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Zuletzt aktualisiert: 02.01.2008 um 14:26 Uhr

Gusenbauer will den Sinn der EU-Verträge besser kommunizieren

Der Bundeskanzler plant stärkere Informationen über die EU für die Bevölkerung.

Foto © APA

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer hält es für notwendig, die politische Kommunikation zu verstärken, um den Menschen Sinn und Inhalt von EU-Regelungen besser zu erklären. EU-Verträge wie der Vertrag von Lissabon oder auch die Verträge von Maastricht oder Nizza seien nicht schwerer zu verstehen als österreichische Bundesgesetzblätter. Man müsse sich mit Vorschlägen der EU-Kommission ebenso kritisch auseinandersetzen wie mit österreichischen Gesetzen, "aber ohne den Reflex, die ganze EU infrage zu stellen, wenn eine Formulierung schwer verständlich ist", sagte Gusenbauer in einem außenpolitischen Interview mit der Austria Presse Agentur zum Jahreswechsel.

Verständnis für Kritiker. Auf die Frage, ob er Verständnis für Kritiker habe, die Auftritte des EU-Kommissionspräsidenten als abgehoben und wenig volksnah empfänden, wies der Kanzler zunächst lachend darauf hin, dass die volksnahen Politiker ja ohnehin in den EU-Staaten zu Hause seien. Die Mitglieder der Kommission seien zum Teil Minister und Ministerpräsidenten. Wären sie tatsächlich "abgehoben", hätte man sie in ihren Ländern kaum gewählt. Das Problem bestehe darin, dass auf EU-Ebene schwierige sachliche Kompromisse ausverhandelt würden und den unterschiedlichsten Interessen Rechnung getragen werden müsse. "Die Art, wie die EU arbeitet, ist auf jeden Fall auf der Ebene der Kommission nicht für Populismus geeignet. Kein Kommissar, der sich populistisch gebärdet, würde irgendetwas zu sagen haben." Andererseits laufe sachorientierte Arbeit gelegentlich Gefahr, meinte Gusenbauer, "ein wenig ins Technokratische abzugleiten".

Vertrag von Lissabon. Auf die Frage, wie er den Menschen den Vertrag von Lissabon kurz und prägnant erklären würde, antwortet Gusenbauer: Durch die Grundrechts-Charta erhalte jeder einzelne EU-Bürger die Möglichkeit, gegen nationale Gesetze den Europäischen Gerichtshof anzurufen. Zweitens werde die Demokratie in der EU gestärkt. Der Einfluss des Europäischen Parlaments und auch der nationalen Parlamente wachse durch den Vertrag von Lissabon. "Auch das österreichische Parlament hat in Zukunft größeren Einfluss auf das, was in der EU passiert." Drittens stelle der Vertrag sicher, dass das erweiterte Europa auch funktioniert. "Alle bisherigen Verträge waren Verträge von 15 Mitgliedsstaaten. Und jetzt sind wir 27. Und wenn sich die Familie vergrößert, müssen Reorganisationen durchgeführt werden. In der Europäischen Union ist es nicht anders."

Tschad-Einsatz. Die Beteiligung österreichischer Bundesheer-Soldaten im Tschad bezeichnete der Bundeskanzler als "wichtigen humanitären Einsatz". "Man kann doch nicht hergehen und die Augen verschließen vor einer humanitären Katastrophe dieses Ausmaßes, wo Hunderttausende auf der Flucht sind und ohne Schutz internationaler Truppen nicht einmal lebend die Flüchtlingslager erreichen", sagte Gusenbauer. Die humanitäre Dimension des Tschad-Einsatzes werde zudem durch die Beteiligung neutraler und allianzfreier europäischer Staaten unterstrichen. Er betrachte es als europäische Verpflichtung, im Tschad "nicht wegzuschauen, sondern etwas zu unternehmen".


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