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Zuletzt aktualisiert: 26.03.2007 um 07:55 Uhr

EU-Gipfel: Es herrschte nicht nur Harmonie

Angela Merkel legt zum 50. Geburtstag der EU eine fulminante Festrede hin. Beim Festessen gerieten sich die EU-Chefs bereits in die Haare.

Die Festrede der Angela Merkel beeindruckte durchaus

Foto © ReutersDie Festrede der Angela Merkel beeindruckte durchaus

Es begann so würdevoll und endete - was hätten wir anderes erwarten sollen - mit einem handfesten Streit: die am Sonntag in Berlin zu Ende gegangene 50-Jahre-Feier der EU.

Merkels Rede. Zunächst ging Ratspräsidentin Angela Merkel in einer bemerkenswerten Rede beim Festakt im historischen Zeughaus Unter den Linden auf die Errungenschaften, aber auch auf die Herausforderungen der EU ein. Andächtig lauschten die anderen 26 Staats- und Regierungschefs, darunter Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und seine Lebensgefährtin Eva Steiner.

"Traum wurde wahr". Merkel erinnerte daran, dass nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs mit der Gründung der EU "ein Traum wahr" geworden ist. Andererseits sollten sich die Europäer nicht in falscher Sicherheit wiegen. In Anspielung auf die Raketendebatte warnte die deutsche Bundeskanzlerin: "Europa darf sich niemals selbst spalten oder spalten lassen."

Die EU-Verfassung. Im Zentrum der politischen Diskussion stand die Zukunft der EU-Verfassung. Ende Juni soll ein Fahrplan beschlossen werden, zu den Europawahlen 2009 sollte die Nachfolgeversion das Licht der Welt erblickt habe. "Ein Scheitern wäre ein historisches Scheitern", so Merkel. Süffisant berichtete sie von einem britischen Diplomaten, der sich zur Geburtsstunde der Römischen Verträge 1957 zum Kommentar hinreißen ließ: "Der Vertrag hat keine Chance, unterzeichnet zu werden. Wird er unterzeichnet, scheitert er an der Ratifizierung. Wird er dennoch ratifiziert, dann wird er nie umgesetzt." So kann man sich täuschen.

Ein Vergleich. Applaus ernte die Bundeskanzlerin bei dem mit Selbstironie verpackten Verweis auf ein anderes Zitat, wonach Verträge "wie Mädchen und Rosen" seien: "Sie halten nur eine gewisse Zeit." In der Zwischenzeit sei "der Rosenstock seit 1957 deutlich gewachsen", sie selbst bezeichnete sich als "zugegebenermaßen schon etwas älteres Mädchen".

Aus der Fremdherrschaft. Kommissionschef Jose Manuel Barroso erinnerte daran, dass von den heute 27 EU-Staaten vor 50 Jahren immerhin fünfzehn Länder entweder unter Fremdherrschaft standen (Ostblock, Zypern und Malta als britische Kolonie) oder von Diktatoren (Spanien, Portugal, Griechenland) regiert wurden. Italiens Premier Romano Prodi rief die EU zu "kreativem Wahnsinn" auf.

MICHAEL JUNGWIRTH, BERLIN

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