Fehlerhaft, aber voll akzeptiert
Belgien und Frankreich diskutieren nicht mehr über das System, sondern nur über neue Formen und Inhalte.

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Dass eine Vorentscheidung über den beruflichen Werdegang eines Kindes bereits mit zehn Jahren erfolgt, findet Luc Goeseels, der Direktor der katholischen Brüsseler Privatschule Jean XXIII., pädagogisch wie auch gesellschaftspolitisch unverantwortlich. "Bei Zehnjährigen entscheiden die Eltern über deren Schicksal, bei Vierzehnjährigen hängt es von den Fähigkeiten des Kindes ab", verteidigt Goeseels das System der belgischen Gesamtschule.
"Secondaire".
In Belgien dauert die Volksschule sechs Jahre, dann erfolgt der Übertritt in die "Secondaire", wobei die Schüler in den beiden ersten Jahren eine Orientierungsstufe absolvieren.
Matura für Handwerker.
Erst ab der 9. Schulstufe wird differenziert, das breite Angebot erstreckt sich vom geisteswissenschaftlichen Zweig bis hin zu technischen Fächern für Handwerker. In Belgien beendet auch der Tischler oder der Installateur die Ausbildung mit einer Art Matura, die Schulpflicht reicht bis zum 18. Lebensjahr.
"Abfallschule".
Finde die Auslese wie in Österreich bereits nach der vierten Schulstufe mit zehn Jahren statt, laufe jene Schule, die die Schwächeren aufnimmt, also die Hauptschule, Gefahr, zur "Ecole poubelle", zur "Abfallschule", degradiert zu werden, so Goeseels undiplomatisch. "Gesellschaftlich geraten diese Kinder aufs Abstellgleis", legt der Pädagoge nach.
Kritik.
Goeseels spart nicht mit Kritik am belgischen Schulsystem. Der bald 50-jährige Brüsseler nimmt vor allem die kopflastigen, anachronistischen Lehrpläne aufs Korn, die "mehr auf Albert Camus als auf den Computer" abgestimmt sind und den Bedürfnissen der modernen Jugend nicht gerecht werden. Gesamt- wie auch Ganztagsschule stehen in Belgien aber politisch außer Streit.
Features
Pisa und die Folgen
Den ersten Anstoß für die Schuldebatte gaben die Pisa-Ergebnisse. 2003 landete Österreich nur auf Platz 17. Die neuen Ergebnisse werden Ende 2007 bekannt.
Untersucht werden die Sprachkompetenz, die mathematische Kompetenz und die naturwissenschaftliche Kompetenz.
Fakten
Das Pisa-Patentrezept gibt es nicht, aber dezentrales System, Gesamtschule, individuelle Förderung, Eigenverantwortung und Ganztagsschule gelten als Schlüssel zum Erfolg.





