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Zuletzt aktualisiert: 17.06.2012 um 07:36 UhrKommentare

Tsipras schürt den Hass auf die Deutschen

Schicksalswahl für Griechenland. Zwischen Konservativen und Linkspopulisten wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet.

Alexis Tsipras bei seiner Abschlusskundgebung in Saloniki: "Frau Merkel, treten sie statt ihrer Marionetten bei der Wahl in Griechenland doch selbst an!"

Foto © APAAlexis Tsipras bei seiner Abschlusskundgebung in Saloniki: "Frau Merkel, treten sie statt ihrer Marionetten bei der Wahl in Griechenland doch selbst an!"

In Griechenland hat die Parlamentswahl begonnen. Um 20 Uhr schließen heute die letzten Wahllokale. Aber ob es dann, am Ende dieses langen Tages, einen klaren Sieger geben wird, oder weiter eine konfuse Parteienlandschaft, wagt niemand zu prophezeien. Letzte Umfragen, die aber wie so vieles in Griechenland völlig unzuverlässig sind, sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der konservativen Alt-Partei "Nea Dimokratia" (ND) und der linksradikalen Syriza-Partei mit je 28 Prozent der Stimmen voraus.

Das bedeutet, dass der Ausgang der Wahl von der momentanen Stimmung von rund 700.000 Orientierungslosen abhängt. Schon die Wahlen am 6. Mai hatten große Überraschungen gebracht, die kein Meinungsforscher vorhergesagt hatte: Etwa den zweiten Platz für die bis dahin bedeutungslose Syriza nur knapp hinter dem schwachen Wahlsieger ND.

Je länger der Wahlkampf dauerte, desto weniger hatte man von Griechenland geredet. Insbesondere Syriza-Chef Alexis Tsipras setzte ganz auf Hass gegen Deutschland - und gegen die "Hochverräter der etablierten Eliten". Bei seiner Abschlusskundgebung in Thessaloniki rief er Angela Merkel zu: "Nehmen Sie Ihre Marionetten zurück, kommen Sie selbst nach Griechenland und treten Sie zur Wahl an!" Und den politischen Hauptgegner ND von Antonis Samaras nannte er "Partei der Deutschen".

Merkel warnte Griechen

Aber auch Angela Merkel heizte am Samstag auf dem CDU-Parteitag in Hessen den griechischen Wahlkampf noch einmal kräftig an: Mit scharfen Worten verlangt sie ein Bekenntnis der Griechen zu den getroffenen Vereinbarungen. Es könne nicht sein, dass diejenigen, die sich nicht an Abmachungen hielten, die anderen "am Nasenring durch die Manege führen", sagte Merkel.

Ob sie mit derartigen Aussagen nicht ausgerechnet den radikalen Kräften in Griechenland Auftrieb gegeben hat, wird man spätestens Sonntagabend wissen.

ERNST HEINRICH

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