Studie: Jeder fünfte Schüler kennt sich im Unterricht nicht aus
15 Prozent der Schüler fühlen sich unfair behandelt - Schulangst nach der Volksschule steigt, Noten werden deutlich schlechter.

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15 Prozent der Schüler fühlen sich von ihren
Lehrern nicht fair behandelt, 20 bis 25 Prozent kennen sich im
Unterricht oft nicht aus. Nach dem Übergang von der Volksschule in
die Sekundarstufe verschlechtern sich die Noten bei steigendem
Schulstress deutlich. Das sind wesentliche Ergebnisse der am
Mittwochabend in Salzburg vorgestellten Studie "Das Befinden von
Kindern und Jugendlichen in der österreichischen Schule" mit dem
Untertitel: "Ein Paradies mit kleinen Mängeln?"
Erschreckende Bilanz.
So klein sind die Mängel offenbar nicht: In der Volksschule ist
die Welt der Schüler noch in Ordnung, ab der 5. Schulstufe "macht
aber der überwiegende Teil die Erfahrung: Ich arbeite mehr für die
Schule, kriege aber schlechtere Noten", fasste der Autor der im Mai
2005 durchgeführten Studie, der Salzburger Erziehungswissenschafter
Ferdinand Eder, zusammen. Befragt wurden österreichweit mehr als
7.600 Schüler aus 339 Klassen von der vierten bis zur zwölften
Schulstufe. Die ernüchternde Bilanz: Die Schulangst steigt, der
Anteil von 28 Prozent Spitzenschülern in der Grundstufe schrumpft in
der Sekundarstufe auf magere vier Prozent.
Förderung.
Im Vergleich zu einer ersten Untersuchung im Jahr 1994 habe sich
nichts Weltbewegendes getan, milde Verbesserungen gebe es aber,
resümierte Eder. Gewinner des Jahrzehntes seien die Mädchen, es habe
ein Positionswechsel stattgefunden. 41 Prozent der Mädchen sind mit
ihrer Schule sehr zufrieden, bei den Buben sind es 35 Prozent. "Beide
Geschlechter sagen, dass die Mädchen im Unterricht bevorzugt werden,
1994 waren es eher noch die Burschen." Einerseits habe es viele
Programme zur Förderung der Mädchen gegeben, andererseits stelle sich
die Frage: "Wer sind die verlässlicheren Partner für die Lehrer? Aber
das wissen wir nicht genau", so Eder.
Ganztagsschule.
Wie sich die Schüler in der Sekundarstufe wohler fühlen und
bessere Leistungen erbringen können, dafür legte der 59-jährige
Universitätsprofessor für Pädagogik einige Lösungsvorschläge auf den
Tisch. Das ab der 5. Schulstufe selektionsorientierte Arbeiten müsse
mehr in Richtung förderorientiertes Lernen zurückgenommen werden.
Sowohl in der Gesamt- wie auch in der Ganztagsschule könne man die
Schüler möglicherweise besser fördern, da die Differenzierung viel
flexibler gestaltet werde. "Die Kinder erhalten von 9.00 bis 17.00
Uhr ein rhythmisiertes Lernprogramm."
Mängel.
Die aufgezeigten Mängel seien mit systeminternen Maßnahmen nicht
mehr zu sanieren. "Unser Schulsystem birgt eine starke personale
Abhängigkeit zwischen Lehrer und Schülern." Der Autor der Studie, die
seit Oktober 2006 dem Bildungsministerium vorliegt, schlug externe
Überprüfungen vor, um entscheidende Leistungsbeurteilungen aus der
Schule herauszunehmen. "Zum Beispiel bekommen alle Parallelklassen
einer Schule die gleiche Englischschularbeit, und die Schulen
innerhalb einer Region geben die gleichen Abschlussarbeiten." Eder
hält auch eine Zentralmatura wie in Frankreich und in Bayern für
sinnvoll. Die Benotung hänge dann nicht mehr vom
Lehrer-Schülerverhältnis ab.







