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Zuletzt aktualisiert: 16.05.2012 um 16:42 UhrKommentare

Griechenland: Wer kann, der geht

Land- und Bankenflucht: Angesichts der unsicheren Lage verlassen immer mehr Griechen ihr Heimatland Richtung Deutschland. Wer wiederum im Land bleibt, der fürchtet um sein Erspartes: Allein am Montag zogen die Hellenen fast eine Mrd. Euro von den Banken ab.

Foto © APA

Beim Verein Griechischer Akademiker in Frankfurt steht das Telefon schon lange nicht mehr still. "Es hat etwa Mitte 2010 angefangen und ist immer mehr geworden", sagt Vereinsgründer Gregorius Thomaidis. Griechen aus allen sozialen Schichten und Regionen des Landes suchten in Deutschland Arbeit. Die meisten seien zwischen 30 und 45 Jahre alt und wollten in die Ballungsräume, wo Freunde oder Verwandte lebten. Der pensionierte Kieferchirurg rechnet damit, dass es noch mehr werden. "Die Lage in Griechenland wird ja immer schwieriger."

Die Schuldenkrise hat Deutschland 2011 einen besonders starken Zuwachs von Einwanderern aus Griechenland (plus 90 Prozent) und Spanien (plus 52 Prozent) gebracht. "Angesichts der Krise und der hohen Arbeitslosigkeit in den Ländern sind die Zahlen aber erstaunlich gering", sagt Professor Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Das Statistische Bundesamt spricht von etwa 23.800 Griechen und 20.700 Spaniern, die 2011 in die Bundesrepublik übersiedelten.

Interesse an Sprachkursen steigt

Die Goethe-Institute spüren das Interesse an Deutschland sowohl im In- als auch im Ausland. "In Madrid und Barcelona haben wir bei den Deutsch-Kursen die größten Steigerungsraten aller Goethe-Institute weltweit", sagt Sprecher Christoph Mücher. In Griechenland und Ungarn lernten auch deutlich mehr Menschen Deutsch. "Athen und Warschau waren allerdings schon immer auf einem sehr hohen Niveau." In Polen lernten weltweit die meisten Menschen Deutsch (2,35 Millionen).

Eine steigende Nachfrage nach Deutsch-Kursen im Inland hat auch der Volkshochschul-Verband festgestellt. Es gebe zwar keine statistische Erhebung, aber vor allem Polen und Griechen seien in den Kursen viel häufiger zu finden als früher, sagt der Sprecher des Verbands, Boris Zaffarana.

"Wenn sie die deutsche Sprache können und Techniker sind, finden sie schnell eine Stelle", ist Thomaidis' Erfahrung, der mit Unterbrechungen schon fast 40 Jahre in Deutschland lebt. In Städten wie Frankfurt kämen aber auch viele in den zahlreichen griechischen Geschäften und Restaurants unter.

Griechen ziehen von Banken Gelder ab

Die griechischen Banken, seit mehr als einem Jahr von erheblicher Kapitalflucht betroffen, sorgen sich indes immer mehr vor massenweisen Abhebungen von Spargeldern. Allein am Montag waren fast 900 Mio. Euro von den Banken des Landes behoben worden.

Dass signifikant Gelder privater Bankkunden auf Geldinstitute in Nachbarländer - etwa Bulgarien - transferiert würden, dafür hat die Bank Austria bei ihrer bulgarischen Tochter bisher zwar keine Anhaltspunkte. Aber "es gibt in Bulgarien bei der UniCredit Bulbank vermehrt Kundenanfragen aus Griechenland", sagte ein Sprecher der Bank Austria zur APA.

Voriges Jahr, als Griechenland schon einmal an der Kippe stand, hatten die Banken des Landes beklagt, dass viele Private Spargelder abziehen würden. Nach Stichproben gab es Berichte, wonach auf den großen Flughäfen vom Zoll Menschen mit Geldpackerln erwischt wurden. Die Gelder waren für Konten im Ausland bestimmt, damals hieß es aber, dass ein guter Teil der abgehobenen Spargelder auch in den Konsum floss.

Vermögende Griechen haben schon lang Gelder auf Konten im Ausland parken, darunter in der Schweiz. Doch nicht erst seit Griechenland und die Schweiz ein Steuerabkommen (wie zwischen Deutschland/Schweiz und Österreich/Schweiz) verhandeln, haben reiche Griechen mit Vermögen in der Schweiz begonnen, sich neue, sicherere Steueroasen zu suchen. Derzeit, so heißt es, nehmen griechische Privatanleger hohe Bargeldsummen mit nach Hause, auch Unternehmen reduzierten ihre Einlagen. Sie fürchten sich vor einer Währungsreform und davor, dass die durch die Umschuldung ohnedies schon geschwächten Banken im Fall eines Euro-Austritts zusammenbrechen würden.

Die Einlagen griechischer Privathaushalte bei den Banken des Landes sind nach Angaben der Notenbank von Athen seit Anfang 2010 von 195 Mrd. Euro auf 140 Mrd. Euro im März 2012 zurückgegangen. Griechische Banken haben auch Beteiligungen an Banken in anderen Teilen Südosteuropas, darunter in Rumänien. Hier wurden ebenfalls schon Sorgen laut, Kunden könnten Einlagen abziehen.


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