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Zuletzt aktualisiert: 11.02.2008 um 12:47 Uhr

Steirische Realschule: Wirtschaft ist auch nach 17 Jahren skeptisch

Absolventen des sechsjährigen Schultyps bekommen den Abschluss äußerst selten aufs erste Lehrjahr angerechnet.

In der Steiermark soll im Herbst an 29 Schulen der Modellversuch zur "Neuen Mittelschule" starten. Parallel dazu werden in diesem Bundesland - und damit österreichweit einzigartig - seit 17 Jahren an 19 Standorten sogenannte sechsjährige Realschulen bis zur 10. Schulstufe geführt. Mit "gediegene Vorbereitung auf die Arbeitswelt", "sehr gute Kontakte zu den Wirtschaftsbetrieben" wird u.a. geworben. Die Evaluierung zeigt allerdings nach wie vor ein hohes Maß an Skepsis vonseiten der Unternehmen.

"Bessere Chancen". Befragt wurden in der Studie rund 2.250 Schüler, 896 Eltern, sämtliche Lehrer und 68 steirische Unternehmen. Die Schüler versprechen sich von der Schulwahl in erster Linie "bessere berufliche Chancen", 93 Prozent der Abgänger würden sich auch wieder für diesen Schultyp entscheiden - allerdings nicht immer, weil sich durch den Schulbesuch tatsächlich bessere berufliche Chancen eröffnet hätten: Immerhin 25 Prozent der Absolventen gaben nämlich an, die Unternehmen hätten bei Vorlage des Schulabschlusses "eher distanziert" reagiert, drei Prozent meinten, dass ihr Abschluss in keiner Weise im Beruf angerechnet worden ist.

"Länger Zeit haben". In erster Linie sehen rund ein Viertel der befragten Absolventen im Besuch der Realschule den Vorteil, "länger Zeit zu haben zu überlegen", "eine Lehrstelle zu finden" bzw. "weiter persönlich zu reifen". Zwölf Prozent führten aber auch an, dass sie ihrer Meinung nach "viel Zeit vertan" hätten, weil sie erst später in den Lehrberuf gewechselt hatten.

Lehrberufe. Insgesamt haben drei Viertel der Absolventen eine Lehre aufgenommen, 21 Prozent sind in eine weiterführende Schule (überwiegend BORG oder Krankenpflegerschule) gegangen: "Gerade in Hinblick auf den vielfach von der Wirtschaft beklagten Lehrlingsmangel wäre dies ein sicheres Indiz dafür, die Realschule als sogenannten Zulieferer für die Lehrberufe zu akzeptieren und mit den Schulen verstärkt zu kooperieren", hält die Studie fest, die am Montag von Realschulsprecher Franz Hartinger und Christine Thaller präsentiert wurde.

Anrechnung. Eine zentrale Forderung der Realschulvertreter ist seit jeher die nach der Anrechnung des Schulabschlusses als erstes Lehrjahr, was bisher vom Gutdünken der Unternehmen abhängt. So kamen nur rund fünf Prozent der befragten Absolventen tatsächlich in den Genuss einer solchen Anrechnung. Die 68 befragten Firmen beurteilten die "Qualität" der Absolventen zwar zu 56 Prozent mit "Sehr gut" und zu 39 Prozent mit "Gut". Als Lehrjahr-Ersatz wollen sie die Schule jedoch nicht sehen: 53 Prozent beklagten "mangelnde Fachkenntnisse" bei den Absolventen. Das Konzept zur steirischen Realschule wurde übrigens vom damaligen Präsidenten der Landesschulrates für Steiermark, Bernd Schilcher, entwickelt, der sich mittlerweile der "Neuen Mittelschule" zugewandt hat.


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