Auftrag, Bestätigung - und Modell für die Welt
Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel interpretiert den Friedensnobelpreis für die Europäische Union als Ansporn, die EU weiterzuentwickeln. Alt-Bundeskanzler Franz Vranitzky sieht Bestätigung - und ein Signal an Anti-EU-Gruppen.

Foto © APAAlt-Bundeskanzler Franz Vranitzky: "Signal gegen den Rückscritt"
Die Auszeichnung sei eine Triebfeder für alle, die die EU "zu einem Modell machen wollen, wie auch andere Regionen der Welt besser zusammenleben können", sagte die CDU-Politikerin am Samstag in ihrem wöchentlichen Internet-Podcast. Der Preis erinnere an die Gründerväter der EU, "die nach dem Zweiten Weltkrieg davon beseelt waren, dass nie wieder Krieg zwischen den Völkern in Europa sein darf".
Für ihre Verdienste um Versöhnung und Integration in Europa erhält die EU in diesem Jahr den Friedensnobelpreis. Das Komitee begründete die Entscheidung am Freitag damit, dass die EU über sechs Jahrzehnte entscheidend zur friedlichen Entwicklung in Europa beigetragen habe.
"Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir die Europäische Union brauchen und dass der Euro weit mehr ist als eine Währung - er ist ein Bekenntnis, zusammenzuhalten", sagte Merkel weiter. Doch ein gemeinsamer Staat nach dem Vorbild der USA würde die EU ihre Meinung nach überfordern. "Wir sind ja doch Länder mit einer sehr eigenen nationalen Geschichte. Jedes hat seine Sprache, seine Kultur."
Vranitzky sieht gemeinsame Zukunft
Alt-Bundeskanzler Franz Vranitzky hat die Zuerkennung des Friedensnobelpreises für die Europäische Union als "eindrucksvolle Anerkennung des Friedenswillens und des Gemeinschaftssinnes" des Großteils der Völker, die sich im europäischen Einigungsprojekt zusammengeschlossen haben, bezeichnet. Zugleich sei die Auszeichnung aber auch ein "Signal an jene - wenn auch kleine Gruppen - vom Rückschritt in die perspektivenlose nationalstaatliche Politik abzulassen", erklärte Vranitzky am Samstag gegenüber der APA.
"Dass sich die österreichische Bevölkerung schon vor 18 Jahren für diesen Weg mit großer Mehrheit entschieden hat, wird mit dem heurigen Friedensnobelpreis honoriert", so Vranitzky, der Österreich als Regierungschef 1995 in die EU führte. Er erinnerte daran, dass Europa im unmittelbaren kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wettbewerb mit den USA, China und Russland stehe und kein europäisches Land allein in diesem Wettbewerb auf Dauer bestehen könne. "Unsere Zukunft liegt in unserer europäischen Gemeinsamkeit," so der frühere SP-Bundeskanzler.
Auf die Frage ob sich die europaskeptische Stimmung in Österreich durch den Preis ändern werde, meinte Vranitzky: "Die wird sich dann ändern, wenn die Entscheidungsträger eine aktive und überzeugende Europa-Politik machen." Der Alt-Bundeskanzler hatte wiederholt das Fehlen "einer sichtbaren Europa-Politik" in Österreich kritisiert.












