok nach dem neuerlichen Urnengang nun doch die Regierung stellen könnten. Auch Samaras erklärtes Ziel gilt nun nur noch als das kleinere Übel: Den Euro will er behalten, aber die umstrittenen Maßnahmen des Spardiktats lockern.









