Pleite, was dann?
Wer darf oder muss entscheiden, ob Griechenland pleite ist? Kann das Land auch andere mit in den Abgrund reißen? Ein Krisenherd, fünf heiße Fragen.

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Wie groß ist die Gefahr eines griechischen Staatsbankrotts aufgrund der aktuellen Lage im Land?
ANTWORT: Die Gefahr einer Pleite steigt. Denn mit jeder Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes durch die Ratingagenturen wird es für Griechenland teurer, sich frisches Geld auszuleihen. Zusätzlich hängt die Auszahlung der nächsten Zwölf-Milliarden-Euro-Tranche aus dem Hilfstopf von EU, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank davon ab, ob und wie viel Griechenland weiterhin spart. Genau an diesem Punkt bringen das aktuelle innenpolitische Chaos und der Aufstand der Hellenen, das Land immer näher an den Abgrund. Denn Ratingagenturen beurteilen die Bonität eines Landes nicht nur aufgrund dessen derzeitiger finanzieller Situation, sondern beziehen auch sehr stark Zukunftsausblicke und vor allem auch die politische Stabilität eines Landes mit ein. Geht das Chaos weiter, ist eine weitere Herabstufung wohl nur eine Frage der Zeit. Das Problem dabei: Es geht nur noch eine einzige Stufe tiefer. Griechische Anleihen haben seit dieser Woche schon völligen Ramschstatuts (im Fachjargon CCC) und eine weitere Herabstufung auf "D" hieße "Default" - Zahlungsausfall. Das wäre dann der tiefe Fall in den Abgrund und ein Staatsbankrott.
Wer ist die letzte Instanz, die darüber entscheidet, ob Griechenland bankrott ist oder nicht?
ANTWORT: Eine Institution, die einen Staat offiziell für Bankrott erklärt, gibt es ebenso wenig wie ein Insolvenzrecht für Staaten. Ein Land ist dann pleite, wenn es seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, weil es sich nirgends mehr Geld leihen kann. Interessant und gleichsam Furcht einflößend ist in diesem Zusammenhang der Markt für Kreditausfallsversicherungen - das Volumen für Griechenland liegt bei 8,5 Milliarden Euro. Hier entscheidet die Branchenvereinigung ISDA ob ein Versicherungsfall (Zahlungsausfall) eintritt.
Sollte ein griechischer Staatsbankrott eintreten, was wären dann die nächste Schritte und Folgen?
ANTWORT: Der Schuldner müsste mit den Gläubigern (griechische Anleihen liegen vor allem bei Banken und der Europäischen Zentralbank) eine Quote verhandeln, wie viel von den Schulden zurückbezahlt wird. Die Gläubiger müssten Abschreibungen vornehmen, was für manche Bank schmerzhaft ausfallen könnte. Im Land würden die Spannungen zunehmen, weil es fraglich ist, ob Griechenland seine Staatsdiener bezahlen kann. Ob Griechenland bei einer Pleite aus der Eurozone fällt, ist auch unter Experten strittig.
Gibt es überhaupt jemanden, der derzeit noch griechische Anleihen kauft?
ANTWORT: In den vergangenen Tagen mehrten sich die Berichte, wonach deutsche und französische Banken und Versicherungen, ja selbst griechische Banken ihre griechischen Staatsanleihen in großem Ausmaß abgestoßen haben. Obwohl sich etwa deutsche Banken im Vorjahr bereit erklärt hatten, ihre bestehenden Kreditlinien an Griechenland und griechische Banken bis 2012 aufrechtzuerhalten. Doch wer kauft in der aktuellen Situation noch griechische Anleihen? "Es gibt noch Spekulanten, die auch jetzt noch griechische Anleihen kaufen, trotz des Risikos, ganz einfach weil die Preise sehr attraktiv sind", analysiert Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria: "Wenn eine Bank jetzt griechische Anleihen kauft, dann muss sie immense Abschläge von 50,60 Prozent hinnehmen. Da kann es für diese Schrottpapier-Spezialisten auch noch bei einer Umschuldung ein Geschäft sein, diese Anleihen zu kaufen. Sofern die Quote stimmt". Ein Teil des zuletzt vermeldeten Anleihen-Abbaus sei aber auch auf "Anpassungen des Buch- wertes" zurückzuführen, die Banken jetzt vornehmen. Die EZB, die zuvor über die Notenbanken griechische Anleihen gekauft hat (siehe unten), trete derzeit nicht mehr als Käufer auf, so Bruckbauer.
Die Europäische Zentralbank hat massiv griechische Anleihen gekauft, geht sie bei einer Griechenpleite auch unter?
ANTWORT: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Mai 2010 damit begonnen, griechische Anleihen zu kaufen. Eine äußerst umstrittene Maßnahme, weil die EZB eigentlich keine Regierungen finanzieren darf. Der genaue Umfang wird nicht genannt, Experten gehen jedoch davon aus, dass die EZB griechische Anleihen im Ausmaß von bis zu 50 Milliarden Euro hält. Zudem sollen über sogenannte "Tendergeschäfte" weitere Staatsanleihen im Gesamtausmaß von 60 bis 90 Milliarden Euro von griechischen Geschäftsbanken als Sicherheit bei der EZB und den europäischen Notenbanken für aufgenommene Kredite hinterlegt sein. Sollte Griechenland seine Zinszahlungen und Tilgungen einstellen müssen und die Rating-Agenturen das Land auf "D" (default), sprich "Zahlungsausfall", herab stufen, müsste die EZB diesen Bestand zumindest zum Teil abschreiben. In die Pleite kann die EZB nicht rutschen, weil sie nur die Spitze des Notenbanksystems in der Euro-Zone ist. Eigentümer sind Nationalbanken der Euro-Zone, also auch jene aus Österreich. Sie profitieren von Gewinnen der EZB, tragen aber auch die Verluste - und die wären immens.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trifft am Freitag in Berlin den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Im Mittelpunkt der Gespräche dürfte die Krise in Griechenland stehen. Bei den Verhandlungen über ein zweites Hilfspaket streiten die EU-Länder derzeit über eine Beteiligung privater Gläubiger, wie sie etwa von Deutschland gefordert wird. Frankreich gehen die Forderungen aus Berlin zu weit. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) befürchtet eine Kettenreaktion in der Finanzbranche, wenn sich private Gläubiger zu Zugeständnissen gezwungen sehen könnten.










