Schüssel nach Brüssel? - Die Chancen steigen
Im Gerangel um die neuen EU-Spitzenämter fällt immer öfters der Name des Altkanzlers.

Foto © APALiegt Wolfgang Schüssels Zukunft in Brüssel?
Nie von sich reden und warten können - das empfahl schon Baltasar Gracián seinen Lesern. Sein berühmtes Handorakel von 1647 ist eines der Lieblingsbücher von Wolfgang Schüssel, für den sich das aufmerksame Studium der Sentenzen des spanischen Jesuiten nun bezahlt machen könnte. Denn die EU bekommt einen Präsidenten und als möglicher Anwärter auf den ansehnlichen Posten wird immer häufiger der Name des österreichischen Altkanzlers genannt.
Angeblich soll er sogar der heimliche Favorit von Angela Merkel sein, die aber schlau genug ist, sich nicht festzulegen.
Schüssels Chancen gestiegen.
Schüssel nach Brüssel? Noch vor wenigen Wochen wäre das von vielen als rot-weiß-rotes Wunschdenken abgetan worden. Doch in dem Maße, wie im europäischen Postenkarussell zuletzt die Aktien seiner Mitbewerber sanken, sind jene des Ex-Kanzlers gestiegen.
Blairs Männer nicht hinter ihm.
Tony Blair, der ebenfalls mit dem Spitzenposten liebäugeln soll, kann nicht einmal mit dem Beistand seiner eigenen Genossen rechnen. Und Jean-Claude Juncker, der seit Jahren für höhere europäische Weihen im Gespräch ist, zögert. Zwar gilt der konservative luxemburgische Langzeitpremier als klarer Favorit für das Präsidentenamt. Er hat die Unterstützung fast aller großen Länder außer jener Londons, für das er ein rotes Tuch ist, seitdem er vor ein paar Jahren erklärte, die EU sei auch ohne die Briten denkbar.
Zwar soll Premier Gordon Brown bereit sein, seine Vorbehalte Juncker gegenüber aufzugeben, wenn Labour-Außenminister David Miliband ab November 2009 das zweite Brüsseler Spitzenamt erhält - den Posten des neuen EU-Außenministers, der zugleich Vizechef der Kommission ist.
Features
Neues Amt
Das mit dem Vertrag von Lissabon neu geschaffene Amt des EU-Präsidenten ist prestigeträchtig: Dieser soll für maximal fünf Jahre die Gipfel der Regierungschefs leiten und die EU nach außen vertreten - eine Aufgabe ganz nach dem Geschmack des VP-Klubchefs.













