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    Zuletzt aktualisiert: 19.10.2011 um 20:41 UhrKommentare

    Athen wird zur Kriegszone

    Bei den bisher größten Protesten und Arbeitsniederlegungen in Griechenland seit Beginn des Sparprogramms sind bis zu eine halbe Million Menschen auf die Straßen gegangen. Dabei kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Protestierenden.

    Foto © Reuters

    Ein Generalstreik und Straßenschlachten im Athener Stadtzentrum haben am Mittwoch das hoch verschuldete Griechenland lahmgelegt. Nach stundenlangen Auseinandersetzungen mit schwarz vermummten Jugendlichen räumte die Polizei den Syntagma-Platz, an dem auch das Parlament seinen Sitz hat. Die Abgeordneten berieten zeitgleich über weitere drastische Einsparungen, die sie am Abend in erste Lesung billigten. Die Schlussabstimmung ist für Donnerstag geplant. Der Generalstreik, zu dem die beiden größten Gewerkschaften aufgerufen hatten, soll 48 Stunden dauern. Läden, Ämter, Ministerien und Schulen blieben geschlossen. In Frankfurt kamen Bundeskanzlerin Angela und der französische Präsident Nicolas Sarkozy mit EU, EZB und IWF zu einem Krisentreffen zusammen.

    Auf dem Syntagma-Platz hatte sich eine große Menschenmenge zum Protest versammelt. Die Polizei ging mit Tränengas gegen Randalierer vor, die Steine und Brandsätze warfen. Der Qualm brennender Autoreifen verstellte den Blick auf die Akropolis. Ein Bankgebäude, in dem durch einen Molotow-Cocktail ein Brand ausgebrochen war, wurde evakuiert.

    Nach der Räumung des Syntagma-Platzes gingen in Nebenstraßen die Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und dem "Schwarzen Block" weiter. Auch von mehreren Hauptstraßen wurden Krawalle gemeldet. Mindestens sieben Menschen wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht. Es gab zahlreiche Leichtverletzte, die über Atemnot klagten oder leichte Verbrennungen beziehungsweise Platzwunden erlitten hatten.

    Die Polizei, deren Beamte von den geplanten Einsparungen ebenso wie andere Beschäftigte der Privatwirtschaft und des öffentlichen Dienstes betroffen sind, hatte mehr als 5.000 Kräfte im Einsatz. Sie sollten schwere Ausschreitungen wie im Juni verhindern. Dennoch gelang es Demonstranten erstmals, bis zu den Stufen am Fuß des Parlamentsgebäudes vorzudringen. Ein Reuters-Reporter berichtete, das Tränengas sei auch im Parlamentsgebäude zu riechen gewesen.

    "Wir haben hier keine Zukunft"

    Die Stimmung unter den Zehntausenden Demonstranten war aufgeheizt. "Wir haben hier keine Zukunft. Alle jungen Leute wollen ins Ausland und sie haben Recht", sagte die 17-jährige Anastasia Kolokotsa. "Es gibt keine Jobs, hier gibt es nichts." Viele der jungen Demonstranten trugen Helme.

    Alle Appelle von Ministerpräsident Giorgos Papandreou an sein Volk sind bisher verpufft. Er wandte sich zuletzt am Dienstagabend eindringlich an die Griechen und verglich die Lage des Landes mit einem Krieg. "Wir müssen durchhalten in diesem Krieg als Volk, als Regierung, als parlamentarische Gruppe, für das Land, um ihn zu gewinnen", sagte der sozialistische Regierungschef. "Wir werden für das Land siegen, wir werden durchhalten." Es wird erwartet, dass Papandreous hauchdünne Mehrheit von vier Sitzen reicht, um das neue Gesetz auf den Weg zu bringen. Allerdings hatte erst am Montag ein Abgeordneter der regierenden Pasok-Partei sein Mandat zurückgegeben, weil er gegen die Pläne ist.

    Finanzminister Evangelos Venizelos sagte im Parlament, Griechenland befinde sich in einem lähmenden, aber nötigen Kampf. "Von jetzt bis Sonntag kämpfen wir die Schlacht der Schlachten." Beim EU-Gipfel am Sonntag in Brüssel soll eine Strategie für das weitere Vorgehen in der Schuldenkrise beschlossen werden. Griechenland muss im Gegenzug für Hilfen von EU und Internationalem Währungsfonds harte Spar- und Reformauflagen erfüllen. Ohne fremde Hilfe kann das Land seine Schulden nicht mehr bedienen. Ein Zahlungsausfall aber könnte die gesamte Euro-Zone in eine tiefe Krise stürzen. Das Land steckt das dritte Jahr in Folge in der Rezession. Die Staatsverschuldung beläuft sich auf 162 Prozent der Wirtschaftsleistung.

    In Frankfurt kamen am Abend die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Präsident Sarkozy, IWF-Chefin Christine Lagarde und EZB-Vertreter Jean-Claude Trichet zu einem Krisentreffen zusammen. Sarkozy hatte sich kurzfristig zu dem Flug in die deutsche Finanzmetropole entschieden. Das Treffen diente der Vorbereitung des EU-Gipfels.

    Quelle: APA

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