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    Zuletzt aktualisiert: 02.09.2007 um 19:59 Uhr

    Sehnsucht nach EU-Staatsbürgerschaft in Israel

    Israel durchläuft gerade eine gesellschaftspolitische Kontinentalverschiebung.

    Der frühere Bürgermeister von Jerusalem, Teddy Kollek und der ehemalige österreichische Bundeskanzler Franz Vranitzky auf einem Archivbild vom 8. Juni 1993

    Foto © APADer frühere Bürgermeister von Jerusalem, Teddy Kollek und der ehemalige österreichische Bundeskanzler Franz Vranitzky auf einem Archivbild vom 8. Juni 1993

    In Israel hat ein Ansturm auf die österreichische Staatsbürgerschaft eingesetzt. Mehr als 5000 sind in den letzten Jahren verliehen worden. Den Antrag stellen Altösterreicher, die 1938 und später von Nazis vertrieben worden sind und den Holocaust überlebt haben, sowie deren Nachfahren.

    Trend. Diese sensationelle Entwicklung in den historisch belasteten bilateralen Beziehungen reiht sich ein in einen größeren Trend: Israelis mit Wurzeln in einem der 27 EU-Länder suchen um eine "EU-Staatsbürgerschaft" an. Das ist auch Ausdruck einer tiefen Krise, in der Israel steckt. Die Sprengstoffattentate der nahen Vergangenheit sowie das Fiasko des Libanon-Krieges haben den Mythos der Unbesiegbarkeit zerstört. Der Nahost-Konflikt scheint ausweglos zu sein, die iranische Gefahr sowie das amerikanische Scheitern im Irak steigern nicht gerade das Sicherheitsgefühl.

    Gesellschaftliche Veränderungen. Abgesehen davon durchläuft Israel gerade eine demographische und damit auch gesellschaftliche Kontinentalverschiebung. Während die Zahl der mitunter ultraorthodoxen Juden wegen der hohen Kinderrate stark ansteigt und seit Gorbatschow mehr als eine Million Russen eingewandert sind, werden die Ashkenasim, die europäischen Juden, immer mehr zur Minderheit.

    Drei "Eiszeiten". Seit dem Ende des Holocaust und der Nazi-Herrschaft haben die israelisch-österreichischen Beziehungen dreimal eine Eiszeit durchlaufen. 1977 stellten die Isarelis die offizielle Besuchsdiplomatie wegen der durchaus visionären, palästinenser-freundlichen Politik von Bruno Kreisky ein. Österreich war 1980 der erste westliche Staat, der die PLO anerkennt. Ein neuerlicher Tiefpunkt wurde mit der Waldheim-Affäre erreicht, die das schlampige Verhältnis der Österreicher zu ihrer eigenen Vergangenheit ans Tageslicht brachte.


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