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Zuletzt aktualisiert: 15.06.2012 um 16:19 UhrKommentare

Politik und Banken wappnen sich für Beben

Der Ausgang der Wahl in Athen am Sonntag könnte das Ende des Euro in Griechenland besiegeln. Die wichtigsten Notenbanken arbeiten an einer koordinierten Aktion zur Stabilisierung der globalen Finanzmärkte.

Foto © Reuters

Politik und Notenbanken rüsten sich weltweit mit Hochdruck für ein Beben an den Märkten nach der Schicksalswahl in Griechenland. Wie die Nachrichtenagentur Reuters von G20-Vertretern erfuhr, stehen die Zentralbanken für eine konzertierte Aktion zur Stabilisierung der globalen Finanzmärkte Gewehr bei Fuß. EZB-Chef Mario Draghi wurde bereits konkret: "Das Eurosystem wird weiter Liquidität an kreditwürdige Banken bereitstellen, wenn das notwendig ist", kündigte der Italiener am Freitag in Frankfurt an. Sein japanischer Kollege Masaaki Shirakawa betonte, die Notenbanken stünden in engem Kontakt und beobachteten die Lage genau.

Der Ausgang der Parlamentswahl in Athen am Sonntag könnte Experten zufolge das Ende des Euro in Griechenland besiegeln, sollten sich die Reformgegner durchsetzen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel verschob ihre Abreise zum G-20-Treffen in Mexiko auf den späten Sonntagabend, womit sich Gelegenheit zur Abstimmung mit anderen Regierungschef über die Hellas-Wahl ergeben dürfte. "Die Bundeskanzlerin wird alle Großereignisse des Abends im Auge haben", betonte Regierungssprecher Steffen Seibert, ohne allerdings konkret zu werden. Zudem wollen sich die Finanzminister der Euro-Zone am Sonntagabend in einer Telefonkonferenz abstimmen, wie aus Kreisen der Euro-Zone verlautete. Der Sprecher des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble bestätigte diesen Termin jedoch nicht: "Der Minister hat sicher einen Hang zum Telefon. Grundsätzlich ist jedoch nichts anberaumt."

Der britische Finanzminister George Osborne erklärte, als Reaktion auf die Lage an den Kreditmärkten würden die Regierung in London und die Bank of England zusammen handeln und neue geldpolitische Instrumente einsetzen. Ein G20-Vertreter sagte Reuters, abhängig von der Heftigkeit der Reaktionen auf die Hellas-Wahl könnte am Montag oder Dienstag sogar ein Krisentreffen von Ministern der Gruppe der sieben größten Industriestaaten (G7) angesetzt werden. Per Telefon könnten die Notenbanker zugeschaltet werden.

Die Hauptsorge sei das Risiko von größeren Kapitalabflüssen, sollte sich die radikale Linkspartei Syriza eindeutig durchsetzen, sagte ein Euro-Zonen-Vertreter. Syriza-Chef Alexis Tsipras lehnt die Auflagen der internationalen Geldgeber ab, will das Land aber dennoch im Euro halten. Tsipras ist entschlossen, die Hilfsbedingungen nach einem Wahlsieg zu kippen. In Umfragen wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem ultralinken Lager und den pro-europäischen Parteien erwartet. "Bei einem Wahlsieg der linksradikalen Syriza würde die Wahrscheinlichkeit eines griechischen Staatsbankrotts steigen und schon im Herbst könnte das Land aus dem Euro austreten", meint Ökonom Christoph Weil von der Commerzbank.

Die Chefs der beiden etablierten Parteien ND und Pasok, Antonis Samaras und Evangelos Venizelos, plädieren dafür, dass die Geldgeber von EU und IWF dem Land mehr Zeit zum Erfüllen seiner Sparauflagen geben. In Brüssel trifft diese Bitte offenbar nicht auf taube Ohren: Die Euro-Länder sind EU-Kreisen zufolge bereit, Griechenland einen gewissen Spielraum bei der Umsetzung der Sparziele zu geben. An den Vorgaben selbst werde nicht gerüttelt, sagte ein hochrangiger EU-Vertreter. Es sei aber möglich, der neuen Regierung in Athen dabei entgegenzukommen, auf welchem Weg sie die Sparziele erreicht.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht eine mögliche Aufweichung der Sparvorgaben äußerst kritisch. Es wäre schädlich für die Euro-Zone, sollte dem Land mehr Zeit für den Abbau seines Defizits eingeräumt werden, sagte Weidmann der griechischen Zeitung "Kathimerini". Auch dürfe keinem Land erlaubt werden, Europa zu erpressen.

Die Aussicht auf eine konzertierte Aktion der wichtigsten Notenbanken gab den Aktienmärkten beiderseits des Atlantiks und auch dem Euro Auftrieb. Auch die ins Visier der Märkte geratenen Schuldenländer Spanien und Italien verspürten ein wenig Erleichterung an den Märkten: Die Renditen für Staatsanleihen beider Länder gaben leicht nach. Sie sind dennoch bereits auf einem Niveau, das auf Dauer kaum tragbar erscheint. Für die Experten der Bank of Scotland stellt sich daher die Frage, ob die EZB ihr Anleihe-Ankaufprogramm wieder aufnimmt. "Wir werden wohl bald eine Antwort darauf erhalten - wenn nicht heute, dann wahrscheinlich bei sich verschlechternden Marktbedingungen nach einem chaotischen griechischen Wahlergebnis."


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