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Zuletzt aktualisiert: 31.05.2007 um 17:19 Uhr

Konkurrenz gefährdet das Prinzip

In England gibt es die Gesamtschule. Und es gibt sie doch nicht, weil es private Eliten-Schmieden gibt.

Foto © Reuters

Ja, genau so stellt man sich eine englische Schule vor: Weitläufig von einem Park mit sattem Grün eingehüllt, Backsteingebäude und Neubauten, umgeben von einem meterhohen Zaun und dahinter Millionenvillen im Nobelbezirk - kurzum eine Oase der Ruhe im hektischen Herzen der Hauptstadt London: Das ist die "Holland Park School" im Stadtteil Kensington und Notting Hill, auf einem sanften Hügel gelegen.

"Socialist Eton". Doch die bürgerliche Lage passt einerseits nicht zum Selbstverständnis der Schule, andererseits auch nicht zu ihrem Ruf: "Socialist Eton", das "sozialistische Eton", wird diese öffentliche Gesamtschule im Vergleich zur elitären und konservativen Bildungseinrichtung in der Grafschaft Berkshire genannt. Denn in die "Holland Park School" schicken auch Tony Blairs Parteifreunde seit geraumer Zeit ihren Nachwuchs - stolz präsentiert man auf der Homepage die prestigeträchtigen Absolventen. "An unserer Schule zu sein bedeutet, die besten Lehrer für die besten Schüler", sagt Charles Claxton, Mitglied der Schulleitung, mit gesundem Selbstvertrauen. Und weiter: Die Schule bemühe sich, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich jeder wohl und sicher fühle, besonders individuell wolle man auf jeden Schüler eingehen und seine Talente fördern.

Multikulti-Schule. Selbstredend: Es gibt die aktuellsten und besten Unterrichtsmaterialien und Computer für alle, helle und freundliche Schulräume, nahezu variable Zeitgestaltung, bei Bedarf Frühstück und jedenfalls Lunch - und eine fürsorgliche Dauerobservation: nicht nur durch Videokameras an Eingangspforte und Außenmauer. Im vergangenen Sommer provozierte die Schulleitung Protest mit ihrer Idee, die An- und Abwesenheit jedes der 1500 Schüler mit elektronischen Fingerabdrücken auf Türtastern zu ermitteln. Das wachsame Auge ruht auch pädagogisch auf dem Unterricht. Claxton: "Jeder Fortschritt wird regelmäßig gemessen und bewertet." Im Übrigen auch die Vermittlungsleistung der Lehrer - und das auch durch die Schüler.

Zusatzunterricht. So genannte "Lead Teachers" begleiten wiederum Jungkollegen am Beginn ihrer Berufslaufbahn, für alle Pädagogen stehen externe Experten zur Verfügung. "Wir haben ein sehr weites soziales Spektrum, aus dem unsere Schüler kommen", unterstreicht man den Gesamtschulcharakter: Wer, was selten ist, nicht gut genug Englisch spricht, bekommt Zusatzunterricht - die Eltern werden über den Lernfortschritt ihrer Kinder informiert und nehmen am Schulleben aktiv teil.

MARTIN LINK, LONDON

Sprachunterreicht

Britische Schüler sollen nach dem Willen der Regierung nicht mehr so viel Französisch oder Deutsch lernen müssen: Vielmehr sollten an den Schulen "wirtschaftlich nützliche Sprachen" wie Mandarin (Hochchinesisch) oder Urdu/Hindi (die am fünfthäufigst gesprochene Sprache der Welt) gelehrt werden.

Schulversuch

Für 2000 Schüler gibt es den Schulversuch "Glücklich sein": In einem Pilotversuch sollen Elfjährige dabei mit der aus den USA importierten Technik gegen die negativen Einflüsse des modernen Lebens gestählt werden. In Rollenspielen gehe es darum, Selbstvertrauen zu stärken.

"Britisch sein"

Und noch eine Aufgabe sehen Wissenschafter für die Schule: "Britisch sein", vulgo Staats-bürgerkunde, soll als Pflichtfach den Sinn für Nationalität fördern. Das betreffe Schüler mit rein britischem Hinter- grund ebenso wie solche mit Wurzeln im Ausland.

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