Die Flucht aus dem Urlaub
Viele Österreicher und Deutsche, die in Griechenland urlauben woll(t)en, fliegen heim oder stornieren vorher. Für die griechische Wirtschaft hat das böse Auswirkungen.

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Die Bilder gingen um die Welt: brennende Barrikaden, belagerte Hotels, stundenlange Straßenkämpfe jugendlicher Randalierer, Polizei, Tränengasschwaden im Athener Zentrum. Eine schlechtere Werbung für Griechenlandreisen kann man sich kaum vorstellen. Dabei setzten die rezessionsgeplagten Griechen gerade in diesem Jahr große Hoffnungen auf den Fremdenverkehr. Aber nach den Unruhen hagelt es bei den Hoteliers Stornierungen.
Am Tag nach den schweren Ausschreitungen glichen der Athener Syntagmaplatz und die umliegenden Straßen, in denen die Chaoten gewütet haben, einem Schlachtfeld: überall zertrümmerte Schaufenster verwüstete Straßencafés. Mit Vorschlaghämmern attackierten die Chaoten Geldautomaten und Bankfilialen. Die Straßen sind übersät mit Steinen, die den Randalierern als Wurfgeschosse dienten. Auf dem Höhepunkt der Ausschreitungen musste das Luxushotel "King George Palace" am Syntagmaplatz evakuiert werden - "zur Sicherheit unserer Gäste und unseres Personals", wie die Hotelleitung mitteilte. Als Randalierer mit Äxten und Eisenstangen die Eingangstür des Hotels aufzubrechen versuchten, wurden die Gäste in aller Eile durch einen Hinterausgang geschleust und in andere Hotels gebracht.
Während sich in Athen die Polizei für neue Ausschreitungen wappnete und das Parlamentsgebäude mit einem hohen Metallzaun absicherte, saß Rainer Wiebe mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in einem Café am Hafen von Piräus. Eigentlich wollte die vierköpfige Familie mit ihrem Auto seit Dienstag auf Kreta sein. Das Hotel bei Rethymnon war bereits gebucht und bezahlt. Doch dann kam der zweitägige Generalstreik, ihre Fähre fuhr nicht. Der Generalstreik ist zwar zu Ende, aber jetzt streiken die Besatzungen der Fährschiffe zwei weitere Tage.
Trendwende bleibt aus
Die Wiebes, die zwei Nächte in einem billigen, lauten Hotel am Hafen verbracht haben, sind es leid, zumal inzwischen auch aus der Stadt Chania auf Kreta Unruhen gemeldet wurden: "Nichts wie weg hier", sagt der Familienvater, "wir fahren jetzt nach Kroatien und suchen uns dort ein ruhiges Hotel." Der Tourismus ist eine wichtige Säule der griechischen Wirtschaft. Er trägt immerhin 16 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Jeder fünfte Arbeitsplatz hängt am Fremdenverkehr. Nachdem die Urlauberzahlen in den beiden vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen waren, hofften die Hoteliers 2011 auf eine Trendwende.
Das wäre ein wichtiger Wachstumsimpuls für die rezessionsgeplagte griechische Wirtschaft gewesen: "Zehn Prozent Plus im Tourismus bedeutet ein Prozentpunkt Wirtschaftswachstum", sagt Andreas Andreadis, Präsident der griechischen Hotelierkammer. Nicht zuletzt hofften die Griechen, von den Unruhen in Nordafrika zu profitieren.
Doch jetzt sind es die Ausschreitungen in Athen, die den Hoteliers und Tavernenwirten einen dicken Strich durch die Rechnung machen. "Seit dem Beginn der Unruhen haben wir keine einzige neue Buchung, sondern nur noch Stornierungen hereinbekommen", sagt der Reservierungsmanager eines großen Athener Hotels.











