Der Schatten der Pleite schwebt weiter über Athen
Die Griechen sahen sich schon vor einem "historischen Deal" - allerdings endete ein Verhandlungsmarathon ohne Ergebnis. Verhandlungsführer der Banken reiste aus Griechenland ab, es bleibt ein herber Rückschlag für Griechenland.

Foto © ReutersSinnbild der Krise: U-Bahn-Streiks in Athen - der Weg zurück an die Oberfläche ist noch weit
Die von Griechenland mit Hochdruck angestrebte Einigung über einen Schuldenschnitt ist noch immer nicht unter Dach und Fach. Die zweitägigen Verhandlungen mit dem Internationalen Bankenverband (IIF) wurden ohne Ergebnis vorerst beendet. Anders als zunächst geplant reiste der Geschäftsführer des Bankenverbandes mit seiner Delegation nach Paris ab. "Heute wird es keine weiteren Verhandlungen mit ihm geben", sagte ein Sprecher des griechischen Finanzministeriums. Ein anderer erklärte, die Gespräche könnten aber telefonisch fortgesetzt werden.
Nach einem mehrstündigen Verhandlungsmarathon mit dem griechischen Ministerpräsidenten Lucas Papademos hatte dies zunächst noch ganz anders geklungen. Ein Sprecher des Bankenverbandes jubelte zunächst über "Elemente eines noch nie dagewesenen freiwilligen Schuldenschnitts". Diverse am Freitag abgegebene Versprechen, man sei "sehr dicht davor, die Sache abzuschließen", erwiesen sich nun ebenfalls als verfrüht.
Streitfragen weiter offen
Tatsächlich sind die großen Streitfragen noch immer nicht ausgeräumt. So steht nicht fest, ob große Gläubiger Griechenlands, vor allem die Hedge-Fonds, bei dem geplanten Schuldenerlass für Athen überhaupt mitziehen. Klar ist lediglich, dass die privaten Gläubiger ihre bestehenden Anleihen in neue tauschen, auf Teile ihrer Forderungen verzichten und auch niedrigere Zinsen in Kauf nehmen sollen. Die konkrete Höhe der Zinsen für diese neuen Staatsanleihen ist allerdings seit vielen Wochen strittig und konnte auch in der Nacht zum Samstag nicht geklärt werden. Mehrere griechische Medien berichteten am Samstagvormittag, dass sich die Regierung mit dem Bankenverband zunächst auf einen Zinssatz von rund 4 Prozent verständigt habe. Dann aber hätten sich Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU indirekt in die Gespräche eingeschaltet und darauf bestanden, dass der Zinssatz auf weniger als 3 Prozent fallen solle. Anderenfalls bestehe vor allem nach Ansicht des IWF keine Chance, dass Griechenland wieder auf eigenen Beinen stehen könne.
Zeitplan gekippt
Der griechische Finanzminsiter Evangelos Venizelos wollte die angestrebte Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) nach eigenen Angaben ursprünglich am Montag seinen Kollegen der Euro-Gruppe präsentieren. Dieser Zeitplan dürfte nun kaum noch zu halten sein.
Die Euro-Staaten verlangen, dass die privaten Gläubiger auf insgesamt 100 Milliarden Euro verzichten. Andernfalls wollen sie das zweite, 130 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm für Griechenland nicht freigeben. In diesem Fall droht Athen spätestens im März ein ungeordneter Staatsbankrott.









