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    Zuletzt aktualisiert: 09.05.2012 um 21:58 UhrKommentare

    Eine soziale Zeitbombe

    Eine ganze Generation junger Menschen ohne Hoffnung wächst in Europa heran. Das Hauptproblem: die Rekordarbeitslosigkeit und der daraus folgende Mangel an Perspektiven.

    Foto © Reuters

    Gelernt hat er Schlosser, Elektriker war er auch. Heute arbeitet Bernhard Berger als Selbstständiger in der Fahrradbranche und macht privat viel Sport. Seine Dynamik, seine Freundlichkeit, die Lebenslust - man kann ihr im Gespräch nicht entkommen. Früher, sagt der 30-jährige Steirer, war das anders. "Ich war immer wieder arbeitslos, bin tief runtergesackt. Da war ich den ganzen Tag müde und schwach."

    Zu lange war die Perspektivenlosigkeit Bernhards Begleiter. Jene Perspektivenlosigkeit, die in Österreich viele der beinahe 80.000 jungen Leute zwischen 16 und 24 Jahren spüren, die gar nichts machen. Keine Lehre, keine Schule, keinen Job. 8,3 Prozent betrug die Jugendarbeitslosigkeit hierzulande, als sie vom Statistischen Amt der Europäischen Union zuletzt erhoben wurde. Eine zu hohe Zahl, mit der man europaweit aber gemeinsam mit Deutschland sogar an der positiven Spitze liegt.

    Am anderen Ende der Liste findet man Spanien und Griechenland - dort ist jeder zweite Jugendliche arbeitslos. Auch Italien vermeldet alarmierende Zahlen: Seit sieben Monaten liegt die Jugendarbeitslosigkeit über der Schwelle von 30 Prozent. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) wählt drastische Worte und spricht von einer "Zeitbombe mit einem großen zerstörerischen Potenzial, die zu sozialen Unruhen führen wird". Der Ökonom Christian Helmenstein versucht die Bombe zu erklären: "In vielen Ländern wurden satte Strafen für die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses eingeführt." Dadurch verlor der Arbeitsmarkt an Flexibilität und Unternehmer stellen nur noch sehr gezielt Leute ein. Vor allem Akademiker mit hohem Anspruch haben es oft sehr schwer. Von "Fuga de cerebros", der "Flucht der Gehirne", spricht man in Spanien. Und aus der "Generation Praktikum" wird eine Generation, die vielerorts praktisch ohne Chance am Arbeitsmarkt ist.

    Muttersöhnchen als Job

    Italien ist eine auf Arbeit gegründete demokratische Republik." So lautet Artikel 1 der italienischen Verfassung. Für viele Jugendliche klingt das wie Hohn. Derzeit sucht mehr als ein Drittel der jungen Italiener einen Job. Seit 2007 ist die Jugendarbeitslosigkeit um zehn Prozent gestiegen, im Mai lag sie erstmals bei knapp 36 Prozent. "Mammoni", also Muttersöhnchen, werden viele Jugendliche genannt, die auch mit knapp 30 noch zu Hause wohnen. Dabei haben sie mangels Job oft gar keine andere Wahl. Mehr als eine Million Jugendlicher hat gar ganz aufgehört, Arbeit zu suchen. Resigniert findet sich in Italien eine ganze Generation mit finsteren Zukunftsaussichten ab. An die Gründung einer eigenen Familie können diese Jugendlichen nicht denken. Sie sind auf die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen.

    Die "Empörten" auf der Straße

    Wie lange hält Spaniens junge Generation noch still?", fragte dieser Tage ein Kommentator im Radio. Etwa eine Million junge Spanier steht auf der Straße. Chancenlos, frustriert, ohne Zukunft. Noch nie ging es Spaniens junger Generation so schlecht wie heute. Nach der Lehre oder dem Studium einen Job zu finden, ist fast unmöglich. Genauso müssen wohl die meisten den Traum von der eigenen Wohnung, vom eigenen Leben außerhalb des Elternhauses für lange Zeit begraben. Selbst wer von den Jungen derzeit Arbeit findet, muss sich meist mit Mini-Bruttolöhnen von weniger als 1000 Euro abspeisen lassen. Immer mehr gehen auf die Barrikaden. "Wir wollen eure Krise nicht bezahlen", skandieren die jungen Demonstranten - die Bewegung der "Empörten" wurde geboren.

    Letzter Ausweg: Auf nach Deutschland

    Zukunft? Dionysis Tsimis muss lachen, als er das Wort hört. "In Griechenland gibt es keine Zukunft", sagt der 22-jährige Chemiestudent, "jedenfalls sehe ich keine." So denkt auch Michalis Dimitriou. "Zumindest die nächsten 15 Jahre wird es hier eher schlechter als besser werden, und so lange kann ich nicht warten", sagt der 25-Jährige. Die beiden absolvieren einen Intensivkurs in Deutsch. Sie wollen auswandern, nach Deutschland. "Weg hier - so schnell wie möglich", sagt Dionysis. Manche gehen auf die Straßen, machen ihrer Wut mit Molotowcocktails Luft, attackieren Bankfilialen mit Vorschlaghämmern und liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei. Sicherheitsexperten fürchten, dass sich aus dieser zunehmend gewaltbereiten Protestbewegung eine neue Terrorszene entwickelt.

    Gesellschaftlich nicht weniger brisant ist eine andere Entwicklung. Wie der Student Dionysis wollen immer mehr Griechen ihrem Land den Rücken kehren. Laut Umfragen sind vier von zehn jungen Griechen bereit, ihr Land auf Dauer zu verlassen. Während es in den 1960er-Jahren überwiegend ungelernte Arbeitskräfte waren, die es in die Fremde zog, sind es jetzt die besten Talente, die ihre Koffer packen.

    MARKUS ZOTTLER, NINA KOREN, JULIUS MÜLLER-MEININGEN, RALPH SCHULZE, GERD HÖHLER

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