Reaktionen aus den politischen Lagern
Unterschiedlichste Reaktionen aus den politischen Lagern. Grüne begrüßen das Projekt und wünschen sich noch mehr. Strache (FPÖ) ist entschieden dagegen. Westenthaler (BZÖ) betont die Wichtigkeit der Wahlmöglichkeit. ÖVP will Wahlfreiheit und verlangt von SPÖ Definition.
Der Bildungssprecher der Grünen, Dieter Brosz, hat das Vorhaben von Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ), in Kärnten ab Herbst 2008 eine Modellregion für die Gesamtschule zu errichten, begrüßt. Es sei ein "wichtiger Schritt, um die soziale Ungleichheit im österreichischen Schulsystem endlich wirksam zu bekämpfen", meinte er am Montag in einer Aussendung. Der konkrete Vorschlag sei aber "noch viel zu schwammig". BZÖ-Chef Peter Westenthaler meinte, trotz des Schulversuches bleibe die Wahlmöglichkeit bestehen.
Finanzielle Unterstützung. Die gemeinsame Schule könne in Modellregionen nur dann sinnvoll umgesetzt werden, wenn sichergestellt sei, dass alle Schüler dieser Region die gemeinsame Schule besuchen, so Brosz. "Zu kleine Regionen würden dazu führen, dass wieder nur ein Teil der Schüler das Angebot nutzt und für andere Ersatzmöglichkeiten gesucht werden," meinte der Grüne Bildungssprecher. Ein zusätzlicher Schultyp, der parallel zu den Gymnasien und Hauptschulen eingeführt wird, widerspreche der Idee einer gemeinsamen Schule. Zudem ortet Brosz bei der Finanzierung Schwächen: "Eine Modellregion muss ausreichende finanzielle Unterstützung erhalten." Davon sei aber keine Rede. Auch das Budget 2008 sehe keine zusätzlichen Mittel vor: "Einfach ein neues Türschild aufzuhängen, macht noch keine gemeinsame Schule."
"Wahl- und Alternativmöglichkeit". BZÖ-Chef Westenthaler hat nichts gegen das Projekt einzuwenden. Angesprochen darauf, dass er noch vergangenen November mit der Begründung, man wolle keine "Nivellierung von Leistungen", gegen Gesamtschulen zu Felde gezogen war, betonte Westenthaler nun, er sei immer gegen ein "ausschließliches Gesamtprojekt" gewesen. Mit den Schulversuchen bliebe die Wahlmöglichkeit schließlich erhalten, so Westenthaler auf einer Pressekonferenz am Montag. Er sei sich sicher, dass der Leistungsgedanke unter Haider in Kärnten weiterhin hochgehalten werde. Es gehe in dieser Debatte um die "Wahl- und Alternativmöglichkeit".
Strache "entschieden dagegen".
Entschieden gegen die Einführung der Gesamtschule spricht sich FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache aus. Mit dem Pilotprojekt in Kärnten zeige Landeshauptmann Haider, "dass er mit freiheitlichen Grundsätzen wirklich nicht mehr das Geringste am Hut habe", so Strache in einer Aussendung. Bei einer Gesamtschule drohe "eine Nivellierung nach unten", die Qualität des Unterrichts könne auf diese Weise nicht mehr gewährleistet werden.
Wählertäuschung. Der Kärntner FPÖ-Nationalratsabgeordnete Karlheinz Klement wiederum erklärte, dass "Haider einmal mehr beweist, dass er längst kein Freiheitlicher mehr ist und diesen Namen nur mehr verwendet, um in Kärnten Wählertäuschung zu betreiben". Die Kärntner würden sich "sehr genau merken, dass Haider das Bundesland jetzt zur Spielwiese linker Schulexperimente" mache.
Gutes Signal. Die Wiener Bildungslandesrätin und Vizebürgermeisterin hielt es bei einer Pressekonferenz in Wien dagegen für ein "gutes Signal, dass einer der größten Reaktionäre des Landes sich der modernen Pädagogik öffnet". Stadtschulrats-Präsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) hielt "jeden Schritt in Richtung gemeinsamer Schule für positiv". Gleichzeitig gab sie zu bedenken, dass in Wien auf Grund der wesentlich höheren Anzahl an Schülern andere Bedingungen als in Kärnten herrschten.





