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Zuletzt aktualisiert: 15.06.2012 um 10:27 UhrKommentare

"Première Dame" macht es Hollande mit ihrer Eifersucht schwer

Seit einer Woche liefern sich die Lebensgefährtin und die Ex-Frau des französischen Präsidenten eine filmreife Auseinandersetzung um den Abgeordnetensitz der Hafenstadt La Rochelle - Ausgang ungewiss.

Segolene Royal (li.) und Valerie Trierweiler

Foto © APSegolene Royal (li.) und Valerie Trierweiler

Alle Blicke sind zum Ausklang des französischen Parlamentswahlkampfs auf einen Wahlkreis gerichtet. Und auf zwei Frauen: die Lebensgefährtin von Präsident François Hollande und auf dessen Ex-Partnerin. Die beiden Damen liefern sich seit dieser Woche eine filmreife Auseinandersetzung um den Abgeordnetensitz der Hafenstadt La Rochelle. Die eine will das Mandat gewinnen, die andere will dies verhindern. Für Hollande und seine Sozialisten, die bei der zweiten Wahlrunde am Sonntag mit einer linken Mehrheit rechnen können, ist das Psychodrama mehr als peinlich.

Bis kurz nach der ersten Wahlrunde am vergangenen Sonntag lief für die Sozialistische Partei (PS) alles nach Plan. Nach dem Sieg bei der Präsidentschaftswahl im Mai konnte das linke Lager mit zusammen 46,77 Prozent auch den ersten Durchgang der Wahlen zur Nationalversammlung klar für sich entscheiden. Die bürgerlich-konservative UMP ("Union für eine Volksbewegung") von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy und ihre Verbündeten rutschten auf 34 Prozent ab.

Folgenschwere Twitter-Botschaft

Dann kam Valérie Trierweiler, die aufmüpfige neue First Lady Frankreichs, die am Dienstag eine folgenschwere Twitter-Botschaft verschickte. Selbst in der sozialistische Parteizentrale und im Élysée-Palast wurde den ersten Berichten dazu nicht geglaubt, bis Trierweiler es selbst mit einem knappen "Ja" bestätigte. Sie hatte sich nicht nur direkt in den Wahlkampf eingemischt, sondern noch dazu klar Stellung gegen die Kandidatur von Ségolène Royal, der Ex-Lebensgefährtin des Präsidenten und Mutter seiner vier Kinder, bezogen - der Linie von Hollande und seiner Partei zum Trotz.

Die attackierte Royal, Präsidentin der Atlantikregion Poitou-Charentes, ist eine Galionsfigur der französischen Sozialisten. Sie verlor zwar 2007 als Präsidentschaftskandidatin gegen Sarkozy, doch nun soll sie Präsidentin der Nationalversammlung werden. Weil der von Trierweiler unterstützte Gegenkandidat in La Rochelle, ein sozialistischer Dissident und alter Freund Hollandes, seine Kandidatur nicht zurückziehen will, könnte Royal nun scheitern.

"Trierweiler-Gate"

Das eigenmächtige Handeln der Politikjournalistin Trierweiler beherrscht seither die Schlagzeilen in Frankreich, von Eifersucht und "Trierweiler-Gate" ist die Rede. Die konservative UMP kann zwar nicht damit rechnen, dass sich die Stimmung im Lande wegen der Affäre dreht. Doch nutzten UMP-Größen den Vorfall, um die von Hollande versprochene "Normalität" seiner Präsidentschaft zu attackieren. Ex-Premier und Ex-Außenminister Alain Juppé spottete: "Die angebliche Vorbildhaftigkeit ist mit Karacho explodiert."

Der UMP kommt die Aufregung um die "Première Dame" und deren Rolle auch deshalb höchst gelegen, weil zuvor das Verhältnis der Konservativen zur rechtsextremen Partei Front National (FN) im Mittelpunkt des Interesses stand. Die Rechtsextremen sind in 59 Wahlkreisen in der Stichwahl. Wahlabsprachen lehnt die UMP-Führung zwar ab, die weder FN noch PS in der Stichwahl unterstützen will. Auf lokaler Ebene aber geht es bei den Konservativen munter durcheinander, ein UMP-Bewerber zog sich sogar zugunsten einer FN-Kandidatin in Südfrankreich zurück.

Trotz des Wirbels um die First Lady können die Sozialisten aber weiter mit einer klaren Mehrheit für ihre Reformpläne im Parlament rechnen. Nach einer Projektion des IFOP-Instituts vom Donnerstag kommen die Sozialisten mit verbündeten Einzelkandidaten am Sonntag allein auf 297 bis 332 Mandate - ohne die Grünen oder gar die Linksfront, zu der die Kommunisten zählen. Die absolute Mehrheit liegt bei 289 der 577 Sitze in der Nationalversammlung.


Hintergrund

Trierweiler war am Dienstag überraschend Hollandes Parteifreundin und Ex-Frau Royal in den Rücken gefallen, indem sie deren Gegenkandidaten bei den Wahlen über eine Twitter-Nachricht unterstützt hatte.

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