Plädoyer Schüssels für EU-Reformvertrag
EU-Beitritt und EU-Erweiterung hätten Österreich enorme Vorteile gebracht, sagte der Ex-Kanzler. BZÖ-Kampagne sei "Tiefpunkt der politischen Geschmacklosigkeit".

Foto © APA (Arvhivfoto)Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hielt ein Plädoyer für den EU-Reformvertrag
Ein flammendes Plädoyer für den
EU-Reformvertrag hat am Donnerstag ÖVP-Klubobmann Wolfgang Schüssel
gehalten. EU-Beitritt und EU-Erweiterung hätten Österreich enorme
Vorteile gebracht, Land und Menschen würden davon profitieren, sagte
Schüssel bei einem Pressegespräch in Klagenfurt. Die
"Patrioten"-Kampagne des BZÖ für eine Volksbefragung über den
EU-Vertrag nannte er den "Tiefpunkt der politischen
Geschmacklosigkeit".
Unsinn.
Zu den Plakaten des BZÖ meinte Schüssel: "Peinlicher geht's nicht
mehr." Die Kärntner seien ebenso Bestandteil Europas wie alle anderen
Mitgliedsländer. Gegen die EU Stimmung zu machen, sei daher
schizophren. "Wir sind Europa", betonte Schüssel. Die Behauptungen,
dass Österreich in der EU nichts mehr zu reden hätte, wenn der
Reformvertrag in Kraft trete, sei Unsinn. Weder werde Österreich das
Wasser genommen noch die Neutralität: "Es wird uns niemand zwingen,
an Einsätzen teilzunehmen." In der Außen- und Verteidigungspolitik
bleibe das Einstimmigkeitsprinzip ja erhalten.
Infos über EU-Vertrag.
Der Klubchef unterstrich, dass das Parlament den ursprünglichen
EU-Verfassungsvertrag "mit einer einzigen Gegenstimme" angenommen
habe. Es sei daher absurd, wenn die FPÖ nun einem EU-Austritt das
Wort rede und das BZÖ eine Volksbefragung verlange. Er räumte aber
ein, dass man das Thema zu wenig transportiert hätte, was er als
"Bringschuld" der Politik bezeichnete. Dies soll nun nachgeholt
werden. "Wir werden Informationen über den EU-Vertrag an die Bürger
heranbringen", versprach Schüssel.
Wirtschaftsprogramm.
Es sei richtig, dass Österreich als Nettozahler mehr Geld nach
Brüssel überweise als es erhalte, so der ehemalige Bundeskanzler. Er
wies aber darauf hin, dass von den 20 Millarden Euro, die man in den
vergangenen zwölf Jahren überwiesen habe, 17,5 Milliarden wieder ins
Land geflossen seien. "Mit der Kofinanzierung durch Bund und Länder
ist damit ein Wirtschaftsprogramm von rund 25 Milliarden Euro
realisiert worden."
Exporte.
Generell hat die Alpenrepublik nach Ansicht Schüssels von der EU
enorm profitiert: "Wir waren früher immer ein Agrarnettoimporteur,
heute haben wir eine Milliarde Überschuss." So exportiere Österreich
mehr Käse als die Schweiz. Die heimischen Käseexporte lägen bei 319
Millionen Euro, jene der Schweiz bei 309 Millionen Euro. Österreich habe die
Chancen der EU-Erweiterung genutzt, das Land stehe gut da.











