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Zuletzt aktualisiert: 14.09.2011 um 11:02 UhrKommentare

Österreich "zahlt" 40 Milliarden Euro

Eine Insolvenz Griechenlands würde die österreichische Wirtschaft im Ernstfall 40 Milliarden Euro kosten - so das Finanzministerium. Wirtschaftsexperten streiten nach wie vor über die Sinnhaftigkeit einer Insolvenz.

Foto © APA

Eine Pleite Griechenlands würde nach Schätzung des Finanzministeriums Österreich sofort 5 Mrd. Euro kosten, zitiert die "Presse" (Mittwochausgabe) einen Sprecher des Finanzministeriums. Darin enthalten sind die Kredite im Rahmen des Hilfspakets, die bisher 1,2 Mrd. Euro ausmachen und auf 2,3 Mrd. anschwellen sollen. Auf die Gesamtsumme von 40 Mrd. Euro komme man, wenn man indirekte Schäden durch Einbrüche bei Exportgeschäften, Kosten für Banken und dergleichen berücksichtige.

Experten haben die Folgen einer Pleite längst durchgespielt. War eine Pleite des Mittelmeerlandes noch Anfang vorigen Jahres undenkbar, so scheint eine Insolvenz nun immer wahrscheinlicher. Soll eine Insolvenz zugelassen werden?

PRO

Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, kritisiert, dass der kranke Mann von der Ägäis quasi künstlich am Leben erhalten wird. Das Land sei bereits seit dem rapiden Anstieg der Anleihe-Zinsen Ende April 2010 pleite. Die Rettungsmaßnahmen von EU und IWF geißelt der Ökonom als Teil einer staatlichen "Konkursverschleppung". Wegen seiner mangelnden Wettbewerbsfähigkeit sei das Euroland am Ende. Statt ständig Zeit für Übergangslösungen zu erkaufen, müsse ein klarer Schuldenschnitt und ein Austritt aus der Währungszone her.

Für den Banken-Experten Hans-Peter Burghof ist eine Hellas-Pleite kein Schreckensszenario: "Ich fürchte, wir haben bei Griechenland gar keine andere Wahl mehr. Es gibt keine Alternative", sagt der Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Frage sei nur noch, wann die Pleite komme und wie sie organisiert werde. Die Funktionsfähigkeit des Staates dürfe keinesfalls gefährdet werden, fordert der Hohenheimer Professor. Bei künftigen Verhandlungen mit den Gläubigern gelte es, die Schulden auf ein langfristig stabiles Niveau zu drücken: "Hier gilt es, mehr zu streichen als zu wenig".

Größere Ansteckungseffekte erwartet Burghof nicht. Professionelle Investoren könnten sich ein klares Bild machen und die Unterschiede zwischen den einzelnen Schuldenstaaten deutlich erkennen. Die psychologischen Folgewirkungen einer Griechenland-Pleite seien somit begrenzt: "Über gewisse Turbulenzen hinaus erwarte ich da keinen Effekt." Auch die Folgen, die sich durch die Verknüpfung der Zahlungsströme ergeben, seien beherrschbar: "Es kann sein, dass wir die eine oder andere Bank tatsächlich stützen müssen. Dabei schaue ich insbesondere nach Frankreich". Es sei allerdings um ein Vielfaches billiger, an einzelnen Stellen gezielt zu helfen, als das gesamte System auffangen zu müssen.

Der Bankenexperte Wolfgang Gerke stößt ins selbe Horn. "Ein Schuldenschnitt und die Rückkehr zur Drachme, um wettbewerbsfähig zu werden, sind notwendig. Die Insolvenz wäre ein sinnvoller Schritt", meint der Präsident des bayerischen Finanzzentrums in einem Zeitungsinterview. Die deutschen Banken seien anscheinend auf eine Insolvenz vorbereitet. "Bei den französischen Banken ist die Lage etwas schwieriger. Sie sind stärker in griechischen Anleihen engagiert".

CONTRA

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnt vor Planspielen, wie sie Sinn & Co. entwerfen: "Wenn wir zu einer unkontrollierten, ungeordneten Insolvenz eines beliebigen Eurozonen-Mitglieds kämen, wären die Bankbilanzen einem enormen, realen Stress ausgesetzt", sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber im Deutschlandfunk. Dann seien Nachschüsse zum Eigenkapital mit hohen Milliardenbeträgen notwendig. Es gehe schlicht ums Überleben der Institute.

Auch Oliver Flade, Fondsmanager Allianz Global Investors, warnt vor den Folgen einer Griechenland-Pleite. Die Vertrauenskrise unter den Banken würde dramatisch zunehmen. "Liquidität wäre auf einmal ein noch viel größeres Thema".

Commerzbank-Ökonom Christoph Weil geht ebenfalls davon aus, dass die Geldgeber Griechenlands die Insolvenz ihres Schuldners nicht zulassen werden: "Denn die damit verbundenen Risiken wären nicht zuletzt vor dem Hintergrund der angespannten Lage an den Finanzmärkten kaum beherrschbar", warnt der Ökonom. Auf lange Sicht hält es Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer allerdings für besser, wenn Griechenland die Euro-Zone verlassen würde: "Die Währungsunion wäre homogener und stabiler".


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