Mit Sarkozy geht ein unkonventioneller Präsident
Nicolas Sarkozy, der nach seiner Niederlage bereits seinen Rückzug aus der Politik angekündigt hat, kann auf eine ungewöhnliche Karriere zurückblicken. Bereits mit 28 Jahren war er Bürgermeister, mit 38 Minister.

Foto © ReutersNicolas Sarkozy mit seiner Ehfrau Carla Bruni
Ebenso unabwindbar wie sein Aufstieg im Jahr 2007 erschien auch der Niedergang des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy (UMP) fünf Jahre später. Dabei schlachtete der konservative Politiker in beiden Wahlkampagnen dieselben Argumente aus, nämlich Sicherheit, Immigration und Wirtschaftspolitik. Geschwächt durch monatelange schlechte Umfrageergebnisse, versuchte der 57-Jährige zuletzt durch einen extremen Rechtsruck die angekündigte Niederlage zu verhindern.
Aber auch das nützte nichts, zumal die Chefin der rechtsextremen "Front National" (FN), Marine Le Pen, die im ersten Wahldurchgang knapp 18 Prozent der Stimmen erhalten hatte, ihren Wählern klar zu verstehen gab, dass Sarkozy und sein sozialistischer Widersacher Francois Hollande (PS) in ihren Augen zwei Erscheinungen desselben Systems seien. Daher rief sie ihre Sympathisanten dazu auf, weiß als ungültig zu wählen. In der Tat will Le Pen die Niederlage Sarkozys dazu verwenden, ihre Front National (FN) anlässlich der Parlamentswahlen vom kommenden Juni zu einer führenden rechten Oppositionspartei zu machen.
Erleichtert werden dürfte ihr dieses Unterfangen durch die Ankündigung Sarkozys, dass er sich im Falle einer Wahlniederlage am 6. Mai aus der aktiven Politik zurückziehen werde. Sollte er das tatsächlich machen, so würde er eine führungslose Präsidentenpartei "Union für eine Volksbewegung" (UMP) verlassen, innerhalb deren Reihen wohl ein Nachfolgestreit zu erwarten ist. Denn Sarkozy hatte diese Partei selber als Wahlkampfmaschine aufgebaut, die ihn nach und nach von den Ministerposten unter Präsident Jacques Chirac (UMP) Anfang der Jahre 2000 in den Elysee-Palast führen sollte. Ohne Sarkozy scheint die UMP zum gegebenen Zeitpunkt kaum überlebensfähig zu sein, weil sie zahlreiche politische Strömungen wie Gaullisten, Wirtschaftsliberale, Republikaner und Christdemokraten unter einem Dach vereint.
"Ich werde etwas Anderes machen, aber ich weiß nicht was." Mit diesem Satz, der von zahlreichen politischen Beobachtern als Bluff eingestuft wurde, überraschte Sarkozy die Medien. Der 57-Jährige hatte allgemein eine unkonventionelle Karriere. Er besuchte nicht die Kaderschmiede ENA wie etwa Hollande und fast alle französischen Spitzenpolitiker, sondern begann seine berufliche Karriere als Anwalt. Schon mit 28 Jahren wurde er Bürgermeister des Pariser Nobelvororts Neuilly-sur-Seine. Mit 34 Jahren wurde er Abgeordneter. Unter Premier Edouard Balladur (UMP) wurde er mit 38 Jahren Budgetminister und anschließend dessen Wahlkampfsprecher in der Kampagne von 1995. Als Balladur allerdings Präsident Chirac unterlag, machte Sarkozy eine lange Trockenperiode durch, die erst 2002 abgebrochen wurde, als ihn Chirac nach seinem zweiten Wahlsieg als Innen- und anschließend Wirtschaftsminister in sein Kabinett holte.
Im Jahr 2007 setzte sich der damals 52-Jährige Sarkozy brillant gegen die sozialistische Kandidatin Segolene Royal (PS) durch, die damals noch Hollandes Lebensgefährtin war. Chirac sagte über seinen Minister, dass er "an nichts zweifelt, vor allem nicht an sich selbst". In der Tat nimmt er in den Reihen der französischer Politiker eine Sonderrolle als Self-Made-Man ein. Er stammt nicht aus der französischen Bourgeoisie, sondern ist Sohn eines ungarischen Immigranten, der von seinem Großvater, einem Griechen aus Thessaloniki, aufgezogen wurde. "Ich habe gemischtes Blut, ich komme anderswo her", sagte Sarkozy über sich selbst, was ihn allerdings nicht daran hinderte, wie kein Präsident in Frankreich zuvor mit der extremen Rechten zu flirten.
"Wir haben zu viele Ausländer in Frankreich", proklamierte Sarkozy im zwischen erstem und dem zweitem Durchgang, als er bereits hinter Hollande zurücklag. Dieses "Nachlaufen hinter den Ideen der Front National" veranlasste den Zentrumspolitiker Francois Bayrou vom "Mouvement Democrate" (MoDem), der im ersten Durchgang 9,13 Prozent der Stimme erhalten hatte, dazur sich endgültigen von Sarkozy abzuwenden. Der ehemalige Erziehungsminister gab zwar keine Wahlempfehlung ab, sagte allerdings, dass er persönlich für Hollande stimmen werde. Laut Medienberichten hat Hollande dem 60-Jährigen im Gegenzug das Amt des Premierministers versprochen.
Sarkozys Mandat war von Anfang an nicht unumstritten. Vor fünf Jahren wurden dem neu gewählten Präsidenten seine Beziehungen mit den Reichen im Lande vorgehalten. Am Abend des Wahlsieges versammelte er seine Sympathisanten im Nobelrestaurant "Fouquet's" auf den Champs-Elysees, bevor er sich nach Malta auf die Jacht des Milliardärsfreunds Vincent Bollore begab. Sarkozy war auch der erste Präsident der Fünften Republik, der sich während seines Mandats scheiden ließ. Nach der Scheidung von seiner zweiten Frau Cecilia heiratete er das italienische Ex-Model Carla Bruni. Gemeinsam mit seiner dritten Frau hat er nun ein kleines Kind, Giulia, seine erste Tochter nach drei Söhnen.
Die größte Niederlage erlitt Sarkozy aber gewiss auf der Ebene der Wirtschaftspolitik. Aufgrund der Wirtschaftskrisen konnte er viele seiner ehrgeizigen Wahlkampfversprechen nicht umsetzen: Sarkozy hatte versprochen, die Arbeitslosigkeit auf fünf Prozent der erwerbswilligen Bevölkerung zu drosseln, gegenwärtig beträgt sie allerdings mehr als zehn Prozent. Sein Slogan lautete: "Mehr arbeiten, um mehr zu verdienen." Sarkozys Mandat endete hingegen mit einer dezidierten Abnahme der Kaufkraft der Franzosen.
Die Hyperaktivität des Präsidenten, seine medienwirksame Allgegenwart und schnelle Reaktionsfähigkeit standen in krassem Widerspruch zu den politischen Ergebnissen. Nach und nach verloren die Franzosen das Vertrauen in diesen Präsidenten, der alles Mögliche versprochen hat, oft allerdings ohne es dann zu verwirklichen. Seine Wahlniederlage war keine wirkliche Überraschung, schon im ganzen Jahr 2011 waren seine Beliebtheitswerte im Keller. Selbst Sarkozys Versuch, Hollande im Fernsehduell zwischen den beiden Durchgängen nach den eigenen Worten zu "zerschmettern", misslang. Die Debatte war zwar rüde, endete aber ausgeglichen.











