Österreichs Handel zeigt Gentechnik die rote Karte
Die EU will die Einfuhr von Gentech-Produkten erlauben, um hohe Strafen zu umgehen. Österreichs Lebensmittelhandel wird aber auch weiterhin auf genmanipulierte Produkte verzichten.

Foto © APAGenfreier Mais bald Geschichte?
Im Gen-Streit vor der WTO der EU mit den Anbaustaaten
USA, Kanada und Argentinien blickt Österreich optimistisch in die
Zukunft: Wie Experten am Donnerstagabend vor Journalisten betonten,
werde sich am gentechnikfreien Status der Alpenrepublik bis auf
weiteres nichts ändern, auch wenn die EU-Kommission die heimischen
Importverbote aufheben sollte, was auf Grund drohender Strafzölle in
Höhe von hunderten Millionen Euro jährlich gemeinhin erwartet wird.
Einerseits werde der Lebensmittelhandel auch weiterhin auf
GVO-Produkte verzichten, andererseits bestehe künftig die
Möglichkeit, die strittigen GVO-Sorten für den heimischen Anbau zu
verbieten.
Importverbote.
Zur Debatte stehen unter anderem Österreichs Importverbote für die
Gen-Maissorten MON810 von Monsanto und T-25 von Bayer, die 2006 von
der WTO neben den Restriktionen einiger anderer EU-Staaten für
unzulässig erklärt worden waren. Die Kommission versuchte daraufhin
in mehreren Anläufen, die Verbote zu kippen, wofür der Weg im
Umweltministerrat vergangenen Oktober schließlich geebnet wurde.
Neuregelung.
Wie die Neuregelung aussehen wird, ist zwar von der Kommission
nach wie vor nicht entschieden worden, soll aber die Möglichkeit
eines "Importverbotes zum Zwecke des Anbaus" vorsehen, erläuterte der
Bereichsleiter für Verbrauchergesundheit im Gesundheitsministerium,
Ulrich Herzog. Dies sei WTO-konform und ermögliche es Österreich im
Bereich Landwirtschaft weiterhin GVO-frei zu bleiben. "Ich glaube,
dass wir weit davon entfernt sind, dass es hier zu einer
unbeherrschbaren Situation kommt."
Freiwillige Selbstverzichtung.
Auch für die Konsumenten wird sich aus Expertensicht nichts
Wesentliches ändern: Schon bisher gilt in der heimischen
Lebensmittelbranche eine freiwillige Selbstverpflichtung, wonach
keine gentechnisch veränderten Waren angeboten werden. Der Grund ist
die hierzulande extrem starke Abneigung der Konsumenten gegenüber den
GVO-Produkten. Auch in Zukunft werde sich daran nichts ändern,
versicherte Markus Schörpf, Obmann der ARGE Gentechnik-frei: "Sollten
die Importverbote fallen, denkt der Handel nicht daran, GVO-Produkte
zu listen."
Strafzölle.
Ab heute, Freitag, drohen der EU wegen der nach wie vor nicht
außer Kraft gesetzten Importverbote millionenschwere Strafzölle. Die
Klagsstaaten USA, Kanada und Argentinien haben 30 Tage Zeit,
entsprechende Maßnahmen gegen die EU zu beschließen. Die
EU-Kommission, die sich für eine Aufhebung der Importverbote stark
gemacht hat und dies rechtlich auch tun darf, hat bisher aber noch
keine Maßnahmen beschlossen.
Features
Zum Thema
Kommissionsvorschlag
Der EU-Kommissions-
vorschlag sieht vor,
dass Produkte, die die Maissorten Mon810 und T25 enthalten (nicht
aber entsprechendes Saatgut) künftig nach Österreich importiert
werden dürfen.
Gentech-Importverbote
Fakten
Scharfe Kritik an der EU-Kommission kam von den Umweltschutzorganisationen Global 2000 ("Kniefall der Europäischen Kommission vor der Gentechnik-Lobby") und Greenpeace.











