Griechenland: Verhandlungen mit Banken auf Hochtouren
In Griechenland arbeitet die Regierung mit Hochdruck an einer Einigung mit den Banken. Der freiwillige Verzicht der Geldinstitute auf einen Teil der Forderungen ist eine Voraussetzung für weitere Hilfszahlungen.

Foto © APAGriechenlands Finanzminister Evengelos Venizelos arbeitet mit Nachdruck an einer Einigung mit den Banken
Griechenland bleibt nur noch wenig Zeit, um eine Staatspleite abzuwenden. Eine Einigung mit den Banken auf einen Schuldenschnitt scheint greifbar nahe. Die Verhandlungen über einen Schuldenschnitt und das neue Spar- und Stabilisierungsprogramm laufen in Athen auf Hochtouren. Private Gläubiger sollen auf einen Großteil ihrer Forderungen gegenüber Athen verzichten, um dem hoch verschuldeten Euroland wieder auf die Beine zu helfen. Bankenvertreter und Griechenlands Regierung sehen die Gespräche auf der Zielgeraden. Über Einzelheiten der Schuldenschnitt-Bedingungen und der neuen Sparmaßnahmen wolle Ministerpräsident Lucas Papademos sich noch an diesem Freitagabend oder spätestens Samstagnachmittag mit den Parteichefs beraten, die seine Regierung unterstützen, verlautete aus dem Büro des Regierungschefs.
Zusätzliche Einsparungen in Höhe von 4,4 Mrd. Euro stünden an, hieß es in Medienberichten. Nach letzten Informationen steht der Bericht der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) über die Sparfortschritte Athens und als Grundlage für einen weiteres Milliarden-Hilfsprogramm für Athen in den kommenden Tagen bevor. "Dramatische Verhandlungen mit der Troika", titelte die größte griechische Zeitung "Ta Nea" (Freitag-Ausgabe).
Defizit offenbar geringer als angenommen
Dabei sieht es erstmals für Athen nach einem Hoffnungsschimmer aus: Die Troika soll nach noch nicht offiziell bestätigten Informationen festgestellt haben, dass das Haushaltsdefizit 2011 doch nicht über 10 Prozent der Wirtschaftsleistung gelegen habe, wie zuvor von Athen angenommen. Es soll vielmehr zwischen 9,2 bis 9,4 Prozent gelegen haben. Athen soll zudem zusätzlich keine neuen Schulden im zweiten Halbjahr 2011 gemacht haben, es sei unerwartet ein kleiner sogenannter "primärer Überschuss" von 190 Mio. Euro entstanden, wie dpa aus Kreisen des Finanzministeriums erfuhr. Dies hatte sich Athen erst für 2012 als Ziel gesetzt.
Am Vorabend hatte EU-Währungskommissar Olli Rehn die griechischen Anstrengungen gelobt. Das Land habe schon viel unternommen und das Haushaltsdefizit gesenkt, sagte Rehn in Den Haag. Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos zeigte sich vor Journalisten am Donnerstagabend zuversichtlich: "Alles wird bis Sonntagabend fertig sein."
Die Griechen müssen sich auf weitere harte Einsparungen einstellen. Die Troika fordert Lohnkürzungen im privaten Sektor, Abschaffung des 13. und 14. Monatsgehalts und weitere Kürzungen von Renten sowie massive Entlassungen im staatlichen Sektor. Die Arbeitskosten sollen in Griechenland weiter gesenkt werden. Über das Ausmaß soll es aber noch kein Einvernehmen geben, wobei der IWF den griechischen Arbeitnehmern mehr Opfer abverlangen wolle als die EU-Kommission, sagten EU-Diplomaten dem "Handelsblatt" zufolge.









